Eine neue Serie von Farbfeldmalereien des international renommierten Niederländers Robert Zandvliet (*1970) steht im Zentrum der von der Kunsthalle Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Künstler produzierten Ausstellung Paradaidha. Sie verbindet das Thema Landschaft mit einer besonderen Bedeutung: Die umhegte Natur, der Garten - dies bedeutete das altpersische Wort - gerät in den Blick. Es ist kein herkömmlicher Garten, den Zandvliet uns vor Augen stellt. Er gleicht mehr einer Reise an die Quellen der Moderne von der deutschen Romantik (Friedrich) über den französischen Impressionismus (Monet) bis hin zur Farbfeldmalerei des 20. Jahrhunderts. In der Ausstellung treten Bilder der neuen Serie mit früheren Gemälden und Monotypien in Dialog, sodass Paradaidha auch den Facettenreichtum eines über lange Zeit gewachsenen Oeuvres zeigt. Entweder sei ein Bild sich selbst genug (Typus Feld) oder es diene als Bühne für ein Drittes (Typus Schirm). Diese von Zandvliet angenommenen Möglichkeiten von Malerei überhaupt sind nicht mit dem Antagonismus von abstrakt versus figurativ zu verwechseln. In der Szenographie und Aus-wahl der Ausstellung kommen sie deutlich zum Ausdruck.
Den Topos des Verlorenen Paradieses greift Zandvliet nicht auf, doch suggeriert sein eindrückliches Hochformat Porta (2022, siehe Pressebild Nummer 1), vor einem verschlossenen Gatter zu stehen. Erst aus der Nähe öffnet sich das Bild, indem es Strukturen und Stellen unbemalt belas-sener Leinwand erkennen lässt. Die Illusion weicht der Faktizität des Auftrags.
Für Paradaidha hat Robert Zandvliet das besonders breite Gemälde Ager (2025, Pressebild Nummer 6) geschaffen. Ein dicht vor ihm stehender Betrachter erfährt seine Wirkung nachgerade körperlich, als bewege er sich, einem kräftigen Wind ausgesetzt, über einen Grasacker. Diese Empfindung wird aber gestört, denn Zandvliet verzichtet fast vollstän-dig auf naturalistische Details. Der Maßstab bildet nur die Breite des von ihm verwendeten Quastes ab.
Schlagartig bekannt wird Zandvliet mit seinen monumentalen Stilleben Mitte der neunziger Jahre. Er lässt den Realismus jedoch bald hinter sich und wendet sich der Neuformulierung klassischer Aufgaben wie dem Porträt und der Landschaft, mitunter auch Werken anderer Malerinnen und Maler zu. Nicht die Fotografie oder das Studium der Natur setzt er an den Anfang, sondern die Idee von einem Gegenstand, deren Verkörperung in der Malerei er nach einer Phase des Experimentierens möglichst in einem Zug zu realisieren strebt.
Steubenplatz 1
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