Kaum eine Kaufmannsfamilie der Renaissance steht für Handelsmacht und Reichtum wie die Fugger. Ihre Handelstätigkeiten umspannten die gesamte damals von Europa aus erreichbare Welt und Augsburg wurde zu einem Welthandelszentrum. Aber die Fugger waren auch bedeutende Kunstmäzene, die zahlreiche Künstler ihrer Zeit mit Aufträgen bedachten.
Zum 500. Todestages von Jakob Fugger dem Reichen (1459-1525), der das Handelsunternehmen zu einer ersten Blüte führte, zeigen die Kunstsammlungen & Museen Augsburg in Kooperation mit den Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen kostbare Kunstschätze aus Familienbesitz sowie dem Umfeld Jakob Fuggers des Reichen und seiner Nachfahren. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das bekannte Porträt Jakob Fuggers von Albrecht Dürer aus den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Staatsgalerie in der Katharinenkirche. Nach der Schließung der Katharinenkirche aus statischen Gründen im Jahr 2022 war es in der Alten Pinakothek in München zu sehen und ist nun für „Reichtum der Kunst“ nach Augsburg zurückgekehrt.
Jürgen K. Enninger, Referent für Kultur, Welterbe und Sport:
„Der 500. Todestag Jakob Fuggers ist für uns Anlass, die Rolle der Familie als Kunstmäzene neu ins Bewusstsein zu rücken. Die von den Kunstsammlungen in Zusammenarbeit mit den Fuggerschen Stiftungen konzipierte Ausstellung beleuchtet diese facettenreiche Geschichte eindrucksvoll. Und sie führt uns zugleich vor Augen, wie unverzichtbar gesellschaftliches Engagement für unseren kulturellen Reichtum ist. Denn herausragende Kunst entsteht dort, wo Menschen bereit sind, diese auch zu fördern.“
Kunsthandwerk gelangte zur Blüte
An ihren Wirkungsstätten hatten die Fugger Einfluss auf die dortige Kunstproduktion, sei es, dass sie Maler, Architekten, Bildhauer und Medailleure beauftragten oder dass durch ihre Handelsinteressen beispielsweise in Augsburg das Kunsthandwerk zu Blüte gelangen konnte. Deutsche Künstler zog es nach Italien, italienische Künstler erhielten Aufträge in Augsburg. Dieser befruchtende kulturelle Austausch manifestiert sich in Gemälden und Kunstdenkmälern, oftmals von größter Qualität und höchstem Rang. Knapp 50 Objekte aus eigenem Besitz der Kunstsammlungen & Museen sowie Leihgaben werden in drei Räumen im 2. Obergeschoss Schaezlerpalais gezeigt.
Drei Räume, drei Themen
Dürers Porträt von Jakob Fugger dem Reichen, begrüßt die Besuchenden gleich beim Eintritt in die Ausstellung. Es wurde in der Technik der „Tüchleinmalerei“ angefertigt, bei der die Farben direkt auf feine Textilien aufgetragen wurden, so dass die Textur sichtbar bleibt. Dieses Porträt wird „venezianisch“ eingebettet. Gezeigt werden eine grafische Ansicht des Fondaco die Tedesci, Fuggers Firmensitz in Venedig, ferner Meisterwerke venezianischer Malerei, wie Paolo Veroneses „Venus und Adonis“ nach Tizian, aber auch von Paris Bordone von dem Christoph Fugger ebenfalls Werke besessen hat. Zu sehen sind auch je ein Werk von Tiepolo und Canaletto sowie venezianische Gläser. Diese waren damals absolute Luxuswaren und zeugten vom erlesenen Geschmack ihrer Besitzer.
Präsentiert werden im Eckzimmer die „Fugger im Bild“: Hervorzuheben unter diesen Porträts ist Ulrich Fugger von Hans Maler, ein fulminantes Bild, dessen weitere Fassungen in Karlsruhe und im Metropolitan Museum in New York aufbewahrt werden. Ulrich Fugger war als Nachfolger Jakobs bestimmt, verstarb aber noch vor diesem, so dass Anton Fugger als Nachfolger eintreten musste. Hans Malers Porträt von Jakob Fugger nach Burgkmairs Stich aus den Beständen der Fuggerschen Stiftungen ist hier erstmals im Kontext mit dem Dürerschen Bild zu sehen. Abgerundet wird diese Abteilung durch Porträtdarstellungen weiterer Familienmitglieder der Familie Fugger, so zwei Kinder des Octavianus Secundus, Elisabetha und Christoph Fugger auf Kirchberg, die erst kürzlich im Kunsthandel aufgetaucht sind und erstmals ausgestellt werden.
Der dritte Teil der Schau gibt einen Einblick in die Vielfalt der kunsthandwerklichen Produktion der Reichsstadt Augsburg und die Sammlungstätigkeit der Fugger. Zentrales Ausstellungsstück ist der große Kunstschrank von Christoph Erhart aus der Zeit um 1602/04. Solche Kabinettmöbel dienten als Schreibtisch aber auch als Sammlungsbehälter für Kunst- und Wunderkammer-Objekte. Weiterhin sind einige herausragende Schmuckstücke der Renaissancezeit zu sehen, darunter auch die mithin ältesten bekannten Renaissance-Ohrringe mit Rubinen und kleinen Saatperlen oder auch ein Halsband und emaillierte Anhänger, die das Repräsentationsbewusstsein der Familienmitglieder deutlich machen.
Kleine Broschüre zur Ausstellung
Zur Ausstellung erscheint eine reichbebilderte Broschüre im Umfang von 52 Seiten, die für 8 Euro im Museumsshop verkauft wird. Sie ist neben der bereits laufenden Ausstellung „Der Schlaf der Vernunft – Spanische Meistergrafik von Goya bis Picasso“ in den drei der Maxstraße zugewandten Räumen im zweiten Stock des Schaezlerpalais zu sehen.
Maximilianstr. 46
86150 Augsburg