Die Villa Schöningen zeigt mit Traces of the Body die erste Einzelausstellung der US-amerikanischen Malerin Kylie Manning in Deutschland. Neue großformatige Gemälde, eigens für Potsdam entstanden, treten dabei in ein spannungsvolles Resonanzfeld mit kunsthistorischen Positionen von Jan Brueghel II bis Marina Abramović & Ulay.
Wir leben in einer Gegenwart, die von Beschleunigung und ephemeren Momenten geprägt ist: Begegnungen, Bilder, Erfahrungen erscheinen und vergehen in rascher Folge. In der Soziologie wird dies als „soziale Beschleunigung“ beschrieben. Flüchtigkeit ist nicht mehr Ausnahme, sondern Grundbedingung des Lebens. Traces of the Body fragt, wie sich dieses Ephemere künstlerisch fassen lässt: als Verlust oder als Möglichkeit? Was bleibt, wenn das Dauerhafte erodiert, und welche Spuren hinterlassen Körper in einer Zeit, in der sie medial inszeniert, politisch verhandelt und ökonomisch beansprucht werden?
Mannings Malerei bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion und entfaltet Bildräume, in denen Körper nicht als feste Formen erscheinen, sondern als flüchtige Spuren. Fragile Andeutungen, die sich in Schichten von Farbe und Licht auflösen. Ihre eigens für die Ausstellung entstandenen Werke treten in Dialog mit kunsthistorischen Positionen: von Jan Brueghel II, dessen barocke Paradieslandschaften den Körper in einen göttlich geordneten Naturraum einschrieben, über Wilhelm Lehmbruck, der ihn in fragile, existenzielle Zustände versetzte, bis hin zu Marina Abramović & Ulay oder Anselm Kiefer, die Körperlichkeit als Prozess, Spur und Erinnerung verhandelten. So öffnet sich ein Resonanzraum, in dem Fragen nach Körper, Sichtbarkeit, Macht und Gender ineinanderfließen.
„Wir leben in einer Gesellschaft, in der vieles flüchtig geworden ist: Begegnungen, Bilder, Erinnerungen. Kylie Manning übersetzt diese Erfahrung in Malerei, die selbst Bewegung ist. Darin liegt ihre Aktualität“, so Pola van den Hövel, Kuratorin und Interim-Direktorin der Villa Schöningen.
Malerei als körperlicher Prozess
Mannings Malweise ist ein körperlicher, prozesshafter Akt. Ohne Vorzeichnung arbeitet sie direkt auf der Leinwand mit Schichtungen aus Kaninchenhautleim, Pigmenten und Öllasuren. In Überlagerungen von Lasuren, Schleifen und Pigmentauftrag entstehen atmosphärische Bildräume, die ein inneres Leuchten entfalten und sich einem linearen Narrativ entziehen. Ihre Gemälde wirken wie Erinnerungslandschaften, vertraut und entrückt zugleich, flüchtige Präsenz im Moment ihres Verschwindens.
Interdisziplinäres Begleitprogramm
Das Programm erweitert die Ausstellung um performative und partizipative Formate. Das interdisziplinäre Kollektiv DANCÆ entwickelt eine Performance, die Tanz, Klang und Licht miteinander verwebt und den Ausstellungsraum temporär in Bühne und Bewegungs-Labor verwandelt. Weitere Formate, von Lesungen über Jazz-Salon bis hin zu Aktzeichnen, öffnen zusätzliche Perspektiven auf das Thema Körper im Raum.
Öffnungszeiten:
Freitag – Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr
Weitere Informationen direkt unter: villa-schoeningen.de