Mit der Ausstellung „Schön & streng. Die Macht des Ornaments“ erkundet das Von der Heydt-Museum Wuppertal die Funktion und Bedeutung des Ornaments in der Kunst von der Klassischen Moderne bis heute. Es widmet sich damit einem Thema, das von besonderer Aktualität ist. Denn viele suchen angesichts der Unmengen an Bildern, die die elektronischen Medien in rasantem Tempo hervorbringen, nach formalen Strategien, die Klarheit und Festigkeit in geometrischen und ornamentalen Ordnungen versprechen.

Gerade die international renommierte Malerei-Sammlung des Von der Heydt-Museums bietet für eine Ausstellung zur „Macht des Ornaments“ die ideale Basis, illustriert sie doch anhand zahlreicher Hauptwerke, wie Maler*innen von Henri Matisse und August Macke seit dem Beginn der Moderne Farbe, Form und Fläche zum eigentlichen Bildthema werden lassen. Auch in der heutigen Kunst erfüllen Wiederholungen, Muster und Rapporte dabei keine dekorative Funktion, sondern sind – erkennbar in Werken von Künstler*innen wie Philip Taaffe, Katja Davar oder Thomas Bayrle -– Ausdruck des Wunsches, das Einfache und das Komplexe schlüssig miteinander zu verbinden. Zugleich werden über vermeintlich rein dekorative Formen auch zeit- und gesellschaftskritische Fragen gestellt, denn jedes Ornament hat seine Geschichte und aufgrund dieser seine Bedeutung. Wenn beispielsweise Künstler*innen wie Nevin Aladağ oder Susan Hefuna heute auf tradierte Ornamente bestimmter Kulturkreise zurückgreifen, lassen sich Muster nicht zuletzt auch als gesellschaftskritische Botschaften lesen.

Die Ausstellung basiert zunächst auf der sinnlichen Lust und der Freude des reinen Anschauens. Es geht um tradierte Ornamente genauso wie um individuell gestaltete, dem heutigen Farb- und Formempfinden entsprechende Bildmuster. Zwar richtet sich das Interesse einerseits auf die dem Ornament eigene formale Strenge, auf Regelhaftigkeit und Serialität wie auch auf den Aspekt des Spielerischen. Damit reflektieren die ausgewählten Werke die künstlerischen Ansätze, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur abstrakten oder konkreten Kunst führen sollten, später zur Op Art und heute eine Wiederbelebung erfahren. In unserer heutigen globalen Kultur ist aber vor allem die Migration der Formen sowie die Repräsentations- und Kommunikationsfunktionen von Mustern und Ornamenten im Kontext sich vermischender Kulturkreise ein hochspannendes Thema.