Das Brücke-Museum präsentiert mit Kunst Hand Werk Brücke erstmals eine umfassende Ausstellung zum kunsthandwerklichen Schaffen der Brücke-Künstler. Rund 180 Objekte – darunter Möbel, Schmuckstücke und Teppiche – gewähren einen faszinierenden Einblick in einen bislang wenig beachteten Aspekt der Künstlergruppe. Viele der Exponate waren noch nie in einer Ausstellung zu sehen.

Die Brücke-Künstler entwarfen und gestalteten zeitlebens neben ihren Gemälden und Druckgrafiken auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Insbesondere für Karl Schmidt-Rottluff und Ernst Ludwig Kirchner, aber auch Max Pechstein und Erich Heckel war das Kunsthandwerk kein dekoratives Beiwerk, sondern Ausdruck eines umfassenden ästhetischen Anspruchs: Holz, Metall, Textil und Glas wurden zu Trägern neuartiger künstlerischer Ideen. In der Kunstgeschichte wurde dieser Schaffensbereich bisher nur wenig untersucht und ausgestellt. Mit dem großangelegten Ausstellungsprojekt will das Brücke-Museum diesem Desiderat begegnen und geht dabei neue Wege der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Kunst.

Die Ausstellung nähert sich dem Thema auf innovative Weise über die verwendeten Materialien – Holz, Metall und Textil. Ein besonderer Fokus liegt auf den Herstellungsprozessen und Entstehungskontexten der Objekte. In enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Expert*innen wie dem Holzbildhauer und Restaurator Valentin Kammel, der Schmuckdesignerin Elisabeth Schotte und der Textilkünstlerin Lisa Reichmann, präsentiert die Ausstellung zahlreiche neue Erkenntnisse. Erstmals konnten handwerkliche Verfahren sichee bestimmt, Materialentscheidungen nachvollziehbar gemacht, Fragen der Urheberschaft präzisiert und veraltete Technikangaben korrigiert werden.

Für die Präsentation der verschiedenen Material-Kapitel hat das Brücke-Museum den Architekten Andrea Faraguna, den Designer Jerszy Seymour und die Künstlerin Kasia Fudakowski in Zusammenarbeit mit dem Grafikdesigner Santiago da Silva eingeladen. Ihre Ausstellungsdisplays eröffnen aktuelle Sichtweisen auf die angewandte Kunst der Brücke.

Der größte Teil der Exponate stammt aus dem Bestand des Museums und der Emy und Karl Schmidt-Rottluff Stiftung, darunter mehrere Neuerwerbungen. Ergänzt werden diese durch über 80 Leihgaben aus privaten und institutionellen Sammlungen, darunter der Nachlass Eberhard W. Kornfeld, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf sowie die Kunstsammlungen Chemnitz. Aus dem Kirchner Museum Davos kommt u.a. eine der herausragendsten Leihgaben nach Berlin: das von Ernst Ludwig Kirchner für seine Lebensgefährtin Erna Schilling entworfene Bett, dessen aufwendiger Transport die außergewöhnliche Bedeutung dieses selten gezeigten M.belstücks unterstreicht.

Die Ausstellung wird kuratiert von Lisa Marei Schmidt mit Aya Soika, Professorin für Kunstgeschichte am Bard College Berlin, und Anika Reinike, Kuratorin an den Kunstsammlungen Chemnitz, sowie Daniela Bystron und Christiane Remm (Brücke-Museum).

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der die Forschungsergebnisse dokumentiert und das kunsthandwerkliche Schaffen der Brücke-Künstler in einen erweiterten kunsthistorischen Kontext stellt.