Schlapphut, Stoppelbart und sieben Messer im Gürtel – dennoch ist der gefährliche Räuber Hotzenplotz ein Liebling aller Kinder. Vielleicht, weil sie ihn auch im Morgenmantel, unbewaffnet und strumpfsockig kennen und er Großmutters Kaffeemühle nur deshalb klaut, weil sie so schöne Musik spielt ... Und schließlich hat es auch ein Räuber nicht leicht – er denkt sogar ernsthaft über einen Berufswechsel nach: Die Räuberei bringe „zu wenig ein und anstrengend ist sie außerdem“, so Hotzenplotz selbst.

Sei‘s drum: Dem bärbeißigen Schurken muss das Handwerk gelegt werden und dabei können nun alle Kinder und ihre Familien im Schloss Karlsruhe mithelfen: Die Geschichte von Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz, die zu den bekanntesten der Kinderliteratur gehört, ist bis 6. Juni 2021 Thema einer Mitmachausstellung im Badischen Landesmuseum. In der liebevoll arrangierten Inszenierung tauchen kleine und große Gäste direkt in die Geschichte ein. Zusammen mit Kasperl und Seppel gilt es, den Räuber Hotzenplotz hinter Gitter zu bringen. Dabei müssen die Besucherinnen und Besucher kniffelige Rätsel lösen, spielen und sogar zaubern.

In nur drei Monaten schreibt Otfried Preußler seinen ersten Band zum Räuber Hotzenplotz und ist selbst überrascht über den prompten Erfolg nach der Veröffentlichung 1962. Der tollpatschige Schurke gelangte inzwischen zu Weltruhm, die Geschichte wurde in 38 Sprachen, wie Koreanisch oder Africaans, übersetzt. Daran haben auch die Illustrationen von Franz J. Tripp wesentlichen Anteil, die 2012 von Mathias Weber koloriert wurden. Sie verleihen den Figuren Preußlers ihr charakteristisch-liebenswertes Äußeres und sorgen dafür, dass die Bösewichte der Geschichte nicht gar so furchteinflößend wirken: So zeigt Tripp den mächtigen Zauberer Petrosilius Zwackelmann auch schon einmal im Nachthemd.

Die im Buch in Wort und Bild geschilderte Welt des Räubers wurde für die Mitmachausstellung detailverliebt ins Dreidimensionale übertragen und versetzt nun ganze Generationen zurück in ihre Kindheit ... Die Gestalter Bernotat & Co erhielten für ihre märchenhafte Kreation den German Design Award 2020.

Die Kinder betreten die Ausstellung durch einen roten Vorhang und beginnen ihre Reise im Haus der Großmutter. Die Großmutter ist noch ohnmächtig vom Schrecken, den ihr der Räuber Hotzenplotz eingejagt hat. Deswegen gilt es den Esstisch selbst zu decken. An welchem Wochentag gibt es noch mal Pflaumenkuchen und an welchem Bratwurst mit Sauerkraut? Danach geht es direkt in den Wald. Mit einer großen Goldkiste, die als Puzzle zusammengebaut und anschließend durch den Wald gezogen wird, soll der bärtige Gauner aus seinem Versteck gelockt werden. Dabei werden Wörter verdreht oder in Räubermanier Zielen und Treffen trainiert.

Doch Seppel und Kasperl geraten in einen Hinterhalt des Räubers, und Kasperl wird in das Zauberschloss des Bösewichts Petrosilius Zwackelmann verschleppt. Über die Speisekammer geht es im Zauberschloss in den dunklen Unkenpfuhl, um die verwunschene Fee Amaryllis zu befreien. Ob es geklappt hat? Mehr dazu im Polizeirevier von Wachtmeister Dimpfelmoser am Ende der Ausstellung. Wer außerdem einen Spitzbuben in der Familie oder als Freund hat, kann für den Wachtmeister hier direkt einen Steckbrief anfertigen.

Ein eigener Ausstellungsraum beschäftigt sich mit Otfried Preußler und dem Phänomen Hotzenplotz. Wie ist die einfache und doch raffinierte Geschichte einst entstanden und welchen Anteil haben daran die Kinder selbst? Eigentlich schrieb Preußler seinen „Hotzenplotz“, um sich von der langwierigen zehnjährigen Arbeit am „Krabat“ abzulenken. Eine Fortsetzung hatte er gar nicht geplant – sonst hätte er den Zauberer Petrosilius Zwackelmann „unter keinen Umständen bereits im ersten Band das Zeitliche segnen lassen“. Doch, wie Preußlers Nachlass beweist, drängten ihn Kinder aus aller Welt in allerliebsten Briefen dazu. Die schönsten Ausschnitte daraus werden in der Ausstellung in einen Dialog mit Zitaten von Preußler gebracht. Außerdem zeichnet der Ausstellungsbereich die Bemühungen des Autors nach, ein lebendiges Kasperltheater und einen vomgesprochenen Wort geprägten Schreibstil zwischen zwei Buchdeckel zu packen.

Mit „Räuber Hotzenplotz“ zeigt das Badische Landesmuseum – nach „Cowboy und Indianer – Made in Germany“ 2016 – seine zweite Ausstellung für Kinder und Familien. Weitere Kinderausstellungen sind geplant, um im Rahmen der Neukonzeption des Badischen Landesmuseums Erfahrungen für ein eigenes Kindermuseum zu sammeln. Dazu zählt auch die Prüfung der infrastrukturellen Einrichtungen des Museums, wie Still-, Wickel- und Ruheplätze. Die Kulturvermittlung des Hauses erweitert die Angebote für Kinder und Familien am Badischen Landesmuseum stetig. So entstand 2019 eine eigene digitale Kinderspur in der Abteilung „Archäologie in Baden“ mit dem Roboter „Expi.1“. Mit der Eröffnung von „Räuber Hotzenplotz“ startet zudem ein neues Angebot für die Dauerausstellungen: Mit dem Heft „Schatzsuche“, das Kinder für drei Euro samt aller notwendiger Materialien an der Kasse erhalten, gehen 5- bis 10-Jährige auf eine Expedition durchs Museum.

Die Mitmachausstellung stellt das Museum in Zeiten von Corona vor neue Herausforderungen. Ein auf die speziellen Bedürfnisse einer Familienausstellung angepasstes Sicherheits- und Hygienekonzept erlaubt ein unbeschwertes Hotzenplotz-Erlebnis im Schloss. Ein eigens entwickeltes Zugangssystem regelt die Einlassbeschränkung, so dass sich eine maximal begrenzte Personenzahl in der Ausstellung aufhält. Auf der gesamten Ausstellungsfläche stehen Desinfektionsmittelspender bereit. Auf Abstand wird ebenso geachtet wie auf regelmäßiges Lüften. Für die Veranstaltungen und Aktionen wurde ein eigener großer Aktionsraum im Erdgeschoss eingerichtet. Für Kinder und Personen über sechs Jahren besteht Maskenpflicht. Während der Laufzeit wird das Museum auch weiterhin auf die Vorgaben des Landes Baden- Württemberg achten und das Hygiene- und Sicherheitskonzept an die Empfehlungen anpassen.