Die Kunsthalle Schweinfurt präsentiert vom 29. Juli bis 23. Oktober 2022 Werke der Künstler Joachim Kersten (*1953), Roger Libesch (*1963), Wolf Sakowski (*1950) und Ralf Siegemund (*1961), die in Nürnberg und Erlangen leben und arbeiten. Neben klassischen Gemälden sind auch großformatige Installationen vertreten.

Joachim Kersten, Roger Libesch, Wolf Sakowski und Ralf Siegemund haben an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei unterschiedlichen Professoren studiert und vertreten verschiedene künstlerische Positionen. Dennoch verbinden die vier Künstler gemeinsame Inhalte, Vorgehensweisen und Überzeugungen, die immer wieder in Gesprächen und Ausstellungen ausgelotet und diskutiert werden. So auch in der Ausstellung „aroma“, bei der die vier Künstler schlaglichtartig einen Blick auf das Geschehen der Gegenwart werfen.

Im Mittelpunkt der Arbeiten von Joachim Kersten steht die Farbe. Sie ist für den Künstler ein Medium, sich dem Unerklärbaren zu nähern. Seine Installation „Glaube, Liebe, Hoffnung“, ein rund 5 x 5 m großer Kubus, überführt die christlichen Tugenden in eine abstrakte Farbikonografie aus Grün, Rot und Blau. Kersten lässt die Besucher in Farbe eintauchen und aus dem Hier und Jetzt entschwinden.

Roger Libesch ist ein begnadeter Bild- und Geschichten(er)finder. Er zeichnet alles, was ihm in den Sinn und Weg kommt. Es sind Szenen aus dem täglichen Leben, comicartig überspitzt und ironisch verpackt. Seit 2019 postet er täglich ein Motiv auf Instagram. In seiner Arbeit „Install/Insta“ schwirren die über tausend Tagebuchzeichnungen auf Transparentpapier gedruckt und als liegende Acht in neun Meter Höhe verspannt über den Köpfen des Betrachters. Sichtbar werden sie für den Betrachter erst auf einem Bildschirm in einer Endlosschleife. Es ist ein Spannungsfeld, das Libeschs Faszination für den Rausch der Bilder und seine Erzählfreude genauso widerspiegelt wie seine kritische Haltung zur Bilderflut aus dem Internet und zum trügerischen Schein virtueller Bilder.

Wolf Sakowskis Malerei changiert zwischen figürlicher, konkret-konstruktiver und ungegenständlicher Kunst. Seine „Schwimmerin“ ist ein Gemälde, still und doch mächtig in seiner Bildwirkung, denn in seiner schlichten Schönheit offenbart sich die Macht der Malerei, die den Betrachter seit jeher in ihren Bann zieht. Sein kreuzförmiges Ensemble „Totem“ mit überdimensioniertem Rabenkopf und dem in Trompe l’œil-Malerei eingefügten Schriftzug ist eine Hommage an das Glaubens- und Naturverständnis indigener Völker. Das Format ist übergroß, die Malweise illusionistisch. Sakowski spielt mit den Möglichkeiten der Malerei und zeigt eindrucksvoll, dass in ihr die Kraft wohnt, eine Welt zu erschaffen. 

Ralf Siegemund treiben viele Themen um, die er in Collagen aus kartografischem Material kritisch hinterfragt. In seiner mit Schellack überzogenen Bodenarbeit „Seestück“ versinken rostbraune Köpfe von berühmten Philosophen, Politikern und Wissenschaftlern, denn die Folgen von Globalisierung und Flüchtlingsbewegungen und die damit einhergehende Tendenz zur Vereinheitlichung der Weltzivilisation sieht er skeptisch. In seiner Arbeit „Landstück“ nimmt er das Artensterben in den Blickpunkt, indem er eine Karawane aus Schädeln über seine mit Schellack überzogene Kartencollage ins Ungewisse ziehen lässt.

Breitgefächert und ohne Anspruch auf Vollständigkeit präsentieren die vier Künstler ihre Positionen als intellektuell und ästhetisch ansprechende Schau.                           

So unterschiedlich die Arbeiten zunächst scheinen – gemeinsam ist den vier Künstlern die Überzeugung: Farbe muss sein! So lautet auch der Titel des Manifestes, das Gerhard Falkner, der zu den bedeutendsten deutschen Dichtern der Gegenwart zählt, für die Künstlergruppe verfasst hat. Im Rahmen der Ausstellung wird es erstmals veröffentlicht. 

KATALOG
Ergänzend zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der mit einem umfangreichen Fotoessay der Schweinfurter Künstlerin Barbara Sophie Nägle den Entstehungsprozess der Werke im Künstleratelier und beim Aufbau der Ausstellung dokumentiert und so einen seltenen Einblick hinter die Kulissen gewährt. Der Katalog ist im Museumsshop der Kunsthalle für 15 Euro erhältlich.


ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
„Farbe muss sein!“ 
Hören Sie spannende (Kunst-)Geschichten zu den Kunstwerken von einem unserer kompetenten und engagierten Kunstvermittlern und lernen Sie so unsere vielseitige Sammlung und die Sonderausstellung „aroma“ kennen. 2,50 Euro zzgl. Eintritt

Sonntag, 31. Juli, 14:30 Uhr mit Gerhard Peetz
Sonntag, 4. September, 14:30 Uhr mit Karla Wiedorfer
Sonntag, 11. September, 14:30 Uhr mit Karla Wiedorfer
Sonntag, 18. September, 14:30 Uhr mit Tina Hock
Sonntag, 25. September, 14:30 Uhr mit Anne Heß
Sonntag, 2. Oktober, 14:30 Uhr mit Gerhard Peetz
Sonntag, 9. Oktober, 14:30 Uhr mit Anne Heß
Sonntag, 16. Oktober, 14:30 Uhr mit Karla Wiedorfer
Sonntag, 23. Oktober, 14:30 Uhr mit Anne Heß

Roger Libesch, Hybris, 2022, Mischtechnik auf Holz Foto: Roger Libesch © VG Bild-Kunst, Bonn 2022
29.07. - 23.10.2022

aroma: Werke von Joachim Kersten, Roger Libesch, Wolf Sakowski und Ralf Siegemund

Kunsthalle Schweinfurt

Rüfferstraße 4
97421 Schweinfurt