Hanns Schimansky, von 1998 bis 2015 Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, ist ein Klassiker der zeitgenössischen Zeichnung. In höchster Konsequenz und Qualität fokussiert er sich fast ausschließlich auf diese Technik. Entstanden ist ein unverwechselbares Bilduniversum, das durch andauernde Schöpfungsprozesse, neue Werkgruppen und Konzepte stetig bereichert wird. 
Die Linie ist als minimale Ausdrucksform der Zeichnung Hanns Schimanskys eigentliche Sprache. Im Laufe seiner nunmehr über fünfzigjährigen künstlerischen Tätigkeit hat sie der 1949 in Bitterfeld geborene Künstler in den unterschiedlichsten Variationen anklingen lassen, durchgespielt, kraftvoll über die Papiere gespannt oder weich fließen lassen, ihrer Einfachheit stets neue Bedeutungen abgerungen. 
Durch seine unerschöpfliche, sich nie wiederholende tagtägliche Auseinandersetzung mit der Zeichnung, konnte er sich innerhalb der Gegenwartskunst eine charakterstarke Position erarbeiten. Als Regisseur von Zeichenstift, Pinsel und Papier offenbart der vielfach ausgezeichnete und in Berlin lebende Künstler seine Meisterschaft auch in der Kunst der Papierfaltung. In diesen Werken verdichten sich plastische und grafische Elemente, Farbe, Linie und Relief, besonders eindrücklich zu Systemen eigener Ordnung. 
Es fällt nicht leicht, die Zeichnungen von Hanns Schimansky einem bestimmten Stil zuzuordnen. Mit ihren feinen grafischen Strukturen, Rhythmen, ihren teilweise konkreten Mustern entziehen sie sich vielmehr einer präzisen Festlegung. Sie erforschen immer wieder aufs Neue die pure Ästhetik der Linie, die Wirkung von farbigen Flächen, gefalteten Papierkanten und Schattenverläufen. 
Für den mehrfach ausgezeichneten Künstler – 1996/97 erhielt er das Stipendium Cité Internationale des Arts in Paris und 2012 den Hans Theo Richter-Preis der Sächsischen Akademie der Künste, Dresden – hat die Faltung als künstlerische Handlungsoperation seit 1987, dem Jahr der ersten Auseinandersetzung mit dieser Technik, nichts an Aufregung und Kraft eingebüßt. Stets geht er von einem bezeichneten Bogen Papier aus. Dessen Rückseite wird zumeist monochrom eingestrichen, sei es in Weiß, Schwarz oder aber in den für ihn so charakteristischen leuchtenden Farben wie Gelb, Blau, Grün oder Rot. Schimansky ist die Rückseite dabei erzählerisch der Ort einer „Behauptung“, während für ihn die mit Bleistift- oder Tuschezeichnungen versehenen Vorderseiten eine „Fragestellung“ eröffnen – auch im Wechselspiel der zwei Dimensionen, die er durch die zumeist rechtwinklig ausgeführten Faltungen auf einzigartige Weise in eine neue Körperlichkeit heben kann.
Neben den in farbkräftige Quadrate oder Rechtecke geteilten Tuschefaltungen, hat sich Schimansky jüngst durch den erstmaligen Einsatz von Acrylstiften eine neue Werkgruppe
roter und schwarzer Linienfaltungen erschlossen, in der die durch Faltungen erzeugten Papierschichtungen ein besonderes Spannungsverhältnis mit feinen, roten und schwarzen
Linien und Balkenkörpern eingehen. Geometrisch anmutende Strukturen stehen in Dialogen mit frei artikulierten Bewegungen der Linie.
Nun werden der Künstler und sein Werk in einer großen Einzelausstellung erstmals in der Graphischen Sammlung des Museums Pfalzgalerie zu Gast sein. Die umfangreiche Schau „Umprägung des Augenblicks“, die herausragende Arbeiten der Jahre 2010 bis 2020 zusammenführt, entsteht in enger Zusammenarbeit mit Hanns Schimansky und wird die Faszination der gezeichneten und gefalteten Linie erlebbar machen. 


Öffnungszeiten:
Dienstag: 11:00 - 20:00 Uhr
Mittwoch - Sonntag (Feiertage):  10:00 - 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: mpk.de

Hanns Schimansky, o.T., 2020, Faltung, Acryl, 51 x 60 cm, Fotografie Eric Tschernow, © Hanns Schimansky
08.05. - 08.08.2021

Hanns Schimansky: Umprägung des Augenblicks

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Museumsplatz 1
67657 Kaiserslautern