Bis heute ist die Tänzerin, Choreografin und Direktorin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch (1940 – 2009) eine Ikone des zeitgenössischen Tanzes. In Solingen geboren übernahm sie 1974 die Tanzsparte der Wuppertaler Bühnen und machte das Ensemble zu einem der renommiertesten und bekanntesten weltweit.

Die gebürtige Essenerin Ursula Kaufmann (*1946) begleitete Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal seit 1984 als Fotografin und ist auch heute noch, 13 Jahre nach dem plötzlichen Tod von Pina Bausch, bei jeder Generalprobe, jeder Neuaufnahme des Ensembles mit ihrer Kamera dabei.

Schon als Teenager hatte Kaufmann, eine gelernte Industriekauffrau, ihre Liebe zum Theater und zur Fotografie entdeckt. Ihre erste Begegnung mit der künstlerischen Arbeit von Pina Bausch hatte Kaufmann 1975, als sie Bauschs „Le Sacre du Printemps“-Choreografie zur Musik von Igor Strawinsky sah. Sofort war sie von der außerordentlichen Bilderkraft, dem Facettenreichtum origineller Bewegungen und der charismatischen Individualität der Tänzer*innen gefesselt. Doch erst 1984 machte die Essenerin ihre Leidenschaft zum Beruf: der Beginn einer Karriere als Theaterfotografin. Sie fotografierte auf der Ruhrtriennale, bei den Bregenzer Festspielen, an der Opéra Nationale de Paris, in Kyoto und New York; und ihre Fotos von Inszenierungen aller Sparten wurden von großen deutschen Zeitungen und von internationalen Blättern wie Le Monde oder der New York Times gedruckt. Auch war Ursula Kaufmann mit ihren Momentaufnahmen zeitgenössischer Choreografien weltweit in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, so in Japan, den USA, Frankreich oder Marokko. Ihre große Liebe freilich war und ist der zeitgenössische Tanz. „Das Interessanteste und Größte für mich war schon immer der Tanz. Denn menschliche Bewegung einzufangen hat etwas Magisches. Man kann nicht vorausahnen, was kommt.“ Ihr Herz gehört dabei vor allem Pina Bausch und ihrem Ensemble. Nicht nur, dass sie jede der Produktionen fotografiert hat, sie hat inzwischen drei Fotobände zu Pina Bausch veröffentlicht und gestaltet auch seit 2004 jährlich einen Pina-Bausch-Kalender.

Die Ausstellung im Stadthaus präsentiert unter dem Titel „Getanzte Augenblicke“ rund 60 zumeist großformatige Fotoarbeiten, in denen Ursula Kaufmann die Eleganz, Lebensfülle, Farbigkeit und Melancholie der Bausch'schen Inszenierungen facettenreich aufzeigt.

Pina Bausch in Café Müller 2006 Foto: © Ursula Kaufmann
11.06. - 18.09.2022

Getanzte Augenblicke. Pina Bausch fotografiert von Ursula Kaufmann

Stadthaus Ulm

Münsterplatz 50
89073 Ulm