Die retrospektiv angelegte Ausstellung gibt erst- mals einen umfassenden Einblick in das facetten- reiche Œuvre des Malers Helmut Sturm und beleuchtet seine verschiedenen Werkphasen. Die Leinwand versteht er zeitlebens als „räumlich bewegtes Spielfeld“, in dem sich Gegenständliches und Abstraktes mit „allerlei Gerümpel aus der Spielzeugkiste der Wirklichkeit“ verbinden. Die permanente Befragung seiner Malerei hat sich Helmut Sturm, 1932 in Furth im Wald in der Oberpfalz geboren und 2008 in München verstorben, zur Lebensaufgabe gemacht. Heute zählen seine farbmächtigen Arbeiten zu den bedeutendsten Zeugnissen der abstrakt-expressiven Malerei nach 1945 in Deutschland.

Helmut Sturm ist 1957 Mitbegründer und Initiator der gesellschaftskritischen Künstlergruppe SPUR und gehört zeitweise der Situationistischen Internationale (S.I.) mit Sitz in Paris an. Folglich steht er nicht nur in regem Austausch mit nationalen und internationalen Strömungen, sondern trägt wesentlich zur künstlerischen Aufbruchsstimmung der 1960er Jahre bei. Es folgen inspirierende Jahre mit den Künstlergemeinschaften SPURWIR (1965), GEFLECHT (1966-1968) und KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE (1976-1982). In der Auseinandersetzung mit den Künstlergruppen entwickelt er nach und nach seine höchst eigenständige Formensprache. Immer geht es ihm um den dynamischen Malprozess, den sich über die Malfläche ausbreitenden Bild- und Farbraum und das Wechselspiel von Konstruktion und spontaner Geste.

Auch zeigen seine künstlerischen Errungenschaften die frühe Auseinandersetzung mit dem Kubismus und dem Informel sowie die Beschäftigung mit den Malern Wassily Kandinsky, Max Beckmann, Asger Jorn, Willem de Kooning und später vor allem Emilio Vedova. Neben der Malerei gilt Helmut Sturms Aufmerksamkeit der Politik, den Schriftstellern und Denkern, der klassischen Musik und dem Jazz. Auch während seiner Lehrtätigkeit als Professor für Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin und der Akademie der Bildenden Künste in München steht er in regem Austausch mit Kollegen und Studierenden und setzt weitreichende Impulse. Stets am Miteinander interessiert, ist er ein wichtiger Gruppeninitiator und Mitstreiter. Lothar Fischer sah in seinem SPUR-Freund das „Gruppenoberhaupt“, das immer alle zusammenhielt. Doch für Helmut Sturm ist die Gruppe auch ein wichtiger „Störfaktor“, denn keiner sollte in einem Malstil verharren. So war Helmut Sturm sein Leben lang auch im Dialog: mit seinen Studenten, den Künstlerkollegen, den Gruppenmitgliedern, seiner Familie und vor allem mit der Leinwand und seiner Malerei.

Helmut Sturms Werk wird punktuell mit Plastiken von Lothar Fischer präsentiert. Den Abschluss der Sonderausstellung bildet eine Installation von Felix Boekamp (*1977 Nürnberg), der sich intensiv mit Helmut Sturms Schaffen auseinandergesetzt hat. Es erscheint ein Auflagendruck von Felix Boekamp, ca. 40 x 40 cm. 15 Exemplare, 100 €.

Dank geht an die Leihgeber: Archiv Helmut Sturm, Galerie van de Loo, Kunsthalle Emden, Kunstmuseum Ravensburg, Sammlung Selinka, Sammlung Herbert Kochta, Archiv Christa Schübbe, Sammlung Rânebach sowie zahlreiche Privatsammlungen.

Die Retrospektive ist eine Kooperation mit der Kunsthalle Emden, dem Kunstmuseum Ravensburg und dem Archiv Helmut Sturm. Es ist ein Katalog im Hirmer Verlag erschie- nen, Deu./Engl., 240 S., im Museum 29,90 €.

Helmut Sturm, 1964,© Foto: Maria Sturm
28.03. - 04.07.2021

Helmut Sturm: Spielfelder der Wirklichkeit

Museum Lothar Fischer

Weiherstraße 7 a
92318 Neumarkt i.d.OPf.