Die zunehmenden Umfragewerte rechtsradikaler und nationalkonservativer Parteien gehen mit einem Wandel einer von Populismus geprägten Sprache einher. Diese zeichnet sich durch einen ausgrenzenden Nationalstolz und die Propagierung der Bewahrung “eigener” Werte aus. 

Auch offizielle Institutionen wie Heimatministerien sind Zeugnisse des Versuchs eine lokale oder nationale Identität zu definieren und dadurch zu verfestigen. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, was eigentlich damit gemeint sein soll, wenn von einer deutschen Identität die Rede ist.

Das Kunstmuseum Heidenheim nimmt dieses vage Terrain zum Anlass für eine Ausstellung, in welcher aus Perspektive der bildenden Kunst nach Aspekten des Deutschen gefragt werden soll.

Wenn ein Museum für zeitgenössische Kunst eine Ausstellung mit dem Titel “Deutsch!” organisiert, dann mag das erst einmal provokant anmuten. Ziel der Werkschau ist dabei jedoch keine Deutschtümelei oder die Bestätigung klischeebeladener Bilder. Vielmehr soll im Subtext das Ausrufezeichen als Fragezeichen verstanden und ein Raum für Diskussionen geschaffen werden. 

Zu diesem Zweck versammelt die Ausstellung Arbeiten von 20 Künstler:innen, die sich auf ihre je eigene Weise mit der Geschichte und mit Motiven beschäftigen, die mit Deutschland assoziiert werden oder nationale Stereotype zur Disposition stellen. 

Aufgeteilt ist die Ausstellung in fünf Themenblöcke. Der Rundgang beginnt mit Werken zu Tradition und Alltag. Hier treffen Gemälde von Literaturklassikern, Reisepässen und dem Grundgesetz (Anna Ley) auf gemalten Toast Hawaii und Leberkäse (Albrecht/Wilke). Zeitungsartikel (Peter Piller, Max Kersting) gesellen sich zu Räuchermännchen (Max Martinetz) und Fußballbildchen (Kai Fischer). Dieser Bereich soll einen humorvollen Einstieg bieten, der aber auch schon erste Diskussionen zulässt. Kann man eine nationale Identität wirklich auf kulinarische Produkte reduzieren?

Im Bereich gebaute Umwelt werden sowohl die Provinz (Andy Heller, Peter Piller) als auch die Shoppingcenter im Osten Berlins (Alexander Gdanietz) verhandelt, aber auch das klassisch süddeutsche Häuslebauen im Allgemeinen (Karla Zipfel).

Der Bereich Deutsche Landschaft offenbart mehr Politik als es den Anschein haben mag. Sie wird zur fiktiven Kulisse für die Werbung (Jaemin Lee), ist Schauplatz der Rüstungsindustrie (Bianca Patricia Isensee), ist Ort für FKK aber auch für eine Überhöhung der Geschichte (Antonia Alessia Virginia Beeskow, Jens Klein).

In Bereich Deutsche Geschichte geht es dann auch um die Schattenseiten: NSU und RFA (Andreas Mühe) stehen neben Rostock-Lichtenhagen (Jody Korbach) oder der dunklen Seite von Hugo Boss (Nicholas Warburg). Zu sehen ist auch, wie sich Populismus in zärtliche Gesten deutscher Politiker:innen zeigt (Michael Schlecht & Emanuel Aeneas Megersa).

Der fünfte Bereich ist ein offener Parcours. Mit dem Museum verbundene Personen wurden eingeladen, ihren Beitrag auf die Frage „Was ist typisch deutsch“ einzureichen. Antworten von Personen unterschiedlichen Alters, Herkunft und Nation bieten ein breites Bild von Meinungen und Ideen. Drei leere Sockel dürfen vom Publikum bespielt werden und laden ein, das Thema weiterzudenken.

Mit Werken von:
Albrecht/Wilke, Antonia Alessia Virginia Beeskow, Andy Heller, Kai Fischer, Alexander Gdanietz, Bianca Patricia Isensee, Max Kersting, Jens Klein, Jody Korbach, Jaemin Lee, Anna Ley, Maximilian Martinetz, Andreas Mühe, Peter Piller, Michael Schlecht & Emanuel Aeneas Megersa, Nicholas Warburg, Karla Zipfel


Öffnungszeiten:
Dienstag: 11:00 – 17:00 Uhr
Mittwoch: 13:00 – 19:00 Uhr
Donnerstag – Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstmuseum-heidenheim.de

Kai Fischer aus der Serie: Patria, 2024 Acryl auf Leinwand ©Kai Fischer
08.03. - 31.05.2026

DEUTSCH!

Kunstmuseum Heidenheim

Marienstraße 4
89518 Heidenheim