In einer neuen Ausstellung präsentiert das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) Arbeiten des französischen Fotografen Willy Ronis aus den 1960er-Jahren zum Alltagsleben in der DDR. Die rund 120 Fotografien werden zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.

Der französische Fotograf Willy Ronis (1910–2009) zählt neben Henri Cartier-Bresson und Robert Doisneau zu den prominentesten Vertretern der „humanistischen Fotografie“, denn der Mensch steht im Mittelpunkt seines Schaffens. Viele seiner Werke haben sich als Ikonen in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben. Für das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst als einziges Museum, das in der DDR eine fotografische Museumssammlung begründete, ist die französische „photographie humaniste“ eine wichtige Referenz. Schnittstellen sind erkennbar zwischen den ästhetischen und inhaltlichen Prinzipien der französischen Bewegung, deren Anfänge auf die 1930er-Jahren zurückgehen, und der Sammlung Fotografie des BLMK, deren Fokus auf der künstlerischen Autorenfotografie Ostdeutschlands liegt, die im Rückgriff auf Bildtraditionen der frühen Moderne sozialdokumentarischen Themen verpflichtet ist.

In der Ausstellung Willy Ronis. Zuerst das Leben werden rund 120 Fotografien aus der DDR der 1960er-Jahre sowie Archivmaterial und Tagebucheinträge erst Mals in Deutschland vorgestellt. Ronis reiste insgesamt drei Mal in die DDR. Das erste Mal 1960 in Form einer organisierten Rundreise. 1967 übernahm der kommunistische Fotograf den Auftrag der deutsch-französischen Gesellschaft EFA (Échanges franco-allemands), die DDR in all ihren gesellschaftlichen Aspekten zu fotografieren. Seine Aufnahmen bieten einen konkreten Blick auf den Alltag in der damals jungen Republik. Seine Perspektive stellt dabei einen Blick von außen auf gesellschaftliche Realitäten und Zustände in den 1960er-Jahren der DDR dar. Die Fotografien zeichnen sich durch die Fokussierung auf Menschen auf dem Land oder im urbanen Raum aus.

Willy Ronis Bilder haben nicht nur maßgeblich unser Bild vom Leben und Kultur unserer französischen Nachbarn geprägt, sondern ebenso in Frankreich ein spezifisches Bild des Lebens in der frühen DDR vermittelt. Nicht zuletzt schuf er ein historisches Dokument zur Alltagsgeschichte der ostdeutschen Gesellschaft, das erstmals 2021 im Espace Richaud in Versailles ausgestellt wurde und nun im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) Cottbus zu sehen ist.

Die Ausstellung ist eine Koproduktion der Médiathèque du patrimoine et de la photographie (MPP) und der Stadt Versailles.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 19:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: blmk.de