Der polnische Künstler Dominik Lejman ist seit drei Jahrzehnten auf Geisterjagd. Seine Kunst, weltweit gezeigt, läßt Videobilder auf abstrakte Malerei fallen. Die Gemälde werden von Widergängern, Phantomen auf kurze Dauer besiedelt – eine verstörende Kunst der Ausrichtung, der Einkerkerung und des Falls. Die von Hubertus von Amelunxen kuratierte Ausstellung in der Berliner St. Matthäus-Kirche zeigt rund 20 Werke aus der Zeit zwischen 1995 und jetzt.

Die Epiphaniaszeit, in der die Ausstellung stattfindet, ist die Zeit der Erscheinung Gottes in der Welt: Zeit und Ewigkeit durchdringen einander. In Dominik Lejmans Werken fallen die Menschen aus der Zeit in die Fugen der Gegenwart – ein Paradox. Sie sind Phantome, keiner Zeit richtig zugehörig, aber in jede Zeit wiederkehrend. Derart kommt die Betrachtung seiner Bilder einer Heimsuchung gleich, in der die Ambivalenz von Heimlich und Unheimlich sich offenbart; Einkerkerung und paradiesische Sehnsucht. »Die Zeit ist aus den Fugen«,
sagt der Geist zu Hamlet.

Das Werk von Dominik Lejman ist obsessiv, seine Ästhetik folgt der Bewegung menschlicher Existenz, seiner Ausrichtung, mit einer behutsamen Mischung aus Zweifel, Humor und
Verzweiflung. Sein Werk schlägt wie ein Pendulum zwischen Enthüllung und Abstoßung, Erhebung und Fall, Elysium und Kerker. Einzigartig in der Verbindung von Gehalt, medialer Übertragung und Ästhetik hat Dominik Lejman die Frage des Möglichen im Absurden geformt.

Von Phantomen heimgesucht zu werden, bedeutet die Erinnerung an etwas, das wir niemals in der Gegenwart erlebt haben. Umso mehr aber stellt Dominik Lejmans Werk die Frage an uns, wie wir mit welcher Verantwortung mit unserer Präsenz, unserer Zeit, umgehen.

DOMINIK LEJMAN (geb. 1969) absolvierte ein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Danzig und am Royal College of Art in London. Als Teil einer Generation, die sich aktiv am politischen Wandel in Osteuropa beteiligte, fand sein neuartiger Ansatz in der Malerei erstmals 1999 auf der wichtigen Ausstellung »After the Wall: Art and Culture in Post-Communist Europe« (Ludwig Muzéum, Budapest; Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin; Moderna Museet, Stockholm) breite Anerkennung. Lejman kombiniert Malerei mit Videoprojektionen, schafft Videowandbilder und großformatige Projektionsarbeiten. Er hatte zahlreiche Einzelausstellungen und ist Autor vieler öffentlicher Projekte (z. B. permanente Installationen in Krankenhäusern in New York und Cleveland). Er hat auch an vielen Gruppenausstellungen teilgenommen, z. B. 2004 an der Architekturbiennale in Venedig, 2019 an »Sanguine« in der Fondazione Prada und 2022 an »Macht! Licht!« im Kunstmuseum Wolfsburg.

Seine letzte retrospektive Einzelausstellung »Air Wants to Go« fand 2020 im OPENHEIM in Wrocław statt. Lejmans Einzelausstellung »Lunatics« wurde während der 59. Biennale von Venedig 2022 im Madnicity-Pavillon auf der Insel San Servolo gezeigt. Seine Werke befinden sich in renommierten öffentlichen Sammlungen wie dem Muzeum Sztuki in Łódź, der Kunsthalle Bremen, verschiedenen öffentlichen Räumen wie der Sammlung der Cleveland Clinic sowie in vielen Privatsammlungen. Er ist Preisträger polnischer und internationaler Auszeichnungen, darunter der Paszport Polityki Award (2001) und des Berliner Kunstpreises (2018). Er ist Professor des II. Malereistudios an der Universität der Künste in Posen, Polen. Er lebt und arbeitet in Posen und Berlin.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Choreographien, Performances und Vorträgen begleitet.


Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 11:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: stiftung-stmatthaeus.de