Die Rolle der weiblichen Mitglieder im Künstlerverein Malkasten ist wesentlich – wurde aber bisher wenig beachtet. Erstmals behandelt die Ausstellung „HER. un/seen. Künstlerinnen im Malkasten 1977-1997“ dieses wichtige Thema.
„Heute ist ein Herrenabend! Für begleitende Damen ist das Goethezimmer reserviert! Wir bitten um Verständnis. Der Vorstand.“ Dieses Motto galt lange Zeit im Künstlerverein Malkasten, dem 1848 von Künstlern für Künstler gegründeten Verein – wohlgemerkt 129 Jahre nur für Künstler! Vereinzelt gabt es zwar Ausstellungen von Künstlerinnen, und Frauen durften ihre Ehemänner, die Mitglied waren, zu Veranstaltungen begleiten, doch war dies mitunter nicht immer der Fall. Beim Richtfest für den Wiederaufbau des Jacobihauses am 23. März 1949 beispielsweise hieß es: „Teilnahme ohne Damen“. 1963 wurde es noch strikter: Zur Weihnachtsfeier wurden zwar Studenten der Kunstakademie eingeladen, jedoch keine ihrer „Schülerinnen“. Und eine vollwertige Mitgliedschaft sollte man Frauen lange verwehren. Einzig eine Ausnahme gab es: Die Bildhauerin Maria Fuss war 1948 als Mitglied aufgenommen worden, ihr Name taucht bis zu ihrem Austritt 1966 in den Mitgliedslisten auf. Warum man bei ihr eine Ausnahme machte, lässt sich aus den vorhandenen Aufzeichnungen nicht erschließen.
Mitte der 1970er Jahre diskutierte man verstärkt die Aufnahme von Frauen in den Verein. Dafür war eine Satzungsänderung nötig, wie das Beispiel der Keramikkünstlerin Margrit Westphal zeigt. Sie bewarb sich 1975 um die Aufnahme, doch wurde sie aufgrund der Satzung abgelehnt. Mehrfach wurde das Thema auf die Tagesordnung der jährlich stattfindenden Generalversammlungen gesetzt, etwa am 30. April 1975. Doch statt über die Änderung abzustimmen, wurde der Vorschlag einem Ausschuss zur Prüfung übergeben. 1976 fand sich bei der Generalsversammlung keine Mehrheit. Erst am 3. Mai 1977 wurde die Satzung geändert. Von den 85 abgegeben Stimmen waren 66 dafür, 18 dagegen, ein anwesendes Mitglied enthielt sich. Von da an konnten Frauen Mitglied im Künstlerverein Malkasten werden. Auch wenn sie in den ersten Jahren noch eine „Probezeit“ überstehen mussten und anfangs zunächst als außerordentliche Künstlermitglieder aufgenommen wurden. Eines der ersten weiblichen Mitglieder war die Malerin, Grafikerin und Illustratorin Helga Radener-Blaschke, die sich in den 1950er und 1960er Jahren deutschlandweit einen Namen mit Kunst-am-Bau-Projekten gemacht hatte. Sie trat am 20. September 1977 offiziell dem Verein bei.
Die Ausstellung „HER. un/seen. Künstlerinnen im Malkasten 1977-1997“ vermittelt einen Eindruck von der großen Bandbreite weiblicher Positionen im Malkasten in den ersten zwei Jahrzehnten nach der wegweisenden Satzungsänderung. Gezeigt werden die Werke von rund 40 ausgewählten Künstlerinnen, unter ihnen viele Neu- und Wieder-entdeckungen.
Die Exponate – Gemälde und Fotografien, Zeichnungen, Collagen und Druckgrafiken, Skulpturen, Videoarbeiten und Installationen – stammen von den Künstlerinnen selbst, aus deren Nachlässen, aus Museen und Privatsammlungen sowie aus dem Archiv des Künstlerverein Malkasten. Zusätzlich belebt wird die Ausstellung durch Video-Interviews mit Künstlerinnen, die eigens aus diesem Anlass geführt wurden.
