Mit ihren Porträts zeigte Paula Modersohn-Becker Menschen auf eine neue Art und Weise. Ihre Menschenbilder stellen Schönheitsideale auf den Kopf. Statt das Gegenüber detailgetreu und vielleicht sogar idealisiert wiederzugeben, fangen sie das Wesen ein. Sie reduzieren die Menschen auf das Essenzielle und überraschen mit psychologischer Tiefe.

Diese Herangehensweise war ein vollkommen neuer Ansatz für die Porträtmalerei. Deshalb stellt der Barkenhoff Paula Modersohn- Beckers Mädchen mit Perlenkette ins Zentrum der Ausstellung und erkundet davon ausgehend die Entwicklung von Porträts aus mehr als einem Jahrhundert. In der Gegenüberstellung historischer und zeitgenössischer Werke wird sichtbar, wie sich der Blick auf den Menschen wandelt – und welche Rollen der Zeitgeist, Individualität und Selbstinszenierung dabei spielen.

Ausgestellte Künstler*innen
Heike Kati Barath, Marie Bock, Horacio Butler, David Didebulidze, Carl Eeg, Hans am Ende, Margarete Hecker, Bernhard Hoetger, Insook Ju und Sukyun Yang, Alfred Kollmar, Rudolf Kortokraks, Annelise Kretschmer, Andrea Lühmann, Wiebke Mertens, Paula Modersohn-Becker, Ottilie Reylaender, Rainer Maria Rilke, Clara Rilke-Westhoff, Albert Schiestl-Arding, Paul Schroeter, Sibylle Springer, Georg Tappert, Tetjus Tügel, Bram van Velde, Heinrich Vogeler


Impuls Paula – Zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker
Die Künstlerin Paula Modersohn-Becker hat weitaus mehr hinterlassen als rund 750 Bilder und weit über 1.000 Zeichnungen: Ihr Einfluss auf die Kunstwelt und ihre Inspiration sind unschätzbar. Mit ›Impuls Paula‹ gehen die Worpsweder Museen vom 7. Februar bis zum 1. November genau diesem Vermächtnis nach.

Zu ihren Lebzeiten verkaufte Paula Modersohn-Becker kaum eines ihrer Gemälde. Erst in den Jahrzehnten nach ihrem Tod erkannte die Kunstwelt die Magie, die in ihrem ganz eigenen Stil steckt. Heutzutage gelten die Bilder als Meilensteine des Expressionismus. Sie faszinieren durch ihre Kraft und berühren, weil sie sich radikal auf das Wesentliche reduzieren und Menschlichkeit spürbar machen. Außerdem imponiert die Unbeirrbarkeit, mit der die junge Malerin ihren künstlerischen Weg – ganz unabhängig von Konventionen und Meinungen – verfolgte. Sie lebte und atmete für ihre Kunst. »In mir fühle ich es wie ein leises Gewebe, ein Vibrieren, ein Flügelschlagen, ein zitterndes Ausruhen, ein Atemanhalten: wenn ich einst malen kann, werde ich das malen.« Mit ihrem Leben und ihrer Kunst hat Paula Modersohn-Becker Impulse gesetzt und Generationen von Künstlerinnen und Künstlern beeinflusst.

Genau diese Impulse untersuchen die Worpsweder Museen. Welche Anstöße hat Paula Modersohn-Becker gegeben, welche Zeichen hat sie gesetzt? Welche Künstlerinnen und Künstler haben sich von ihr inspirieren lassen und wie lebt ihre Kunst weiter? Ausgehend von jeweils einem der Werke der Malerin gehen die Besucherinnen und Besucher mit ›Impuls Paula‹ auf Spurensuche – und zwar in jedem der vier Museen auf eine andere: Mal geht es um (Selbst-) Porträts, mal um Wertschätzung und Respekt, mal um Design von Frauen. Mal sieht man Werke, die vor über einhundert Jahren entstanden, mal zeitgenössische Kunst aus unseren Jahrzehnten. Letztere stammt übrigens auch von Künstlerinnen der GEDOK, dem ältesten und europaweit größten Netzwerk für Künstlerinnen. In diesem Jahr feiert es seinen 100. Geburtstag.

Ein Begleitprogramm flankiert die Ausstellung und vertieft manche Aspekte, lässt Künstler*innen zu Wort kommen und stellt ganz neue Fragen. Dazu zählen nicht nur die Künstler*innengespräche, die an ausgewählten Terminen in den Museen stattfinden, oder die Führungen durch die Museen und den Ort, sondern auch eine wissenschaftliche Tagung. Im Rahmen der Ausstellung richtet das Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender/Universität Bremen gemeinsam mit dem Kunstgeschichtlichen Institut/Philipps-Universität Marburg und in Kooperation mit den Worpsweder Museen und dem Künstlerinnenverband Bremen, GEDOK, eine Tagung zur Künstlerinnen*forschung vom 11. bis 13. Juni 2026 in Worpswede aus. 


Öffnungszeiten:
Mittwoch, Freitag – Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: worpswede-museen.de