Die Ausstellung „Kipppunkt“ inszeniert bewusst den Widerspruch zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen, zwischen dem Leben und dem Material, das es nur imitiert. Die beiden Künstlerinnen beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit den Themen Natur und Materialwirtschaft. Auf den ersten Blick suggeriert der Raum eine Reise in die Ursprünglichkeit – vielleicht eine Schau natürlicher Materialien, Landschaften oder ökologischer Zusammenhänge. Wer die Schwelle zur Ausstellung überschreitet, merkt schnell: Nichts ist hier „natürlich“, wie es zu scheinen meint.

„Kipppunkt“ entführt Besucherinnen und Besucher in eine scheinbar üppige Welt – aus wuchernden Strukturen, exotisch anmutenden Gebilden. Auf den zweiten Blick entpuppen sich die Objekte als Illusion: Keine Pflanze wächst hier wirklich. Die organisch erscheinenden Objekte bestehen aus industriell gefertigten Materialien – Draht, Polyurethan, Styropor und Verpackungsnetzen.

Die Ausstellung inszeniert bewusst den Widerspruch zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen, zwischen dem Leben und dem Material, das es nur imitiert. Sie verweist auf die tiefe und tragische Verstrickung des Menschen in die Natur – und in deren Zerstörung.

Von Beginn an war die Natur für den Menschen ambivalent: Lebensquelle und Bedrohung zugleich. Der Mensch war verletzlich und schutzlos in der Natur. Er durfte lernen, sich zu bewegen und sich die Natur zu Nutze zu machen. Werkzeuge, Feuer, Schutzräume – die Technik war ein Akt der Notwehr, ein Mittel zum Überleben. Doch dieser kreative Überlebensdrang hat sich über Jahrtausende verselbständigt. Aus dem Versuch, sich vor der Natur zu schützen, wurde ein fortwährender Eingriff, eine zunehmende Kontrolle, eine Aneignung. Heute sind wir an einem Punkt angelangt, an dem der Mensch die Natur nicht nur verändert, sondern weitgehend ersetzt hat – mit Stoffen, die in der Natur keinen Ursprung, keinen Kreislauf, keine Rückkehr kennen. Die Ausstellung zeigt eine Welt, in der die Natur nur noch als Oberfläche, als Bild, als Simulation existiert. Die Ästhetik des Gezeigten ist faszinierend, fast lebendig, aber das Leben selbst fehlt. Der Mensch, einst Teil der Natur, hat sich durch seine Errungenschaften so weit von ihr entfernt, dass er nun die Grundlagen seiner eigenen Existenz gefährdet.Schön, künstlich, und dabei tief beunruhigend. Die Ausstellung wirft die Frage auf, ob wir noch umkehren können – oder ob wir längst in einer Welt leben, in der die von Menschen geschaffenen Materialität, mehr zerstören als zum Überleben dienen.
Dazu bietet die Ausstellung auch szenische Einblicke in die bereits erfundenen Recyclingkreisläufe von künstlichen Materialien.


Öffnungszeiten:
Donnerstag – Freitag: 17:00 – 20:00 Uhr
Samstag: 15:00 – 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: neuer-kunstverein-wuppertal.de

Pressebild: Materialität
23.01. - 28.02.2026

Ulrike Donié und Andrea Raak: Kipppunk

Neuer Kunstverein Wuppertal

Hofaue 51
42103 Wuppertal