Fluxus war eine der ersten internationalen und intermediären Kunstbewegungen. Nach dem Auftakt in Deutschland wurde New York zum Knotenpunkt der dezentralen Aktivitäten; dort lebten viele Fluxus-Künstler*innen ganz oder temporär, dort fanden zahlreiche Events statt, dort wurden viele Projekte weltweit initiiert. Die Schlüsselfigur war George Maciunas (1931-1978), der Theorie, Programmatik und Ästhetik stark prägte. Praktiken der Nicht-Kunst, der Identität von Kunst und (Alltags-)Leben und des Konkretismus, der Anti-Kunst, Kollektivität, Partizipation, des Do it yourself und des Konzeptuellen veränderten den Kunstbegriff und wirken bis heute nach. Gerade im Kunstjahr 2022 mit der von dem indonesischen Künstler*innenkollektiv ruangrupa kuratierten documenta fifteen lohnt sich ein Blick auf historische Positionen.

George Maciunas lernte als Student in der Klasse für elektronische Musik an der New School for Social Research in New York sowie durch Yoko Ono maßgebliche spätere Fluxus-Künstler*innen kennen. 1961 trat er eine Stelle als Grafiker in der US-Luftwaffenbasis in Wiesbaden an, knüpfte rasch Kontakte zur Avantgarde, verfasste erste Manifeste und durch legendäre, die Grenzen zwischen den Disziplinen wie den Gattungen auflösende Festivals mit internationalen Mitwirkenden 1962/63 europaweit wurde Fluxus innerhalb kurzer Zeit zu einer unübersehbaren Richtung der Kunst nach 1960.

Nach diesem spektakulären Start kehrte Maciunas nach New York zurück. Fluxus New York: wer waren die Akteur*innen? George Brecht, La Monte Young, Shigeko Kubota, Alison Knowles, Dick Higgins, Nam June Paik, Yoko Ono, Ben Vautier, Ay-O, Mieko Shiomi, um nur einige Namen in willkürlicher Auswahl zu nennen. Neben Konzerten, Events und Straßenaktionen entstanden Zeitungen, Filme und Schachteln mit Spielen, Partituren und Gebrauchsgegenständen. Das Corporate Design lieferte „Mr. Fluxus“, der darüber hinaus die Distribution der als Massenartikel angelegten Fluxus-Produkte übernahm. Stadtgeschichte schrieb der studierte Architekt mit der Fluxhousing Cooperative, welche die Gentrifizierung in SoHo einläutete.

Die Exponate in der Ausstellung vermitteln die vielfältigen Aktivitäten der Fluxus-Künstler*innen und des großen Ideengenerators und unermüdlichen Organisators George Maciunas in der New Yorker Zeit. Sie stammen mehrheitlich aus dem Nachlass des mit Maciunas befreundeten Avantgardefilmemachers Jonas Mekas und gelangten über die Merrill C. Berman Collection in die Noartcollect. Die ebenfalls in der Ausstellung im Gutshaus Steglitz gezeigte, 2013 entstandene Filmdokumentation FluxUsNow. Fluxus explored von Dorothee Richter und Ronald Kolb vermittelt einen lebendigen Eindruck von Fluxus und seinen Protagonist*innen. Zur Ausstellung erscheint im DISTANZ Verlag ein Katalog mit Texten von Thomas Kellein und Dorothee Richter.


Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Geschlossen jan eden 1. Dienstag im Monat

Weitere Informationen direkt unter: berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf