Mit diesem historisch-künstlerischen Experiment laden wir die Oldenburger Stadtgesellschaft zu einer gemeinsamen Reflexion über die nationalsozialistische Vergangenheit der ehemaligen namensgebenden Stifterin Edith Ruß ein. Die Debatte um die Umbenennung vom Edith-Russ-Haus für Medienkunst zum Haus für Medienkunst Oldenburgwurde 2024 und 2025 kontrovers und emotional geführt, doch differenzierte Perspektiven fanden selten Raum. Unser diskursives Projekt setzt hier an: Wir wollen die Geschichte von Edith Ruß vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse beleuchten und die Komplexität von Erinnerung, Vermächtnis und Verantwortung sichtbar machen.

Das Projekt umfasst drei Teile:
Ein historischer Ausstellungsteil präsentiert vor allem Dokumente und Schriften von Edith Ruß aus der Zeit des Nationalsozialismus. Gezeigt werden die Zeitungsartikel, die sie zwischen 1939 und 1945 verfasst hat, darunter ihre Kurzgeschichte Die sanfte Gewalt. Von ihr gestiftete Bronzeskulpturen und ein gemaltes Portrait aus ihrem Nachlass werden ergänzt um Arbeiten und Lebensgeschichten der Zeit mit Bezug zu Edith Ruß.

Der zweite Teil zeigt zeitgenössische Kunst, die Themen des Nationalsozialismus verhandelt und Kontexte berührt, die auch ihre Lebensentscheidungen prägten.

Für den dritten Teil entsteht in der Ausstellungshalle ein Forum für Vorträge und Präsentationen, das ganz im Zeichen des Dialogs stehen soll. Weiterhin stehen an mehreren Tagen pro Woche Teammitglieder im Kuratorischen Büro als Ansprechpersonen bereit, um den Austausch über die gesamte Dauer zu ermöglichen. In Zeiten, in denen viele Diskussionen und Meinungsbildungen anonym im Internet geführt werden und sich dort emotional aufheizen, möchten wir das direkte Gespräch suchen. Dieses Projekt ist eine Einladung zu Reflektion und Diskussion über die Geschichte des 20. Jahrhunderts, ihren Einfluß auf die Gegenwart und Fragen der persönlichen Verantwortung. Wir möchten in diesem Monat intensiver Debatten alle demokratischen Positionen zu Wort kommen lassen.

28.01. - 01.03.2026

Die Stifterin, der Nationalsozialismus und das Haus

Edith-Russ-Haus

Katharinenstr. 23
26121 Oldenburg