„…Es gibt etwas im Werk eines Künstlers, das auf Ewigkeit zielt, gewissermaßen diese magischen Momente die bleiben, die nicht zur Diskussion stehen. Die einfach so da sind, weil es jemanden gelungen ist, genau das so zu formulieren. Günter Rösslers Arbeit empfinde ich so, sie hat etwas Grundsätzliches. Sie wirkt uns heute schon ein Stück klassisch und ein Stück auch fremd. Die Bildwerke kommen wie aus einer anderen, ruhigeren, zauberhaften, in sich selbst stimmigeren Welt. Ich denke, das ist das Besondere, das Günter Rösslers Werk auch in Zukunft ausmachen wird. Und ich denke, das ist der Beitrag, den er geliefert hat zum Thema Fotografie und zur Kunst des 20. Jahrhunderts, das ist seine Handschrift. Ich bin fest davon überzeugt, sie wird bleiben und vielleicht werden spätere Generationen noch andere Dinge im Werk Günter Rösslers entdecken. Ich denke, das was wir entdeckt haben trägt und reicht bereits heute schon aus.“
Dr. Volker Rodekamp, ehemaliger Direktordes Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig
Prägende Figur der deutschen Fotografie
Günter Rössler prägte die Geschichte der deutschen Fotografie wesentlich. 1926 in Leipzig geboren, studierte er von 1947 bis 1950 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach seinem Studium arbeitete er freiberuflich als Reportagefotograf. Für bekannte Zeitschriften berichtete er in zahlreichen Fotoreportagen und Bildberichten über das gesellschaftliche und alltägliche Leben in der DDR und den Ländern Süd- und Osteuropas.
Der Blick auf den Alltag
Er interessierte sich vor allem für den Alltag einfacher Menschen, den er respektvoll, emotional, nie wertend und kommentierend, mit seiner Kamera festhielt. Rössler entwickelte dabei seinen eigenen, unverwechselbaren Stil. Sein Fokus war auf das Wesentliche gerichtet: Natürlichkeit, Einfachheit und Authentizität. Ihm gelangen lebensnahe Bildserien, die geprägt sind von einer hohen künstlerischen Qualität und einer faszinierenden zeitgeschichtlichen Dimension – Dokumente des Menschlichen.
Mode als Teil des Lebens
In der Modefotografie gehörte Günter Rössler zu den herausragenden Figuren. Sie stand für ihn in engem Zusammenhang mit der Reportagefotografie. Er vertrat die Auffassung, Mode sei nicht aus dem Alltag gelöst darzustellen. Als Fotojournalist verknüpfte Rössler seine Modedarstellungen mit dem Bildhintergrund zu einer neuen Bildauffassung. Erste Aufträge erhielt er von den Zeitschriften Der Rundfunk, Putz und Pelz, Der Brühl und Die Bekleidung.
Ein modernes Frauenbild
Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren prägte er mit seinen Modeaufnahmen, welche die Natürlichkeit und das Selbstbewusstsein der Frauen betonen, den Stil der legendären Mode- und Kulturzeitschrift Sibylle. Für die Zeitschrift Modische Maschen verantwortete er von 1967 bis 1990 Fotografie und Layout allein. In diesen Jahrzehnten trug er maßgeblich dazu bei, ein modernes Frauenbild in der DDR zu vermitteln.
Zeitlose Bildsprache
Rösslers Modebilder wirken auch heute nahezu zeitlos, sie faszinieren durch Leichtigkeit und eine scheinbar improvisierte Dynamik. Sie werden nicht nur als stilvolle Modefotografien geschätzt, sondern auch als kulturelle Zeitdokumente mit einem hohen künstlerischen Anspruch.
Pionier der Aktfotografie in der DDR
Bekannt wurde Günter Rössler durch seine Aktfotografie, der er sich ab den 1960er Jahren verstärkt widmete. Mit seiner ersten Einzelausstellung 1979, führte er die Aktfotografie in der DDR als eigenständige und ernsthafte Kunstform in die öffentliche Diskussion ein. Er wurde zum Wegbereiter und einer der führenden und beachteten Vertreter des Genres Aktfotografie. Durch regelmäßige Veröffentlichungen seiner Aktaufnahmen in der Zeitschrift Das Magazin erlangte er breite öffentliche Aufmerksamkeit. In Günter Rösslers Bilderwelten dominieren Zeitlosigkeit, sowie Ausdrucksstärke junger, selbstbewusster Frauen. Die Fotografien zeugen von großem Respekt und Vertrauen zwischen Fotograf und Modell.
Ehrlichkeit und Direktheit
Ein hervorstechendes Merkmal seiner Aktbilder ist ihre unbedingte Ehrlichkeit, es gibt kein Verdecken oder Wegwenden der Schamhaftigkeit zuliebe, keine Geziertheit. Auf vielen Bildern schaut die dargestellte Frau den Fotografen, und somit den Betrachter, direkt an – auch sie bekennt sich zu ihrem Wirken am Aktbild, zu Rösslers Auffassung zum Akt. Die Abstraktion auf Schwarz-Weiß, seine perfekte Lichtführung, lässt die Körper skulpturhaft erscheinen. Gerade durch die Schlichtheit der Inszenierung wirkt die Formensprache seiner Fotografie so überzeugend.
Handwerk und Dunkelkammerarbeit
Rössler fotografierte zeitlebens analog. Den letzten Schliff gab er dem Bild in der Dunkelkammer. Er belichtete und vergrößerte stets selbst, durch Wedeln und andere Techniken legte er schließlich Helligkeit und Dunkelheit fest. Es sind stille, kraftvolle Bilder, deren hoher ästhetischer Anspruch den Betrachter berühren, wenn er sich auf Rösslers Sicht- und Arbeitsweise einläßt.
Ein stilles Vermächtnis
Nach mehr als 60 Jahren künstlerischen Schaffens starb Günter Rössler am 31.12.2012 in Leipzig. Er war ein stiller, bescheidener Mensch, der es geschafft hat, sich ein Leben lang treu zu bleiben. Er war ein Teil seiner Fotografie und sie war ein Teil von ihm: Unprätentiös, treffend und stilsicher.
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