Erik Schmidts umfassende Übersichtsschau vereint sein bekanntes malerisches Werk mit Zeichnungen, Videos, Performances, Fotografien und Collagen aus drei Dekaden. Die Ausstellung entfaltet in thematischen Kapiteln ein komplexes, persönliches Universum und verhandelt als facettenreiches Selbstporträt Fragen nach (queerer) Identität, Gemeinschaft und Individualität. In vielschichtigen Überlagerungen offenbart sich der bisweilen brutale, häufig humorvolle Blick des Künstlers auf Normen und soziale Ordnungen. 

Charakteristisch für Erik Schmidts Arbeitsweise ist seine Fähigkeit, den dokumentarischen Ansatz zu überwinden und Fotografien, Magazine oder Zeitungen als Grundlage für seine Arbeiten zu verwenden. Zwischen Selbstinszenierung und Selbstauflösung entwirft er ein vielschichtiges Netz von Erzählsträngen – mit dem Körper als Bühne, dem Alltag als Kulisse und der Stadt als Resonanzraum. Seit Ende der 1990er Jahre lebt und arbeitet Erik Schmidt in Berlin, jener Stadt, deren Spannungsverhältnis zwischen Mythos und Realität sich in seinem Werk widerspiegelt. Seine Bilder und Filme zeigen urbane Räume, intime Szenen, soziale Rituale. Doch sie dokumentieren nicht, sondern konstruieren subjektive Perspektiven, in denen auch die Möglichkeit des Scheiterns stets mitgedacht wird. Nähe und Distanz, Oberfläche und Tiefe, Begehren und Entfremdung – all das tritt in Schmidts Bildwelten zutage, die zugleich direkt und entrückt wirken.

Ein Kapitel der Ausstellung vereint Zeitschriften, Plakate, private Fotos und Erinnerungsstücke seit den 1990er Jahren, Gemälde, Zeichnungen und frühe Videos, die sich zu einem persönlichen und zugleich kollektiven Porträt verdichten. In diesen frühen Arbeiten beginnt Schmidts Suche nach Autonomie, Lebenssinn und sexueller Freiheit – eine Suche, die er bis heute fortsetzt. Es ist eine Reise im Sinne einer literarischen Quest, die den Künstler vor immer neue Aufgaben stellt. 

Um diese Aufgaben im Leben wie in der Kunst zu meistern, nimmt Schmidt die unterschiedlichsten Rollen ein und macht sich selbst zum Protagonisten seiner Kunst. Er wird zugleich Subjekt und Projektionsfläche, Beobachter und Objekt, Jäger und Gejagter – im Spiel mit den Grenzen zwischen Kunst und Leben, zwischen Rolle und Person. Diese Fragen nach Identität(en), dem Anderen und dem Anderssein durchziehen sein gesamtes Werk. Eine Zusammenstellung von Porträtdarstellungen in verschiedenen Medien eröffnet die Ausstellung und spiegelt Schmidts Faszination für die Rollen, die das Individuum in der Gesellschaft annimmt. 

In einer anderen Auswahl von Werken wird Schmidt zum Reisenden und Außenseiter, gleichermaßen angezogen und überwältigt von fremden Landschaften und Weltanschauungen, die Alternativen zu seinem ursprünglichen urbanen Lebensstil versprechen. Auch queere Stereotypen im Zusammenhang mit der Faszination für die High Society und „andere“ exotische Landschaften sind in dieser Auswahl präsent.

Immer wieder stellen sich in Schmidts Werk auch Fragen nach Queerness, Sexualität und Macht. Ein Ausstellungsteil befasst sich insbesondere mit Bildern von Männlichkeit im Kontext kapitalistischer Strukturen – mit allgemeingültigen Vorstellungen von Erfolg, mit Klischees von Macht und Widerstand und mit der Fetischisierung von Uniformen und Machtattributen. 

Der letzte Teil der Ausstellung präsentiert die neu produzierte VideoarbeitRough Trade, die die Themen der Ausstellung noch einmal aufnimmt und ins Jetzt überführt: die Verflechtungen von Kunst und Identität sowie die Aufforderung, die fließenden Grenzen zwischen Selbstinszenierung und Realität, zwischen Rollenbildern und persönlichen Erfahrungen zu reflektieren.

Die Ausstellung wurde vom KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Berlin, entwickelt und wird 2026 im EACC Castelló gezeigt.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Videoarbeit Rough Trade wird von Fluentum produziert und im Rahmen der Ausstellung erstmals gezeigt.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im DISTANZ Verlag mit Texten von Kathrin Becker, Louisa Elderton, Krist Gruijthuijsen und Yara Sonseca Mas, unterstützt durch die Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst.

Erik Schmidt (* 1968 in Herford, lebt in Berlin) 
Einzelausstellungen (Auswahl): Kunstraum Potsdam (2022); Leopold-Hoesch-Museum, Düren (2013); Haus am Waldsee, Berlin (2012); Kunststation St. Peter Köln (2010); Marta Herford (2007); Brandenburgischer Kunstverein, Potsdam (2004); Künstlerhaus Bethanien, Berlin (in Zusammenarbeit mit Corinna Weidner, 1999). 
Gruppenausstellungen (Auswahl): Bröhan-Museum, Berlin (2023); Kunstsammlung Jena (2022); Hokkaido Obihiro Museum of Art, Kushiro Art Museum, Hakodate Museum of Art, Sapporo Art Museum, Japan (alle 2019); Bündner Kunstmuseum Chur (2018); Tokyo Wonder Site (2017); National Gallery of Modern Art, Mumbai (2016); Marta Herford (2015, 2009, 2005); Matsumoto City Museum of Art, Nagano (2015); Rohkunstbau, Schloss Roskow (2015); KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2013); National Taiwan Museum of Fine Arts, Taichung (2011); n.b.k, Berlin (2011, 2009); Museum der Moderne Salzburg (2011); Museo de las Artes de la Universidad de Guadalajara (2011); Kunsthalle zu Kiel (2009); Cobra Museum voor Moderne Kunst, Amstelveen (2008); Institute Itaú Cultural, São Paulo (2008); Museo Reina Sofía, Madrid (2007); Fondazione Mudima, Mailand (2007); Kunstmuseum Bonn (2007); Hamburger Kunsthalle (2004); Artists Space, New York (2004); Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (2003); ARSENĀLS, Riga (2001).


Öffnungszeiten:
Mittwoch: 12:00 – 20:00 Uhr
Donnerstag – Sonntag: 12:00 – 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: kindl-berlin.de

rik Schmidt, Neubaugasse, 2024, Foto: Tamara Rametsteiner, Courtesy: Galerie Krinzinger, © Erik Schmidt / VG Bild-Kunst, Bonn, 2025.
14.09.2025 - 01.02.2026

The Rise and Fall of Erik Schmidt

KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst

Am Sudhaus 3
12053 Berlin