Für die Arbeit „An Oliver“ wurden über 1700 Ersttagsbriefe aus der DDR mit gültigen Briefmarken versehen und an eine fiktive Person, Oliver, gesendet. Aufgrund von unzureichender Adressangabe kommen diese an die Absenderin, die Künstlerin selbst mit c/o an die unterschiedlichsten Stipendienorte oder Kunstinstitutionen zurück. „An Oliver" ist ein poetisches Relikt des handgeschriebenen Briefes – konzeptuell, analog und visuell zugleich – Tagebuch und künstlerische Forschung. Die Arbeit verhandelt Erinnerung, Materialität und das drohende Verschwinden des klassischen Postwesens durch digitale Kommunikation. Sie diskutiert Deutsch-deutsche Vergangenheit als auch das aktuelle Zeitgeschehen, inszeniert nonverbale Kommunikation mittels nationaler und internationaler Briefmarken und verknüpft damit auch die Thematik des Reisens, die scheinbare Aufhebung von Grenzen, die zur Reflexion des Heimatbegriffs führt.
Fragen nach der Archivierung von Daten, nach dem Verbleib und Status von digital verschickten Nachrichten und online veröffentlichten Postings stehen so traditioneller Verschriftlichung, dem „echten“ handgeschriebenen Brief gegenüber, der als greifbares, materielles Relikt bleibt.
Für die Ausstellung im Saarländischen Künstlerhaus entstand eine eigene Edition.
Joanna Schulte, geb. 1969 in Osnabrück, lebt als multimedial arbeitende Künstlerin in Hannover.
Karlstraße 1
66111 Saarbrücken