Ein bemerkenswertes historisches Schlaglicht auf das Thema werfen die Arbeiten der Jugendstilkünstlerin Ilna Ewers-Wunderwald (1875-1957). Als Frau vom Studium an einer Kunstakademie ausgeschlossen, war sie weitestgehend Autodidaktin und nahm wahrscheinlich privaten Kunstunterricht. Da ihr Bruder als Kegelmeier des Vereins fungierte, hatte sie die Möglichkeit, regelmäßig in den Verein zu kommen. Im Malkasten lernte sie auch ihren späteren Ehemann, den Schriftsteller Hanns Heinz Ewers kennen, dessen Vater Heinz wiederum im Vorstand von 1876-1877 tätig gewesen ist. Als Frau kam für Ilna Ewers-Wunderwald eine Mitgliedschaft jedoch nie in Frage.
Wenn die Ausstellung einerseits die Vergangenheit des Vereins aufarbeitet, so zeigt sie andererseits die aktuelle künstlerische Praxis von Frauen. Drei junge Künstlerinnen, Malkästnerinnen aus dem Umfeld der Kunstakademie, haben neue Arbeiten entwickelt, die Bezug nehmen auf drei der älteren Positionen in der Ausstellung.
Der auf diese Weise sich entspinnende Dialog zwischen den Generationen und den unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen und Haltungen findet auch seinen Niederschlag im Begleitprogramm. Neben öffentlichen Führungen und einem Diskussionsabend zum Thema „Frauen in der Kunst“ und der Fortsetzung der Performancereihe „Generations“, die sich speziell mit dem Thema der Ausstellung befasst, wird es eine Teezusammenkunft mit Nobuko Sugai geben.
Die Ausstellung „HER. un/seen. Künstlerinnen im Malkasten 1977-1997“ ist das erste Ergebnis intensiver Recherchen, die im Frühjahr 2024 begonnen wurden und noch lange nicht abgeschlossen sind. Sie bildet den aktuellen Zwischenstand ab und macht viele bisher ungesehene Künstlerinnen endlich sichtbar.
Gefördert durch die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf.
Mit freundliche Unterstützung der Kultur- und Sozialstiftung der Provinzial Rheinland Versicherungen.
Mit Dank an das Theatermuseum & Dumont-Lindemann-Archiv der Landeshauptstadt Düsseldorf und der Stiftung IMAI - Inter Media Art Institute.
Was ist zu sehen?
Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck von der großen Bandbreite weiblicher Positionen im Künstlerverein Malkasten in den ersten zwei Jahrzehnten nach der wegweisenden Satzungsänderung im Jahr 1977, nach der erstmals Frauen als Mitglieder in den Verein aufgenommen wurden. Gezeigt werden Werke und Video-Interviews von rund 40 ausgewählten Künstlerinnen, unter ihnen viele Neu- und Wiederentdeckungen. Die Exponate – Gemälde und Fotografien, Zeichnungen, Collagen und Druckgrafiken, Skulpturen, Videoarbeiten und Rauminstallationen – stammen von den Künstlerinnen selbst, aus deren Nachlässen, aus Museen und Privatsammlungen sowie aus dem Archiv des Künstlerverein Malkasten.
Künstlerinnen der Ausstellung, die mit Werken und/oder Interviews vertreten sind.
Ulrike Arnold, Ulrike Beckmann, Alice Blumberg, Dorothee Bouchard, Charlotte Buck-Bliesener, Adina Caloenescu, Antonia Dombrowski, Ilna Ewers-Wunderwald, Karin Flörsheim, Gretel Gemmert, Lenore Gerber-Sporleder, Maren Heyne, Nan Hoover, Setsuko Ikai-Kottmann, Anna Jocham, Ruth van Kampen, Claudia van Koolwijk, Elisabeth Köhler-Burtscheidt, Herma Körding, Kim-Camille Kreuz, Silke Leverkühne, Julia Lohmann, Marianne Mangold-Nienhaus, Edith Oellers, Elly Ohms-Quennet, Jeanette Plücken, Gerhild Poos, Lu Possehl, Helga Radener-Blaschke, Natascha Schmitten, Ina Seeberg, Brigitte Seeling-Fassbender, Hannelore Strohbach, Nobuko Sugai, Sabine Tschierschky, Ruth Weber, Brigitte Wiegmann, Annette Wimmershoff .
Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit des Teams des Künstlerverein Malkasten entstanden: mit der Kunsthistorikerin und Kuratorin Beate Kolodziej, der Leiterin des Archivs Sabine Schroyen sowie den künstlerischen Vorständen Evamaria Schaller und Myriam Thyes.
Öffnungszeiten:
Dienstag: 17:00 – 21:00 Uhr
Donnerstag – Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr
Weitere Informationen direkt unter: malkasten.org