Das IKOB Museum Eupen widmet dem belgischen Künstler Ronny Delrue eine große Ausstellung, die sein jahrzehntelanges, konsequent konzentriertes Schaffen in den Mittelpunkt stellt und Delrue in erster Linie als Zeichner präsentiert. Seine täglichen Zeichnungen sind weit mehr als künstlerische Routine — sie sind ein beständiger Ausdruck persönlicher Reflexion, innerer Notwendigkeit und kritischer Auseinandersetzung mit sich selbst und der Gesellschaft.

Delrues künstlerische Praxis ist von einer beeindruckenden Disziplin geprägt: Nach dem Grundsatz „Nulla dies sine linea“ entsteht fast täglich ein neues Werk, dessen emotionaler und gedanklicher Gehalt weit über das Medium der Zeichnung hinausweist. Die Zeichnung dient ihm nicht nur als künstlerisches Ausdrucksmittel, sondern als politischer Raum, in dem das persönliche Denken, Fühlen und Vergessen dauerhaft sichtbar gemacht wird.

Im Zentrum seiner künstlerischen Aufmerksamkeit stehen die sichtbaren Fragmente menschlicher Existenz: Gesichter, Schattenfiguren und Motive des Verschwindens und Erinnerns, die als eine Art Anti-Porträts Grundfragen des Menschseins aufwerfen und gesellschaftliche Identitätsmuster hinterfragen. Delrues obsessive Linienführung, die Reduktion auf elementare Formen und das konsequente Spiel mit Zufall und Kontrolle werden zur visuellen Chronik einer suchenden, politischen Haltung.

Für das IKOB Museum ist Delrues zeichnerisches Werk eine Einladung zur kritischen Selbstbegegnung und gleichzeitig politisch relevant: Seine kontinuierliche Praxis ist ein Zeugnis der Verletzlichkeit und Offenheit des Menschlichen – und ein anhaltender Appell, künstlerische Prozesse als gesellschaftliche Reflexion zu verstehen.

Die Ausstellung im IKOB Museum präsentiert die Zeichnungen von Ronny Delrue auf locker durch den Raum mäandernden Tischen, die es den Werken ermöglichen, sich auf ungezwungene Weise durch den Ausstellungsraum zu entfalten. Diese besondere Form der Inszenierung rückt die Präsentation näher an die Produktionsperspektive des Künstlers heran und lässt die Besucherinnen und Besucher an Delrues Prozess teilhaben, anstatt lediglich fertige Ergebnisse abzuschreiten.

Das Sehen wird in dieser Ausstellung als intimer Akt der Hinwendung verstanden: Die Gäste sind eingeladen, sich einzeln oder in kleinen Gruppen den Zeichnungen zuzuwenden, sich auf die subtilen Schichten, die Nuancen und die Spuren des Denkens und Suchens einzulassen. Die räumliche Anordnung der Tische unterstützt ein kontemplatives und persönliches Erlebnis, das der künstlerischen Praxis Delrues entspricht – ein fortwährender Prozess des Entdeckens und Gestaltens, der die fragile Offenheit seiner Zeichnungen widerspiegelt.

Indem die Inszenierung bewusst auf die Produktionsseite verweist, schafft das IKOB einen neuen Zugang zur Kunst: Die Besucherinnen und Besucher begegnen den Zeichnungen im Modus einer behutsamen Annäherung, nicht im schnellen Abschreiten von Exponaten. Die Ausstellung lädt dazu ein, Sehen als Moment des Innehaltens und persönlichen Nachdenkens zu erleben – ganz im Sinne von Delrues künstlerischer Haltung.

Mit dieser Ausstellung würdigt das IKOB Museum Ronny Delrue als Zeichner, dessen Arbeiten nicht nur einen tiefen Blick in das Wesen des Künstlers, sondern auch in die Fragen unserer Zeit eröffnen.


Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 13:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: ikob.be

Preesebild IKOB
16.12.2025 - 22.02.2026

Ronny Delrue: Jeder Strich ein lauter Klang

IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst

Rotenberg 12b

4700 Eupen