Die Gruppenausstellung ist eine künstlerische Begegnung der besonderen Art: Aus Sachsen kommen Henriette Grahnert, Jan Kummer, Nina Kummer sowie Tabitha Rub, und aus Franken kommen Sebastian Tröger und Steve Viezens.
Zwischen Malerei, Druckgrafik, Installation und Objektkunst eröffnen sich Spannungsfelder und Allianzen; Ironie trifft auf Nostalgie, Heimat auf Humor. Und auch die KI hat ihre Finger im Spiel. Im Zusammenspiel der Werke zeigen sich kritische, humorvolle und manchmal melancholische Reflexionen über den Zustand der Gesellschaft, der Kunst und unseres Planeten. Der Titel “Die Wahrheit trägt bequeme Pantoffeln” kreist wie ein Satellit über der Ausstellung. Dieser Aphorismus mit nicht mehr zu bestimmendem Ursprung verweist darauf, wie einfach und unscheinbar im Grunde die Wahrheit ist im Gegensatz zu aufwändigen, abwegigen Geschichten oder Theorien, die Menschen manchmal erfinden.
Jan Kummer, seit vielen Jahren eine tragende Figur der Chemnitzer Kunstszene, entführt mit seinen erzählerischen Werken in eine Welt voller Dada-Ironie, Humor und Melancholie. Seine Hinterglasbilder, in denen er etwa Essen und Essensgedecke oder arbeitende Menschen festhält, werden zu Ikonen einer Mangelwirtschaft, der sich geistreich trotzen lässt. Auch seine Modellhäuser auf wackligen Beinen sind in ihrer absurden Ästhetik und Architektur der Wirklichkeit näher, als man vielleicht wahrhaben möchte.
In den surreal anmutenden Bildern von Tabitha Rub (Leipzig) agieren farbenfrohe, fellbedeckte Wesen ohne Gesicht. Die Künstlerin verleiht ihnen menschliche Züge, so dass sie als Stellvertreter unserer selbst erscheinen, mit allen Freuden, Sorgen und Absurditäten.
Dazu gesellen sich mehrere Holzgestänge von Sebastian Tröger (Nürnberg), an denen seine Leinwandbilder wie Fahnen an einem Mast befestigt sind. Es sind intensive, flüchtig gemalte Bilder von emotionaler Präsenz. Als Fahnen gleichen sie territorialen Markierungen, die viel Raum einnehmen, und doch mit der Frage nach der Wirksamkeit dieser großen Geste konfrontieren.
Nina Kummer (Chemnitz), Tochter von Jan Kummer, ist vor allem als Sängerin der Band “Blond" bekannt. In ihren künstlerischen Projekten, wie den hier gezeigten Textbildern in Linolschnitt-Technik, setzt sie sich mit Themen wie Geschlechterrollen und Identität auseinander. Sie wirken bewusst ungeschliffen und suchend – wie Botschaften, die man eilig in eine Hauswand ritzt.
Im formalen Kontrast dazu steht die Malerei in altmeisterlicher Technik von Steve Viezens (Erlangen). In seiner für die Ausstellung entstandenen Serie, in deren Zentrum fränkische, fleischlastige Kost steht, nutzt er die KI, um eine ohnehin unerklärliche Welt noch mehr der Wahrheit und Überprüfbarkeit zu entrücken.
Auch in Henriette Grahnerts (Dresden) Bildern und Collagen wird scheinbar Reales abstrahiert und verunklärt. Die Künstlerin spielt gekonnt mit unterschiedlichen Malereitraditionen, die sie mit gestischen Pinselstrichen und figurativen Elementen kombiniert. Mit hintersinnigem Humor persifliert sie Alltägliches oder auch den Kunstbetrieb und legt so deren oft absurden und tragikomischen Kern offen.
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