Die Künstlerin und Performerin Julia Heyward (geb. 1949, US) beschreibt ihren Umgang mit Sprache als „verworren, assoziativ, fieberhaft und didaktisch.“ Damit führte sie in den 1970er Jahren eine hochgradig affektive und zu jener Zeit ungewöhnliche Form des Schreibens ein, die – wie sie häufig zitiert wird – "closer to the way we think than the way we speak" sei. Ihre theatralische, von Slapstick durchzogene Ästhetik griff mitunter auf das Vaudeville-Theater, Jodeln, mongolischen Kehlkopfgesang, Ventriloquismus (Bauchreden) und Onomatopoesie (Lautsprache) zurück. Sie machte von diesen Techniken Gebrauch, um sprachliches Material und in der Folge Bedeutung selbst untersuchen, sezieren und exponieren zu können. 

Voices of Many Voices rückt Julia Heywards frühe Solo-Performances in den Fokus, in denen sie von Beginn an Monologe, Live-Musik, Videoprojektionen und später interaktive Visuals integrierte, die mühelos zwischen Spoken-Word-Performance, Konzert und Theaterinszenierung migrierten. Anstatt sich auf ein einzelnes Medium zu beschränken, übersetzte sie ihre Arbeit kontinuierlich und konsequent in unterschiedliche Formate, wodurch eine fortlaufende, medienübergreifende wie -reflexive Erforschung von Sprache, Musik und Bildern entstand. 

Kollaboration, Szenografie & Publikation
Trotz der radikalen Subjektivität ihrer Stimme und ihres tiefgreifenden Einflusses auf die New Yorker Underground-Kunstszene der 1970er, 1980er Jahre und darüber hinaus, hat Heywards Arbeit bisher nur wenig institutionelle Anerkennung erfahren. Voices of Many Voices versucht nun, zumindest einen Aspekt ihres bahnbrechenden Schaffens zu würdigen: die Manipulation von Sprache und die Modulation der Stimme. Zusammen mit Miracles in Reverse im Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft(31.1.–19.4.2026), kuratiert von Nele Kaczmarek gemeinsam mit Leonie Schmiese, markieren diese die ersten institutionellen Ausstellungen von Julia Heyward außerhalb der Vereinigten Staaten.

Für beide Ausstellungen entwickelte die Künstlerin und Setdesignerin Celeste Burlina eine Szenografie. Außerdem wird an beiden Standorten ein von Elisa R. Linn und Lennart Wolff kuratiertes Video- und Filmprogramm gezeigt. Das dreiteilige Programm präsentiert Arbeiten, die in New York von den 1970er-Jahren bis in die frühen 1990er-Jahre von Künstler:innen wie Ericka Beckman, Joan Jonas und Howardena Pindell produziert wurden, und reflektiert das künstlerische und politische Umfeld wieder, das Julia Heywards künstlerische und musikalische Praxis prägte.

Beide Institutionen arbeiten aktuell eng an einem umfassenden Katalog zusammen, der neben einführenden Texten der Kuratorinnen Nele Kaczmarek und Theresa Roessler zu den jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkten in Nürnberg und Münster auch Beiträge von Julia Heyward selbst und Jay Sanders (Executive Director & Chief Curator, Artists Space, New York) sowie bislang unveröffentlichtes Archivmaterial enthält. Der Katalog erscheint im Sommer 2026 bei Mousse Publishing, Mailand.