In seiner künstlerischen Praxis untersucht Cihad Caner Bildpolitiken mithilfe von unterschiedlichen Medien wie Video, Fotografie, Musik, Motion-Capture, CGI und Installation. Sein forschungsbasierter Ansatz richtet den Blick auf Fragen von Repräsentation, Marginalisierung und der Konstruktion von Andersheit. Häufig begegnen uns in seinen Arbeiten mehrsprachige Figuren, die in nichtlinearen, metaphorischen Erzählungen mit Humor, Absurdität und Poesie den Status quo hinterfragen.
In seiner Videoarbeit Demonst(e)rating the Untamable Monster (2019) (Türkisch mit englischen Untertiteln, 16 Min.) rückt Caner die Figur des Monsters ins Zentrum – als Metapher für das „Andere“. Zwei animierte Figuren, mittels Motion-Capture-Technik zum Leben erweckt, erzählen von ihren Erfahrungen mit Ausgrenzung. Sie singen, summen und sprechen in einer präzisen, rhythmischen Choreografie von Entmenschlichung und Angst, vom Recht zu sprechen – und von der Tatsache, dass sie nicht zum Verschwinden zu bringen sind. Die Bewegungen und Stimmen stammen von drei Menschen – einer Frau, einer queeren und einer migrantischen Person – und verbinden sich so zu hybriden Wesen, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Die Etymologie des Begriffs „Monster“ (monstrare – zeigen, monere – warnen) eröffnet dabei eine doppelte Lesart: Was zeigen Caners Monster – und wovor warnen sie?
Das Werk schlägt visuelle Brücken zwischen Jahrhunderten und Kulturen: Von den Wundern der Schöpfung und den Merkwürdigkeiten der vorhandenen Dinge des persischen Gelehrten al-Qazwīnī aus dem 13. Jahrhundert über Darstellungen tanzender Monster von Mehmed Siyah Qalam aus dem 14. / 15. Jahrhundert bis zu den Yōkai-Darstellungen des japanischen Zeichners Toriyama Sekien aus dem 18. Jahrhundert. Caner macht so die weit verbreitete Ambivalenz des Monströsen erfahrbar– zugleich schreckenerregend und wunderbar.
Ein zentrales Element der Videoarbeit ist der Sound: Neben den Stimmen ist auch die Daf zu hören, ein Instrument, das bereits in Siyah Qalams Illustrationen auftaucht.
Mit Demonst(e)rating the Untamable Monster gelingt Caner eine eindringliche zeitgenössische Auseinandersetzung mit dem „Abweichenden“, den Mechanismen des Othering – also den Strategien, durch die Menschen als „anders“ markiert und ausgegrenzt werden – sowie mit Widerspruch dagegen.
Die Ausstellung wird unterstützt durch das Königreich der Niederlande.
Cihad Caner (* 1990 in Istanbul) lebt und arbeitet in Rotterdam. Von 2021 bis 2023 war er Stipendiat der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam. Seit Januar 2024 ist er Resident Artist am WIELS, Contemporary Art Centre in Brüssel.
Einzelausstellungen (Auswahl): 1646 Experimental Art Space, Den Haag (2025); Kunstinstituut Melly, Rotterdam (2024).
Gruppenausstellungen (Auswahl): Kunsthalle Baden-Baden (2024); Istanbul Modern (2024); The Július Koller Society, Bratislava (2024); Kunsthal Mechelen, Belgien (2023); Akademie der Künste, Berlin (2022); The Finnish Museum of Photography, Helsinki (2019); Kunstraum Nestroyhof, Wien (2019); ARCUS Project, Moriya / Japan (2018); Istanbul Design Biennale (2018).
Öffnungszeiten:
Mittwoch: 12:00 – 20:00 Uhr
Donnerstag – Sonntag: 12:00 – 18:00 Uhr
Weitere Informationen direkt unter: kindl-berlin.de