Paula Modersohn-Becker ist als Malerin bekannt und berühmt. Kaum jemand weiß, dass sie um 1900 einen künstlerischen Ausflug unternahm: in das Textildesign. Es entstand ein Bildteppich im Jugendstil mit dem Titel Apfelbaum. Sie fertigte in dieser Zeit für ihre Freundin Martha Vogeler auch die Entwurfsskizze Martha und Paula Schafe hütend an. Ein halbes Jahrhundert später, 1957, setzte Martha Vogler diese Skizze in ihrer Weberei im Haus im Schluh in einen Bildteppich um. Dieses kleine Werk gab den Impuls zu einer Ausstellung, die sich ganz der angewandten Kunst von Frauen widmet – von 1920 bis heute.

Textilkunst und Mode, Arbeiten aus Porzellan und Keramik, Stücke aus Silber und Messing, Werbegrafik und Fotografie: ›ANGEWANDT. Frau + Design‹ präsentiert Arbeiten von 15 Künstlerinnen und Designerinnen, die sich erfolgreich in diversen Sparten verwirklichten und verwirklichen, und deren Schaffen auch im Kontext Worpswedes gesehen werden kann.

Die mexikanische Künstlerin Claudia A. Cruz, GEDOK Bremen, bereichert und reflektiert die Ausstellung mit ihrem Werk Ode an die Kettfäden von 2024.

Ausgestellte Künstlerinnen
Erna Bertelsmann, Claudia A. Cruz, Ruth Dodenhoff, Lotte Heidelbach, Sofia Hermens Fernandez, Eva Kausche, Käthe Kruse, Beate Leonards, Julia Meiners, Paula Modersohn-Becker, Alen Müller-Hellweg, Ingrid Ripke-Bolinius, Martel Schwichtenberg, Martha Vogeler, Mieke Vogeler, Heide Weichberger


Impuls Paula – Zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker
Die Künstlerin Paula Modersohn-Becker hat weitaus mehr hinterlassen als rund 750 Bilder und weit über 1.000 Zeichnungen: Ihr Einfluss auf die Kunstwelt und ihre Inspiration sind unschätzbar. Mit ›Impuls Paula‹ gehen die Worpsweder Museen vom 7. Februar bis zum 1. November genau diesem Vermächtnis nach.

Zu ihren Lebzeiten verkaufte Paula Modersohn-Becker kaum eines ihrer Gemälde. Erst in den Jahrzehnten nach ihrem Tod erkannte die Kunstwelt die Magie, die in ihrem ganz eigenen Stil steckt. Heutzutage gelten die Bilder als Meilensteine des Expressionismus. Sie faszinieren durch ihre Kraft und berühren, weil sie sich radikal auf das Wesentliche reduzieren und Menschlichkeit spürbar machen. Außerdem imponiert die Unbeirrbarkeit, mit der die junge Malerin ihren künstlerischen Weg – ganz unabhängig von Konventionen und Meinungen – verfolgte. Sie lebte und atmete für ihre Kunst. »In mir fühle ich es wie ein leises Gewebe, ein Vibrieren, ein Flügelschlagen, ein zitterndes Ausruhen, ein Atemanhalten: wenn ich einst malen kann, werde ich das malen.« Mit ihrem Leben und ihrer Kunst hat Paula Modersohn-Becker Impulse gesetzt und Generationen von Künstlerinnen und Künstlern beeinflusst.

Genau diese Impulse untersuchen die Worpsweder Museen. Welche Anstöße hat Paula Modersohn-Becker gegeben, welche Zeichen hat sie gesetzt? Welche Künstlerinnen und Künstler haben sich von ihr inspirieren lassen und wie lebt ihre Kunst weiter? Ausgehend von jeweils einem der Werke der Malerin gehen die Besucherinnen und Besucher mit ›Impuls Paula‹ auf Spurensuche – und zwar in jedem der vier Museen auf eine andere: Mal geht es um (Selbst-) Porträts, mal um Wertschätzung und Respekt, mal um Design von Frauen. Mal sieht man Werke, die vor über einhundert Jahren entstanden, mal zeitgenössische Kunst aus unseren Jahrzehnten. Letztere stammt übrigens auch von Künstlerinnen der GEDOK, dem ältesten und europaweit größten Netzwerk für Künstlerinnen. In diesem Jahr feiert es seinen 100. Geburtstag.

Ein Begleitprogramm flankiert die Ausstellung und vertieft manche Aspekte, lässt Künstler*innen zu Wort kommen und stellt ganz neue Fragen. Dazu zählen nicht nur die Künstler*innengespräche, die an ausgewählten Terminen in den Museen stattfinden, oder die Führungen durch die Museen und den Ort, sondern auch eine wissenschaftliche Tagung. Im Rahmen der Ausstellung richtet das Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender/Universität Bremen gemeinsam mit dem Kunstgeschichtlichen Institut/Philipps-Universität Marburg und in Kooperation mit den Worpsweder Museen und dem Künstlerinnenverband Bremen, GEDOK, eine Tagung zur Künstlerinnen*forschung vom 11. bis 13. Juni 2026 in Worpswede aus. 


Öffnungszeiten:
Dienstag und Donnerstag: 13:00 – 17:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: worpswede-museen.de

Paula Modersohn-Becker Entwurf Martha und Paula Schafe hütend 1904 Aquarell Privatbesitz Foto: © Sammlung Haus im Schluh
07.02. - 01.11.2026

ANGEWANDT. Frau + Design

Worpsweder Museumsverbund – Haus im Schluh

Im Schluh 35-37
27726 Worpswede