Das Paula Modersohn-Becker Museum, das zusammen mit der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung die weltweit umfangreichste öffentliche Sammlung ihrer Werke besitzt, nimmt den 150. Ge-burtstag seiner Namensgeberin zum Anlass für die große Sonder-ausstellung BECOMING PAULA. Sie zeigt, wie die Malerin schon in ihrer Studienzeit ihren eigenen, freien und selbstständigen künstlerischen Weg ging und diesen bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1907 konsequent verfolgte. Neben ihrem weitgehend un-bekannten Frühwerk und den berühmten Bildern ihrer letzten Lebensjahre rückt die Ausstellung erstmals auch die Rezeption der Malerin im 20. und 21. Jahrhundert in den Fokus. 

Die Ausstellung BECOMING PAULA bietet mit rund 80 Gemälden und Papierarbeiten aus der Museumssammlung, den reichen Beständen der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung sowie selten gezeigten Arbeiten aus Privatbesitz und Leihgaben weiterer Institutionen einen fulminanten Einblick in die Facetten dieser einzigartigen Künstlerinnenbiografie. 

Der Blick auf ihr Lebenswerk ist voller Höhepunkte: Bereits 1906 stellte Paula Modersohn-Becker die Kunstgeschichte mit ihrem Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag auf den Kopf – dem ersten Selbst-akt einer Malerin. Das Gemälde wurde erst nach ihrem Tod öffent-lich gezeigt. 1927 wurde ihr posthum das erste Museum weltweit für eine Malerin gewidmet. Heute wird Paula Modersohn-Becker als wichtigste deutsche Malerin des frühen 20. Jahrhunderts international gefeiert, als »Pionierin der Moderne«, »Deutschlands Picasso« (FAZ 2007) und »trailblazing artist« (The New York Times 2024). 

Doch wie kam es dazu, dass diese junge Frau, 1876 in Dresden geboren und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bremen, London, Berlin, Worpswede und vor allem Paris künstlerisch sozialisiert, eine der auch international erfolgreichsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts werden konnte? Wie wurde aus Paula Becker die Künstlerin Paula Modersohn-Becker – und letztlich als Kunstfigur ›Paula‹ eine Projektionsfläche, die heute in Literatur, Film und Kunst breit rezipiert wird? Die Jubiläumsausstellung BECOMING PAULA geht diesen Fragen nach, indem sie parallel auf Leben, Werk und Rezeption blickt. 

Die Ausstellung stellt dem heutigen Blick auf die Künstlerin ihren Werdegang entgegen. So erschließt das erste Kapitel Paula Moder-sohn-Beckers persönliches und professionelles Netzwerk – mit Porträts von Clara Rilke-Westhoff, Rainer Maria Rilke, Martha Vogeler, Lee Hoetger, der Schwester Herma und anderen. Darauf folgen Studienarbeiten und frühe Werke, die in London und Berlin entstanden. An ihnen wird nicht nur die frühe Auseinandersetzung der jungen Malerin mit ihren Lehrern und maßgeblichen Künstlern ihrer Zeit deutlich; vielmehr bieten sie darüber hinaus bereits eine Vorschau auf die späten Arbeiten. Denn bereits hier blitzen die Eigenart, die Eigenständigkeit und das Talent dieser unabhängigen und eigenwilligen Frau auf. Werke aus verschiedenen Privatsamm-lungen machen ihr kaum gezeigtes Frühwerk zu einer Entdeckung: So hat man Paula Modersohn-Becker bislang nicht gesehen. 

Natürlich folgt die Ausstellung der Künstlerin auch nach Worps-wede, wo sie als Absolventin des ›Vereins der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin‹ unter Korrektur von Fritz Mackensen arbeitete. Hier wird der Akt zu dem zentralen Bildthema, das die Malerin bis zu ihrem frühen Tod beschäftigen wird. Dabei gelangt Modersohn-Becker zu ungewöhnlichen, unverstellten und direkten Bildfindungen, die in der Kunstgeschichte ihresgleichen suchen. 

In den nächsten Räumen sind die berühmten Bilder von 1906/07 zu sehen, mit denen sie Teil der damaligen Pariser Avantgarde wird. Paula Modersohn-Becker war sich der Bedeutung ihrer Werke durchaus bewusst. Auf einem Briefkuvert skizzierte sie ihr Pariser Atelier, an dessen Wänden drei ihrer Hauptwerke hängen. Sie werden in der Ausstellung in einer Rekonstruktion des Zimmers gezeigt. 

Wie prägend die Kunst von Paula Modersohn-Becker für Künst-lerinnen und Künstler im 20. und 21. Jahrhundert werden sollte, wird in der Ausstellung ebenfalls veranschaulicht. Bis heute ist diese Faszination ungebrochen, wie Beiträge von Georg Baselitz, Chantal Joffe und weiteren Künstlerinnen und Künstlern ein-drucksvoll zeigen. 

Die Ausstellung ist der Auftakt zum zweijährigen Jubiläumspro-gramm des Paula Modersohn-Becker Museums, das 2027 sein 100jähriges Bestehen feiert. 


Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 11:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen 

Weitere Informationen direkt unter: museen-boettcherstrasse.de und paula150.de

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag, 1906, Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen © Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
08.02. - 13.09.2026

Becoming Paula. 150 Jahre Paula Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker Museum

Böttcherstraße 6-10
28195 Bremen