Das Saarlandmuseum präsentiert in Kooperation mit dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) vom 7. Februar bis 17. Mai 2026 die Ausstellung Marthe Donas & Alexander Archipenko – Power-Paar der Avantgarde.Gezeigt werden rund 120 hochkarätige Werke, darunter etwa 60 Leihgaben aus bedeutenden Museen und Privatsammlungen Europas und der USA. Die Werkschau vergegenwärtigt das fruchtbare Zusammenwirken des Künstlerpaars während der Jahre 1917 bis 1920 und offenbart zudem dessen Verdienste um die Wiederbelebung des kosmopolitischen Künstlerkreises La Section d’Or nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Zu den Highlights zählen Werke, die auf unterschiedliche Weise die hergebrachten Grenzen des Tafelbilds sprengten: sowohl die revolutionären shaped canvases der Malerin Donas als auch die spektakulären sculpto-peintures des Bildhauers Archipenko erweisen den Beitrag beider Künstlerpersönlichkeiten zur Avantgarde ihrer Zeit.

Die Ausstellung ‚Marthe Donas & Alexander Archipenko – Power-Paar der Avantgarde‘ leistet einen wichtigen Beitrag zu einer gerechteren Neubewertung der Kunstgeschichte. Marthe Donas behauptete sich mit großer künstlerischer Konsequenz in einer von Männern dominierten Avantgarde, in der Frauen oft nur am Rand wahrgenommen oder – wie im Fall Donas – unter Pseudonymen sichtbar werden konnten. Die Ausstellung macht eindrucksvoll deutlich, welchen eigenständigen und prägenden Anteil Donas am künstlerischen Aufbruch der Moderne hatte. Damit setzt das Saarlandmuseum ein bewusstes Zeichen für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und die Anerkennung weiblicher Kreativität in der Kunst“, so Kulturministerin Christine Streichert-Clivot.

Die belgische Malerin Marthe Donas  (* 26. Oktober 1885 in Antwerpen, † 31. Januar 1967 in Audregnies, Gemeinde Quiévrain) und der ukrainische Bildhauer Alexander Archipenko (* 30. Mai 1887 in Kiew, † 25. Februar 1964 in New York) lernten sich 1917 in Cimiez nahe Nizza kennen. Im höchst unkonventionellen Umgang mit Farbe, Form und Volumen entwickelte das Paar nicht nur neue Varianten kubistischer Bildkonzeption, sondern war maßgeblich am Aufleben der 1919 wiederbegründeten Section d´Or [Der Goldene Schnitt] beteiligt. Mit einer Handvoll französischer sowie ukrainisch- und russischstämmiger Kubisten bestand der Pariser Kreis aus einer bunten Mischung von Nationalitäten und – für die damalige Zeit bemerkenswert – aus zahlreichen Frauen. Manche traten unter französischen und männlich klingenden Pseudonymen auf. La Section d´Or entwickelte sich, nicht zuletzt wegen der europaweiten Netzwerke Archipenkos, zu einer einflussreichen Avantgarde-Bewegung, in der „Tour Donas“ [Marthe Donas’ Pseudonym] als zentrale Verbindungsperson zur niederländischen De-Stijl-Bewegung mit Theo van Doesburg und Piet Mondrian in Erscheinung trat. Trotz ihres zeitweise spektakulären Erfolgs geriet Marthe Donas bereits in den Folgejahrzehnten in Vergessenheit, wohingegen Alexander Archipenkos Ruhm bis heute andauert.

Dr. Kathrin Elvers-Švamberk, Kuratorin der Ausstellung: „Die Ausstellung offenbart, wie intensiv und vielschichtig der künstlerische Austausch zwischen der Malerin und dem Bildhauer war und wie fruchtbar sich die wechselseitige Inspiration auf die je eigene Formensprache ausgewirkt hat. Ein Schwerpunkt der Präsentation liegt auf den in Europa selten gezeigten, farbstarken „Skulpto-Malereien“ Archipenkos, die besonders deutlich den Dialog mit Marthe Donas erweisen. Wir freuen uns, dass das Saarlandmuseum mit seiner einzigartigen Archipenko-Sammlung dank dieser Gemeinschaftsausstellung mit dem Antwerpener Partnerhaus bislang unbekannte Hintergründe seines Schaffens beleuchten kann und zugleich einer virtuosen, innovativen Künstlerin der Klassischen Moderne die adäquate Sichtbarkeit verschafft.

Die Zusammenarbeit zwischen dem KMSKA und der Modernen Galerie im Rahmen dieses Projekts verdankt sich dem Umstand, dass Alexander Archipenko Anfang der 1960er Jahre das Saarlandmuseum zum Erben von über 100 seiner Originalgipse aus allen Schaffensphasen bestimmte. Zahlreiche Skulpturen aus diesem kostbaren Bestand sind an beiden Standorten zu sehen. Im KMSKA wurde die Ausstellung in einer erweiterten Fassung unter dem Titel Enchanted Modernism. Donas, Archipenko & La Section d´Or vom 5. Oktober 2025 bis zum 11. Januar 2026 präsentiert.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm sowie einem reich bebilderten Katalog mit zahlreichen Beiträgen internationaler Fachwissenschaftler (in niederländisch- und englischsprachiger Ausgabe) begleitet.


Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr 
Mittwoch: 10:00 – 20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kulturbesitz.de

07.02. - 17.05.2026

Marthe Donas & Alexander Archipenko – Power-Paar der Avantgarde

Saarlandmuseum - Moderne Galerie

Bismarckstraße 11 – 15
66111 Saarbrücken