Paula Modersohn-Becker malte häufig Frauen aus bäuerlichen Verhältnissen oder aus dem Armenhaus in Worpswede. Ihre Werke zeigen die intensive Auseinandersetzung mit dieser Situation. Man spürt zugleich Nähe, aber auch Distanz, man sieht Anteilnahme, aber auch Beobachtung. Die junge Malerin war sich des sozialen Gefälles zu ihren Modellen bewusst und äußerte darüber auch ihr Unbehagen.

Die Ausstellung stellt Paula Modersohn-Beckers eindrucksvollen Halbakt einer sitzenden Bäuerin in den Mittelpunkt und fragt nach eben dieser Auseinandersetzung. Wie verhalten sich eigentlich Künstlerinnen und Künstler zu den Menschen, die sie porträtieren? Welche Haltungen spiegeln sich in den Darstellungen, damals wie heute?

Seit dem Porträt der Bäuerin hat sich der künstlerische Blick auf soziale Rollen, auf Machtgefüge und auch auf das Verhältnis des Menschen zur Natur verändert. Die Ausstellung macht diese Wandlungen auf spannende Weise sichtbar – und sogar hörbar.

Ausgestellte Künstler*innen
Anna Bart, Annemirl Bauer, Anna und Bernhard Blume, Monica Bonvicini, Cihan Çakmak, Ulrich Conrad, Lucila Pacheco Dehne, Lisa Domin, Hans am Ende, Jeanne Faust, Simone Haack, Regina Hennen, Bernhard Hoetger, Heini Linkshänder, Fritz Mackensen, Wiebke Mertens, Frauke Migge, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Pit Morell, Orlan, Gabriela Oberkofler, Fritz Overbeck, Christine Prinz, Anahita Razmi (Außeninstallation im Ort), Ottilie Reylaender, Clara Rilke-Westhoff, Cordula Schmidt, Ngozi Ajah Schommers, Marina Schulze, Sibylle Springer, Marie S. Ueltzen, Carl Vinnen, Heinrich Vogeler, Jost Wischnewski

Zeitweilig ausgestellte Künstler*innen
Marion Bösen, Claudia Piepenbrock, Timm Ulrichs, Martina Werner


Impuls Paula – Zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker
Die Künstlerin Paula Modersohn-Becker hat weitaus mehr hinterlassen als rund 750 Bilder und weit über 1.000 Zeichnungen: Ihr Einfluss auf die Kunstwelt und ihre Inspiration sind unschätzbar. Mit ›Impuls Paula‹ gehen die Worpsweder Museen vom 7. Februar bis zum 1. November genau diesem Vermächtnis nach.

Zu ihren Lebzeiten verkaufte Paula Modersohn-Becker kaum eines ihrer Gemälde. Erst in den Jahrzehnten nach ihrem Tod erkannte die Kunstwelt die Magie, die in ihrem ganz eigenen Stil steckt. Heutzutage gelten die Bilder als Meilensteine des Expressionismus. Sie faszinieren durch ihre Kraft und berühren, weil sie sich radikal auf das Wesentliche reduzieren und Menschlichkeit spürbar machen. Außerdem imponiert die Unbeirrbarkeit, mit der die junge Malerin ihren künstlerischen Weg – ganz unabhängig von Konventionen und Meinungen – verfolgte. Sie lebte und atmete für ihre Kunst. »In mir fühle ich es wie ein leises Gewebe, ein Vibrieren, ein Flügelschlagen, ein zitterndes Ausruhen, ein Atemanhalten: wenn ich einst malen kann, werde ich das malen.« Mit ihrem Leben und ihrer Kunst hat Paula Modersohn-Becker Impulse gesetzt und Generationen von Künstlerinnen und Künstlern beeinflusst.

Genau diese Impulse untersuchen die Worpsweder Museen. Welche Anstöße hat Paula Modersohn-Becker gegeben, welche Zeichen hat sie gesetzt? Welche Künstlerinnen und Künstler haben sich von ihr inspirieren lassen und wie lebt ihre Kunst weiter? Ausgehend von jeweils einem der Werke der Malerin gehen die Besucherinnen und Besucher mit ›Impuls Paula‹ auf Spurensuche – und zwar in jedem der vier Museen auf eine andere: Mal geht es um (Selbst-) Porträts, mal um Wertschätzung und Respekt, mal um Design von Frauen. Mal sieht man Werke, die vor über einhundert Jahren entstanden, mal zeitgenössische Kunst aus unseren Jahrzehnten. Letztere stammt übrigens auch von Künstlerinnen der GEDOK, dem ältesten und europaweit größten Netzwerk für Künstlerinnen. In diesem Jahr feiert es seinen 100. Geburtstag.

Ein Begleitprogramm flankiert die Ausstellung und vertieft manche Aspekte, lässt Künstler*innen zu Wort kommen und stellt ganz neue Fragen. Dazu zählen nicht nur die Künstler*innengespräche, die an ausgewählten Terminen in den Museen stattfinden, oder die Führungen durch die Museen und den Ort, sondern auch eine wissenschaftliche Tagung. Im Rahmen der Ausstellung richtet das Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender/Universität Bremen gemeinsam mit dem Kunstgeschichtlichen Institut/Philipps-Universität Marburg und in Kooperation mit den Worpsweder Museen und dem Künstlerinnenverband Bremen, GEDOK, eine Tagung zur Künstlerinnen*forschung vom 11. bis 13. Juni 2026 in Worpswede aus. 


Öffnungszeiten:
Mittwoch, Freitag – Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: worpswede-museen.de