„Es gibt immer Gründe zu stören und das hält alles lebendig.“
Kristina Schuldt

Die Leipziger Meisterschülerin von Neo Rauch malt großformatige Alltagsszenerien mit kraftvollen, selbstbewussten Figuren. Kristina Schuldts Bildpersonal ist meist weiblich. Die Figuren liegen, fallen, räkeln und verbiegen sich vor unterschiedlichen Kulissen, sie scheinen sich im Konflikt mit ihrer Umgebung zu befinden. Oft bleibt unklar, ob sie sich im Kampf oder Spiel befinden. Ihre sichtbaren Köperteile sehen aus wie glänzende Röhren und erinnern an Maschinen. „Die Frauen auf meinen Bildern wollen präsent sein. Ich möchte, dass sie sich im Raum ausdehnen und wirklich schwer aussehen. Sie wollen Ärger machen, sie kränken, sie reiben sich an ihrer Umgebung; sie trampeln durch die Welt.......Teile des Körpers, wie Beine und Arme, sind Energiebahnen, gefüllt mit so viel Kraft, dass sie fast explodieren“, so die Künstlerin in einem Interview mit Louise Benson.

Der Malerei von Kristina Schuldt liegen persönliche Erlebnisse zugrunde, die sie auf eine metaphorische Ebene transponiert, um gesellschaftliche Fragestellungen anzusprechen. Die auf vielen Gemälden ringenden Gestalten sind ein Sinnbild für das Ringen zwischen gegensätzlichen Themen, Ideen oder Gefühlen. Das breite Spektrum reicht von menschlichen Beziehungen und Rollenverhalten über das Verhältnis von digitaler und analoger Welt bis hin zu unserem Umgang mit der Natur. Während des mehrwöchigen Malprozesses zerlegt und überlagert die Künstlerin immer wieder Bildformen, bis eine Multiperspektive entsteht, die auch für eine vielfältige Sichtweise in Bezug auf Form und Inhalt steht.

Ohne Berührungsängste beruft sich die Künstlerin auf den Bildkanon der Klassischen Moderne und bezeichnet sich selbst als „Tubistin“, nach dem 1911 geprägten Begriff des französischen Malers Fernand Léger. Ihre Neuinterpretation der historischen Avantgarde legt offen, wie alte Fragestellungen immer wieder neu verhandelt werden können.

Kristina Schuldt (*1982 in Moskau, aufgewachsen in Neubrandenburg) studierte von 2004 bis 2008 bei Annette Schröter und Sighard Gille an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, ab 2009 bei Neo Rauch. Von 2010 bis 2012 war sie Rauchs Meisterschülerin. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Leipzig.

Die Ausstellung im Mönchehaus Museum umfasst 20 meist monumentale Gemälde und grafische Arbeiten. Ein Katalog ist in Planung.