Im Kunstmuseum Ahrenshoop ist vom 25. Juni bis zum 25. September 2022 die Ausstellung „Clemens Gröszer – Bühne des Lebens“ zu sehen. Gezeigt werden rund 44 Werke eines Künstlers, der als einer der namhaftesten seiner Generation im Osten Deutschlands galt und vielfach an der Ostseeküste weilte und wirkte.

Die Kunst von Clemens Gröszer, der 1951 in Berlin geboren wurde und hier lebenslang zu Hause war, ist handwerklich ausgefeilt. Er malte in einer Lasurtechnik, die in ihrer Perfektion an das Können großer Meister der Renaissance anschließt. Thematisch widmete er sich jedoch der Gegenwart. Seine Menschenbilder aus brisanten Milieus der Gesellschaft wirken auf den ersten Blick oft bunt und schrill – sie sind zugespitzte Metaphern für soziale Befunde und an sie geknüpftes eigenes Befinden. Lustvoll breitete der Maler das dazu gehörige Spektrum an Requisiten, Kostümierungen und Hintergründen aus, während er die Porträtierten selbst stets selbstbewusst und in würdiger Haltung darstellte. Dabei immer mitschwingend: eine leise Ironie.

Wiederholt bezog sich Gröszer in seinen Werken auch auf die Symbolik christlicher Werke. Der „Dresdner Altar“ – eine an die Form mittelalterlicher Wandelaltäre angelehnte, mehrteilige Arbeit – ist ein Dokument eindringlicher Gegenwartsbefragung. Als heiliger Antonius, den Dämonen plagen, ist der Künstler selbst darin präsent. In der Kreuzigungsszene im Mittelteil thront anstelle der trauernden Mutter Christi Gröszers „Marin á cholie“. Sie ist die metaphorische Hauptgestalt seines Werkes mit Bezügen zu Albrecht Dürers „Melencolia“ und zum Bildnis der ägyptischen Königin Nofretete, deren majestätischer Kopfschmuck in den meisten Fassungen der „Marin á cholie“ durch eine Supermarkttüte ersetzt ist.

Als Gröszer im Jahr 2014 überraschend starb, hinterließ er eine Reihe unvollendeter Gemälde. Unter dieser Sammlung befand sich auch eine letzte Version der „Marin á cholie“, die zu diesem Zeitpunkt beinahe in das Kunstmuseum Ahrenshoop gelangt wäre. Die zwischen Magierin und Prostituierter changierende Figur der „Marin á cholie“ ist ein Alter Ego Clemens Gröszers. In eine romantische Landschaft gestellt – der Meeresausblick mit den berühmten Kreidefelsen an der Steilküste von Rügen erinnert an den Meister Caspar David Friedrich – drückt sie die Spannung zwischen dem hohen Anspruch der Gesellschaft an das künstlerische Vermögen und den Zwängen, die der Markt der künstlerischen Arbeit auferlegt, aus.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstmuseum-ahrenshoop.de

Clemens Gröszer (1951-2014): H.fünf N.eins (Le Grand Preparateur), 2007-2010 Mischtechnik, Collage auf Leinwand, 140 x 151 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2022
25.06. - 25.09.2022

Clemens Gröszer: Bühne des Lebens. Malerei und Zeichnungen

Kunstmuseum Ahrenshoop

Weg zum Hohen Ufer 36
18347 Ahrenshoop