Die Ausstellung Actually, the Dead Are Not Dead. Una forma de ser (Eine Form des Seins oder Lebens) beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen dem Fest und dem Feld des Politischen. Sie untersucht das Fest als soziale und kollektive Bühne der Emanzipation und Selbstbestimmung und geht den ästhetischen und poetischen Formen nach, die sich daraus seit dem 19. Jahrhundert insbesondere im Umfeld der Subkulturen der Rom*nja, Flamencos und Bohèmes gebildet haben. Das Fest als ästhetischer Rahmen der Verkehrung sozialer Verhältnisse (Karneval) sowie der Durchdringung von Ausgelassenheit und Rebellion, Folklore und Avantgarde wird dabei nicht nur historisch, sondern insbesondere in Bezug auf die Gegenwart ausgelotet. Dabei verbindet die Ausstellung bildende Kunst, Musik und Tanz ebenso miteinander wie die avancierten Künste und Populärkultur vom 19. Jahrhundert bis heute.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Erfahrungen von Lockdown und Abstandsregeln hat das thematische Feld der Ausstellung eine neue Bedeutung erhalten: Ist doch das Fest, das für soziale und körperliche Nähe schlechthin steht, derzeit Inbegriff des pandemischen Sündenfalls. Darüber hinaus sind bestimmte soziale Gruppen wie die Rom*nja von der Corona-Pandemie und ihren Folgen besonders stark betroffen und hat sich ihre bereits lange davor bestehende gesellschaftliche Ausgrenzung noch verschärft. Insofern greift die Ausstellung auch raumpolitische Aspekte auf.

Unter dem Titel Una forma de ser geht es den Kurator*innen, María García Ruiz und Pedro G. Romero, darum, die Gemeinschaften der Rom*nja, Flamencos und Bohèmes jenseits von Identitätspolitiken im Hinblick auf Formen und Strategien der politischen Subjektivierung zu verhandeln. Selbstbilder, Fremdbilder und deren verkehrende Aneignung erzeugen dabei eine Reihe von Spannungsverhältnissen, die kaum aufzulösen sind, aber vielleicht einen Beitrag zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit diesen Bildern leisten können.

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre. Das geplante Diskurs-, Performance- und Vermittlungsprogramm wird gemäß der pandemischen Entwicklungen online und / oder onsite stattfinden. Bereits im Rahmen der ersten Ausstellung der Reihe, die aufgrund der Pandemie unterbrochen und verlängert wurde, hat der Kunstverein ein Shutdown Programm initiiert, das die Fragen und Themen des Projektes in verschiedenen Onlineformaten vertieft.