Die Galerie Stadt Sindelfingen zeigt vom 16.11.2025 bis zum 22.03.2026 die groß angelegte Gruppenausstellung Of Other Places. Ausgehend von Michel Foucaults Konzept der Heterotopien als „andere Orte" versammelt die Ausstellung Arbeiten von Mike Bourscheid, Giulia Cenci, Alex Da Corte, Stine Deja, Flaka Haliti, Monika Michalko und Tobias Spichtig.

Of Other Places präsentiert künstlerische Räume, die von der gesellschaftlichen Ordnung abweichen und alternative Wirklichkeiten eröffnen. Jede künstlerische Position entfaltet ein eigenes Universum mit eigenen Regeln, Atmosphären und Zusammenhängen als reale Gegenorte, in denen sich vertraute Strukturen spiegeln, verschieben und neu denken lassen.
So werden Foucaults „wirkliche, wirksame Orte" zu Erfahrungsräumen des Möglichen, in denen Widersprüche, Emotionen und Geschichten jenseits gewohnter Muster erfahrbar werden.

In Giulia Cencis Installation dry salvages (2022) hängen und lehnen fragil wirkende Körper mit maskenhaften Gesichtern in Duschkabinen. Ihre Augen sind geschlossen, die Körper erschlafft, als befänden sie sich in einem geisterhaften Schlaf einer post-humanen Zukunft. Der Titel verweist auf T.S. Eliots Gedicht The Dry Salvages. Die Installation nimmt aber auch Bezug auf Eliots Das öde Land, das die Vergänglichkeit, die menschliche Ohnmacht und die Sehnsucht nach Erneuerung in einer fragmentierten, erschöpften Welt thematisiert. Eine Realität, die ebenso für die Gegenwart wie für Giulia Cencis dry salvages gültig ist. Flaka Haliti errichtet mit If / Want to Go Home Will Robots Send Me Somewhere Else? (2021) eine massive Wand aus Wellblech, die an Container oder provisorische Flüchtlingsunterkünfte erinnert. Der in ausgestanzten Buchstaben gesetzte Titel, eine Adaption einer Onlinefrage, verweist auf Entfremdung, Kontrolle und Zugehörigkeit. Die Arbeit eröffnet einen Zwischenraum, in dem Grenzen als soziale Konstruktionen erfahrbar werden und das Verhältnis von Innen und Außen, von Realität und Imagination neu verhandelt wird.

Monika Michalko versetzt die Betrachtenden in ein Universum intensiver Farben und komplexer Kompositionen. Ihre surrealen Weltenbilder aus organischen und geometrischen Formen, Fauna, Flora, Vulkanen, Bergen und urbanen Strukturen lassen im Raum einen fantastischen Zufluchtsort entstehen, der mit Wandmalereien, bemalten Möbeln und weiteren installativen Eingriffen den Boden und die Wände einnimmt. Alles verschränkt sich zu einem „anderen Ort", an dem die Betrachtenden in ein märchenhaftes Setting eintauchen, das zwar die Realität in sich birgt, in dem alle gewohnten Gesetzmäßigkeiten dennoch außer Kraft gesetzt sind.

Das Triptychon A Boom, Overheard, Overhead (2023) von Alex Da Corte entfaltet einen komplexen Bildraum, in dem sich die Bildende Kunst, Populärkultur und persönliche Erinnerung überlagern. In den drei Tafeln setzen sich kunsthistorische Bezüge und massenmediale Bildquellen zusammen, wie etwa die Sesamstraße oder ein Gemälde von Joan Brown. Die Leinwand ist bei Da Corte nicht mehr als abgeschlossener illusionistischer Bildraum erfahrbar, sondern als offenes Denkfeld: eine visuelle Heterotopie, in der heterogene Bezüge nicht additiv nebeneinandergestellt, sondern in einem gemeinsamen System miteinander verschränkt sind.

In Grave Matters (2025) führt Stine Deja die Betrachtenden in einen futuristischen Raum, in dem Natur, Technologie und Tod verschmelzen. Vogelgezwitscher und elektronisch verzerrte Klänge begleiten Metallsärge mit digitalen Avataren, sogenannten Griefbots, die den Toten eine Stimme verleihen. Stine Deja zeigt eine Verschiebung in unserem kollektiven Gedächtnis auf, in der Erinnerungen fluide werden, kommerzialisierbar und vielleicht sogar verhandelbar. Ein Gegenraum, in dem das Versprechen ewiger Wiederkehr ebenso lockt, wie die Angst vor dem endgültigen Löschen.
Mike Bourscheid verbindet in seiner Installation Sunny Side Up and Other Sorrowful Stories (2021) und dem Kurzfilm Agnes (2023) Realität und Fiktion. Zwischen gemalter Reihenhauskulisse und alltäglichen Objekten entfaltet sich eine autofiktionale Erzählung über Familie, Fürsorge und Rollenbilder. Humor und Verletzlichkeit machen die leisen Gesten des Alltags spürbar. Kostüme und Requisiten verbinden den Film und die Installation zu einer theatralischen Bühne, in der Identitäten, Erinnerungen und Emotionen erfahrbar werden und so die Betrachtenden selbst zum Teil der Inszenierung werden lässt.

Tobias Spichtig leitet uns den Weg zur Heterotopie schlechthin. Er führt uns auf einen Friedhof, dem Ort, der strikt vom Leben getrennt ist, und an dem wir, wie nirgendwo sonst, mit unserer eigenen Vergänglichkeit konfrontiert werden. Auf spiegelndem, von Fußspuren überzogenem schwarzen Bühnenboden stehen drei metallisch glänzende Grabsteine mit Inschriften wie „All I never wanted" und „I still love you". Bilder zeigen abstrahierte Berge, einen Sonnenaufgang, eine auf einer Bühne tanzende Ballerina und weitere Frauenfiguren.

Während der Friedhof eine besondere Form von Zeitlichkeit verkörpert, in der der Lebensfluss stillsteht, durchdringen sich bei Spichtig Leben und Tod. Wenn der metallische Glanz der Grabsteine matt wird und die Farben des Sonnenaufgangs ineinanderfließen, bleibt somit die flüchtige Ahnung, dass alles, was vergeht, einst leuchtete.