Der Malerpoet Marc Chagall zählt zu den großen Meistern der Kunst des 20. Jahrhunderts. Die
kunsthalle weishaupt widmet ihm und weiteren Künstlern aus seinem Pariser Umfeld eine
Ausstellung, die rund 90 Grafiken aus den Jahren 1920 bis 1970 vereint.
In der Zusammenschau lässt sich erleben, wie unterschiedlich die Künstler das Medium der
Druckgrafik für ihre jeweils ganz eigene Ausdrucksform nutzen. So finden sich in der Präsentation
neben farbenprächtigen Bilderzyklen auch reduzierte, skizzenartige Drucke voller Witz und
Spontanität.

Mitte der 1960er Jahre erwarb der Sammler Siegfried Weishaupt mit dem Mappenwerk „Daphnis
und Chloe“ von Marc Chagall sein erstes Kunstwerk. Fasziniert von den 42 hochwertigen
Farblithographien legte er damit den Grundstein für seine Sammelleidenschaft, die bis heute
andauert. 

Marc Chagalls Illustrationen des antiken Liebesromans „Daphnis und Chloe“, erschienen 1961, zeigen
sich als ein Fest der Farben und der bildnerischen Erzählkunst. Verortet auf der griechischen Insel
Lesbos, erzählt „Daphnis und Chloe“ die Geschichte zweier Findelkinder, die ihre Liebe zueinander
entdecken.

„Regards sur Paris“ lautet der Titel des zweiten vollständig präsentierten Mappenwerkes dieser
Ausstellung. Künstler wie Georges Braque und Kees van Dongen schufen hierfür jeweils drei oder vier
Lithografien zu unterschiedlichen Texten französischer Autoren. Das Mappenwerk lädt die
Besuchenden zu einer Begegnung mit dem funkelnden Paris bei Nacht ein. Szenen am malerischen
Seineufer wechseln sich ab mit träumerischen Ansichten des Eiffelturms oder Eindrücken der
Montmartre-Bohème. 

Zu den frühesten Arbeiten der Ausstellung gehören drei Radierungen aus der Serie „La Suite Vollard“
von Pablo Picasso aus den 1930er Jahren. Neben klassischen Bildmotiven wie dem Stier-Mensch-
Zwitterwesens Minotauros untersucht Picasso darin in feiner Strichführung den Blick des
künstlerischen Schöpfers auf sein Modell.

Allen Werken der Ausstellung gemein ist ihr verträumt-verklärter Blick auf ihr jeweiliges Sujet. Ganz
gleich, ob die Liebe im antiken Griechenland oder Pariser Stadtszenen zu Beginn des 20.
Jahrhunderts: Fiktion und Realität, Nostalgie und Fantasie verschmelzen zu poetischen Bilderwelten.

Begleitend zur Ausstellung wird Anfang März ein Magazin erscheinen.