Zwischen Innovation, Genialität, Wunschtraum, guter Absicht, Größenwahn und Scheitern verortet sich das Luftschloss. Nach landläufiger Vorstellung haben Luftschlossarchitekt*innen im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen verloren. Ihre Vorhaben sind zu groß, zu teuer, technisch nicht machbar, schlicht und einfach unerhört. Manchmal wird das Scheitern, das oft in der Natur des Luftschlosses liegt, auch in der Person der Luftschlossarchitekt*innen begründet. Sie verfügen weder über Mittel, Kontakte noch Kenntnisse um ihre imaginierten Projekte in die Welt zu bringen – und bisweilen erscheinen sie geradezu „high“ von den Möglichkeiten, die sich mit ihren Visionen vermeintlich eröffnen. Zu (zeitweiligen) Luftschlössern entwickeln sich auch reale Bauvorhaben, deren Verwirklichung eine Eskalation an Kosten und Zeit mit sich bringt – bisweilen mit offenem Ausgang. Davon zeugen sich in Biotope verwandelnde Baugruben und nie vollendete Investitionsruinen, die sich – oft als Skelett erscheinend – vom Luftschloss in ein Geisterhaus verwandelt haben.
Unterschätzen sollte man die Visionen und ihre Visionär*innen aber keineswegs, denn in den Plänen, Träumereien, Hirngespinsten und Wolkenkuckucksheimen liegt eine große Kraft, und Neues entsteht vor allem dann, wenn man versucht, eigentlich Unmögliches doch noch in die Welt zu bringen. Höchste Zeit also, den Luftschlössern und ihren Architekt*innen eine Ausstellung zu widmen, die sich dem Thema künstlerisch, kulturwissenschaftlich und spielerisch nähert. High as a Kite – Luftschlösser in Kunst und Wirklichkeit ist eine Zusammenschau aktueller Werke – in Fotografie, Film, Grafik, Malerei, Installation und Skulptur –, die die Schwerkraft überwunden haben und poetisch, utopisch, visionär, ironisch oder dokumentarisch sind. Dabei geht es um künstlerische Kommentare zu städtebaulichen Vorhaben, Luftschlossfantasien von Handwerker*innen auf Großbaustellen, brutalistische Spekulationen, archaische Baumhausarchitekturen, krachend gescheiterte Museumsprojekte, ambitionierte Bauten der DDR-Moderne, die gerade einmal eine Generation überlebten, und kreative Behauptungen vermeintlich realisierbarer Projekte.
Neben den künstlerischen Werken beleuchtet das Projekt schlaglichtartig ‚Luftschlösser‘ in Mythologie, Geschichte, Kunstgeschichte und Gegenwart – vom Turmbau zu Babel über französische Revolutionsarchitektur, avantgardistische Visionen bis hin zu aktuellen Infrastrukturprojekten, deren Realisierung nicht selten in immer weitere Ferne zu rücken scheint.
Künstler*innen: Limbo Accra | Nándor Angstenberger | Markus Dorfmüller | Clemens Gritl | Christian Jankowski | Gordon Matta-Clark | Reiner Maria Matysik | Andrea Pichl | Thomas Ravens | Ursula Sax | Nomeda & Gediminas Urbonas
Adalbertstraße 28
26382 Wilhelmshaven