Der Titel „Mykorrhiza“ verweist auf die intime Verbindung von Pilz und Pflanze, ein Geflecht aus Hyphen und Wurzeln, das sich tief im Verborgenen verschränkt und eine gemeinsame Lebenslinie bildet. Diese stille Architektur des Austauschs, die auf zellulärer Ebene wirkt, dient als der gedankliche Ausgangspunkt der Ausstellung: ein Bild für ein künstlerisches Netzwerk, das wächst, sich verzweigt und dort sichtbar wird, wo es Resonanz findet.

Die Studierenden der Klasse Mandla Reuter wurden vom Kornhäuschen nach Aschaffenburg eingeladen. Ausgehend von dieser Initiative haben sie sich bereits im Vorfeld intensiv mit der Stadt und ihrem urbanen Geflecht beschäftigt. Die hier vorzufindenden Strukturen, Spannungen und Übergänge prägen die Themenwahl der Studierenden. Aus dieser Auseinandersetzung heraus entstehen die künstlerischen Setzungen, die in der Ausstellung sichtbar werden.

Das Kornhäuschen fungiert als Kernraum des Projekts: ein Ort, an dem erste Impulse verdichtet entstehen. Das Glashaus im Arkadenhof der Kunsthalle Jesuitenkirche und des Christian Schad Museums bildet einen weiteren Knotenpunkt. Hier treten die Arbeiten in eine gemeinsame Form und das Geflecht der Ausstellung erhält eine zusätzliche räumliche Verankerung. „Mykorrhiza“ knüpft an die Kooperation zwischen Kornhäuschen und Glashaus an. Ihren Ausgangspunkt hatte diese Zusammenarbeit im Projekt „Zusammenwachsen“, das beide Orte erstmals miteinander verbunden hat. Seitdem entstehen wechselnde Interventionen, die auf Stadtraum und Publikum reagieren. Dieses Format wird 2026 fortgeführt.

Von den beiden Ausgangszentren – Kornhäuschen und Glashaus – aus breitet sich „Mykorrhiza“ in die Stadt hinein aus und tritt an unterschiedlichen Orten in Erscheinung: als ephemere Interventionen im Stadtraum, als infiltrierte Setzungen im Showroom eines Möbelhauses, als präzise platzierte Arbeiten im Projektraum Kutter. Jede dieser Positionen reagiert auf ihren Kontext, verschiebt Bedeutungen, setzt Irritationen und hinterlässt sichtbare oder kaum merkliche Spuren im urbanen Gefüge.

In der wachsenden Ausbreitung dieses Geflechts entsteht ein Spannungsfeld aus Sichtbarkeit und Verborgenheit. Manche Arbeiten erscheinen wie spontane Aufblühungen und verschwinden wieder, andere bleiben bestehen und verändern die Wahrnehmung ihrer Orte. Die Ausstellung bewegt sich damit zwischen organischem Wachstum und bewusster Setzung und erinnert daran, dass kulturelle Prozesse nicht isoliert existieren, sondern immer in größere ökologische, soziale und imaginäre Zusammenhänge eingebettet sind.

Mit Arbeiten von Lino Angermann, Elena Loayza Berger, Martin Bertelmann, Rocco Emil Demmer, Emma Heckel, Stanislaw Heinzel, Stefanie Hollerbach, Karen Kamiya, Milan Karnetzky, Lukas Maksay, Marie Oberdorfer, Jakob Ostendorf, Mahsa Parvizi, Annelene Schmidt, Julian Schnetter


Öffnungszeiten:
Dienstag: 10:00 – 20:00 Uhr
Mittwoch – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: museen-aschaffenburg.de/Kunsthalle-Jesuitenkirche/

Flyer zur Ausstellung "Mykorrhiza"
13.12.2025 - 18.01.2026

Mykorrhiza

Kunsthalle Jesuitenkirche

Pfaffengasse 26
63739 Aschaffenburg