Die Künstlerin ist heute kaum bekannt, nur in den Städtischen Sammlungen Freital ist eines ihrer Bilder ständig zu sehen. 2011 wurde in der Schau „Die Neue Sachlichkeit in Dresden" auf sie aufmerksam gemacht. Die Idee zu unserer Ausstellung entstand u. a. durch Kontakt zu Matthias Müller, der sich seit Jahren intensiv mit Werk und Biografie von Irena Rabinowicz beschäftigt hat. Sie war eine der ersten Frauen, die sich 1919 zum Studium an der Dresdner Kunstakademie einschrieben. Als Porträtistin machte sie sich in den 1920er Jahren einen Namen und auch in den ersten beiden Jahrzehnten der DDR war sie erfolgreich als Bildnismalerin tätig. Nicht nur ihr Werk, auch ihre bewegte Lebensgeschichte verdient eine Aufarbeitung.

Irena Rabinowicz wurde 1900 geboren und studierte von 1919 bis 1922 an der Dresdner Kunstakademie bei Otto Gussmann. Sie heiratete ihren Kommilitonen Hubert Rüther und fand in dem Maler Fritz Hofmann-Juan einen Mentor und Förderer. In den 1920er Jahren lebte sie einen sehr progressiven Lebensstil, reiste viel, widmete sich dem Reitsport und trat als Zirkusreiterin auf. In der NS-Zeit wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft vom künstlerischen Leben ausgeschlossen, erlebte Hausdurch-suchungen, Haft und Zwangsarbeit. Nur das Bombardement am 13. Februar 1945 rettete sie vor der bereits angekündigten Deportation. In den 1950er Jahren kam sie in den Genuss offizieller Bildnisaufträge, emanzipierte sich jedoch davon zugunsten ihrer persönlichen Interessen. Bis in die 1970er Jahre war sie freischaffend in Dresden tätig. Sie starb 1979 und wurde auf dem Loschwitzer Friedhof beigesetzt.

Die Kunst von Irena Rabinowicz ist wie kaum ein anderes Werk auf ein Thema zentriert. Schon in ihrer Studienzeit wandte sich die Künstlerin der Porträtmalerei zu und blieb ihr lebenslang treu.

Nur wenige Stillleben stehen quasi als Porträts von Gegenständen daneben. Geschult an altmeisterlicher Malerei aber auch an den Avantgardeströmungen ihrer Zeit schuf sie einfühlsame Bildnisse, oft von Personen des kulturellen Lebens. Dies setzte sie auch nach 1945 fort. Bis 1971 entstand so eine Porträtgalerie Dresdner Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik, die über den künstlerischen Wert hinaus auch ein kulturhistorisches Zeugnis darstellt.

Die Ausstellung zeigt einen Uberblick über das Werk von Irena Rabinowicz von ihren künstlerischen Anfängen um 1919 bis zu ihrem letzten Gemälde - einem Porträt des Sängers Theo Adam.

Insgesamt zeigen wir 64 Kunstwerke, darunter auch Zeichnungen und Porträts der Künstlerin selbst. Außerdem stellen wir das Leben von Irena Rabinowicz in einer umfangreichen Dokumentation mit Fotos und Dokumenten aus ihrem Nachlass vor.

Unser Projekt wird unterstützt von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen mit Mitteln aus dem Förderprogramm "Jüdisches Leben in Kunst und Kultur".

Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch im Sandstein Verlag erschienen. Texte von Matthias Müller, Johannes Schmidt und Laura Krogh Fogt zur Biografie der Künstlerin, ihren Porträts und Stillleben (34 Euro, im Museumsshop 28 Euro, ISBN 978-3-95498-799-3)


Öffnungszeiten:
Dienstag - Donnerstag: 10:00 - 18:00 Uhr
Freitag: 10:00 - 19:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: galerie-dresden.de

13.04. - 18.08.2024

Jahrhundertzeugin Irena Rüther-Rabinowicz – auf den Spuren einer jüdischen Künstlerin

Städtische Galerie Dresden

Wilsdruffer Straße 2
01067 Dresden