Die neue Sonderausstellung im Schloßbergmuseum widmet sich einem prägenden Abschnitt der jüngeren Chemnitzer Geschichte – der Zeit zwischen 1953 und 1990, als die Stadt den Namen von Karl Marx trug. Beim Aufbau von Karl-Marx-Stadt nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs spielten die politischen Verhältnisse eine wesentliche Rolle. Die Stadt wurde Hauptstadt eines der einwohnerreichsten und am stärksten industrialisierten Bezirke der DDR und erhielt, nicht zuletzt durch die programmatische Umbenennung, den Status einer »sozialistischen Musterstadt«. In der Ausstellung Die neue Stadt vermitteln zahlreiche, zum größten Teil erstmals gezeigte Fotografien, Pläne und Dokumente, aber auch Architekturmodelle und Alltagsgegenstände einen Eindruck vom Leben zwischen Plattenbauten, Hochstraßen, Kosmonauten und Kunststoffen.

Beim Neuaufbau des erweiterten Stadtzentrums von Karl-Marx-Stadt wurden internationale Standards rezipiert. Über Grenzen von Ländern und Systemen hinweg wurden die Zerstörungen des Krieges als Möglichkeit für einen städteplanerischen Neubeginn gesehen, der schon länger existierende Ideen und Reformvorstellungen realisieren ließ. Der besondere Fokus der Ausstellung liegt auf den städtebaulichen Leistungen im Zeichen der internationalen Nachkriegsmoderne.

Darüber hinaus spielt die Wechselwirkung zwischen moderner Architektur und Alltag der Bevölkerung in Karl-Marx-Stadt eine wichtige Rolle in der Ausstellung. Der zeittypischen Aufgeschlossenheit für neue technologische Entwicklungen im Design und in der Mode stehen dabei auch die Widersprüche im real existierenden Sozialismus gegenüber, die sich beispielsweise im unaufhaltsamen Verfall der Altbausubstanz und einer fortschreitenden Umweltzerstörung äußerten. Die nicht mehr beherrschbare Wohnraumproblematik führte zur Entstehung von Plattenbaugebieten auf der »Grünen Wiese« – ein Beispiel wird mit dem Wohngebiet Fritz Heckert vorgestellt. Nicht zuletzt geht es auch um die Kritik an der »neuen Stadt« schlechthin, die sich ab Mitte der 1970er Jahre zunehmend äußerte und in Ost und West zu einer Rückbesinnung auf die Qualitäten der historisch gewachsenen Stadtquartiere führte. Eine Folge war beispielsweise die Rekonstruktion und Revitalisierung des Gründerzeitquartiers Brühl in Karl-Marx-Stadt.

In Vorbereitung der Ausstellung fand bereits im November (6. – 8. 11. 2024) eine öffentliche Historikertagung statt, die die Kunstsammlungen Chemnitz – Schloßbergmuseum gemeinsam mit der Technischen Universität Chemnitz organisiert haben. Unter dem Titel Karl-Marx-Stadt. Architektur und Städtebau im internationalen und historischen Kontext erörterten renommierte Fachwissenschaftler:innen im Ideenreich der Neuen Universitätsbibliothek Chemnitz Aspekte von Architektur- und Städtebaugeschichte der Moderne in Frankreich, Italien, Polen, Tschechien, der ehemaligen Sowjetunion und Deutschland. Neue Erkenntnisse zu den Entwicklungen in Karl-Marx-Stadt wurden von Chemnitzer Historiker:innen, Museolog:innen und Denkmalpfleger:innen präsentiert.

Sowohl die Tagung 2024, als auch die Ausstellung 2025 verstehen sich als Beiträge zur internationalen Diskussion um das Erbe der Moderne des 20. Jahrhunderts.


Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 11:00 – 18:00 Uhr
Montag:geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstsammlungen-chemnitz.de

Bettenhaus Hotel Kongress Karl-Marx-Stadt Foto: Wolf-Dieter Röber, ca.1975 Kunstsammlungen Chemnitz/ Schloßbergmuseum
04.05.2025 - 01.02.2026

Die neue Stadt. Chemnitz als Karl-Marx-Stadt

Kunstsammlungen Chemnitz – Schloßbergmuseum

Schloßberg 12
09113 Chemnitz