Frank Stella prägte mit seinen geometrischen, puristischen Bildern die Kunstgeschichte der Nachkriegszeit. Die große Sonderausstellung im Museum Wiesbaden präsentiert einen der wichtigsten Vertreter der abstrakten Malerei vom 10. Juni bis zum 9. Oktober 2022, zeitgleich zur "documenta fifteen". Im Rahmen der Eröffnung wird ihm der Alexej-von-Jawlensky-Preis verliehen. Ein Highlight der Schau ist die erste museale Präsentation von Stellas neuesten skulpturalen Arbeiten. Malerei, Reliefs und raumgreifende Arbeiten der letzten 60 Jahre stellen Bezüge zu den Sammlungsbereichen des Museums auf - von den Alten Meistern bis hin zur Ornamentik des Jugendstils. 

Frank Stella (*1936 bei Boston, lebt und arbeitet in New York) ist ein Künstler, der sein Werk nicht allein in der Gegenwart verortet. Stattdessen sucht er vielfältige Bezüge in die Vergangenheit - von der Kunst der frühen Neuzeit, über den Barock, bis in die Moderne. Die "Problemstellungen" der Malerei erschienen ihm dabei stets ähnlich, grundlegende Fragestellungen begleiteten alle Malerinnen und Maler durch die Jahrhunderte. Er selbst studierte neben Malerei auch Kunstgeschichte an der Universität von Princeton. Eine Beteiligung an der Ausstellung "Sixteen Americans" im Museum of Modern Art in New York 1959 verhalf dem jungen Künstler mit seinen minimalistischen "Black Paintings" zum künstlerischen Durchbruch. Stellas Streifenbilder waren für viele seiner Kolleginnen und Kollegen zu Beginn der 1960er-Jahre ein Aufbruch in ein vollkommen verändertes Verständnis von Malerei. In den 1980er-Jahren war er der erste Künstler, der als Podiumsgast der Charles Eliot Norton Lectures der Harvard University eingeladen wurde und bis heute zählt Stella zu den bedeutendsten Künstlerpositionen im Kanon der zeitgenössischen Kunstgeschichte. Zuletzt waren Stellas Arbeiten vor zehn Jahren im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen. 

Frank Stella:
"I work away from the flat surface but I still don't want to be threedimensional; that is, totally literal [...] more than two dimensions but short of three, so, for me, 2.7 is probably a very good place to be."

Die abstrakte, ungegenständliche und teils ornamenthafte Kunst von Frank Stella entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich weiter. Von den Anfängen seiner minimalistischen "Black Paintings", über die Nutzung neuer Farben (Neonacrylfarben, industrielle Metallfarben) bis hin zu reliefartigen Werken und raumgreifenden Wandinstallationen inspiriert von der Illusion einer Barockmalerei. Stellas Auseinandersetzung mit den "Problemstellungen" der Malerei wird in seinem seriellen Schaffen deutlich. Seine Arbeit ist ein systematischer Prozess mit Farb-, Form- und Größenvariationen. Das Museum Wiesbaden bietet mit seinem Schwerpunkt amerikanischer Kunst, im Besonderen der Kunst des Minimalismus, wie auch der selbstreferentiellen Malerei von Robert Mangold, David Novros und Joseph Marioni, einen Kontext für die frühen Werke Frank Stellas. 

Dr. Jörg Daur, Kustos für moderne und zeitgenössische Kunst: 
"Gerade weil wir im Museum Wiesbaden von der alten Kunst, über den Jugendstil, bis hin zur Gegenwart unterschiedlichste Facetten der Kunst zeigen können, ist Stella in seiner Vielschichtigkeit für uns eine ideale Besetzung." 

Serielles Arbeiten kennzeichnete das Schaffen Stellas von Anfang an, wie auch der expressionistische Maler Alexej von Jawlensky, der in seinem Spätwerk für seine Meditationen bekannt ist. Die Landeshauptstadt Wiesbaden erinnert mit der Auszeichnung des Alexej-von-Jawlensky-Preis an das Lebenswerk des russischen Malers, der von 1921- 1941 in Wiesbaden lebte und vergibt den Preis gemeinsam mit Nassauischer Sparkasse und Spielbank alle fünf Jahre für das Lebenswerk eines Künstlers/einer Künstlerin. 2022 ist Frank Stella ist der Alexej-von-Jawlensky-Preisträger. 

Gert-Uwe Mende, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden:
"Nach Agnes Martin, Robert Mangold, Brice Marden, Rebecca Horn, Ellsworth Kelly und Richard Serra wird heute Frank Stella mit dem Jawlensky-Preis ausgezeichnet. Darüber bin ich sehr froh. Denn mit Frank Stella zeichnen wir heute nicht nur einen Künstler aus, der seit mehr als sechs Jahrzehnten Kunstgeschichte schreibt, sondern auch einen Menschen, der mit besonderem Sinn für die Kunst anderer Kulturen und offenen Auges durch die Welt gereist ist."

Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden:
"Der Alexej-von-Jawlensky-Preis ist alle fünf Jahre ein Höhepunkt im Ausstellungskalender des Museums Wiesbaden. Wir sind der Hessischen Landeshauptstadt, der Nassauischen Sparkasse und der Spielbank Wiesbaden, die den Preis gemeinsam ausloben, sehr dankbar für die diesjährige Preisvergabe und Förderung. Dem Kuratorium des Preises danke ich aufrichtig die Nominierung von Frank Stella als Preisträger 2022."

Vom 10. Juni bis zum 9. Oktober 2022 stellt die Sonderausstellung in vier Kapiteln das Lebenswerk des US-amerikanischen Künstlers vor, beginnend mit Stellas seriellem Werk der 1950er- und 1960er-Jahre, über die raumgreifenden "Shaped Canvases" der 1970er-Jahre, seinen Auseinandersetzungen mit dem Ornament mitunter zu erkennen in den Wellen der "Moby Dick" Serie. Den neuesten Arbeiten des Künstlers aus der Serie der "Salmon Rivers of the Maritime Provinces" ist ein eigenes Kapitel der Ausstellung gewidmet.

Darüber hinaus wird die Jubiläumsausstellung "Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden" zur Feier des Jawlensky-Preisträgers bis zum 14. August 2022 verlängert. Zur Ausstellung erscheint Anfang Juli der begleitende Katalog im Kerber Verlag mit Aufsätzen von Bernard Ceysson, Jörg Daur, Andreas Henning und Lea Schäfer. Kostenfrei stehen in der App des Museums Wiesbaden zweisprachige Hintergrundinformationen zur Verfügung.

Die Ausstellung Frank Stella wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Art Mentor Foundation Lucerne, der Stadt Wiesbaden, der Nassauischen Sparkasse, der Spielbank Wiesbaden und den Freunden des Museums Wiesbaden e.V.