Sammlermuseum, Schatzkammer und „gute Stube“: Das Ludwig Roselius Museum in der Böttcherstraße ist ein einzigartiges Aushängeschild der Stadt Bremen. Der Kaffeekaufmann und Erfinder des koffeinfreien Kaffees (Kaffee HAG) Ludwig Roselius gründete das Museum 1928. Heute umfasst die Sammlung etwa 1000 Objekte, die in stimmungsvollen Wohnräumen arrangiert sind und in ihrer Vielfalt gleichermaßen beeindrucken wie irritieren. Das neue Ausstellungs- und Vermittlungskonzept, das im Rahmen des Projektes „Rethinking Roselius“ entwickelt wurde, geht dem Museumsgründer und seiner Sammlung nun auf die Spur.

Das Ludwig Roselius Museum ist seit fast 100 Jahren eine feste Größe in der Bremer Museumslandschaft und wird doch oft unterschätzt: der Charakter der Sammlung ist schwer greifbar, die Präsentation in Teilen sperrig und der Gründer nicht unumstritten. „Ich bin ja kein Sammler im eigentlichen Sinn“, erklärte Ludwig Roselius (1874–1943) und bat „zu berücksichtigen, dass ich ein Haus einrichte und kein Museum.“ In gerade einmal knapp drei Jahren trug er den Großteil der Sammlung zusammen. Das Roselius-Haus, wie es bei seiner Eröffnung 1928 hieß, vereint Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerk und Möbel vorwiegend norddeutscher Herkunft aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Heute umfasst die Sammlung noch etwa 1000 Objekte, die in ihrer Vielfalt gleichermaßen beeindrucken wie irritieren. Neben historischen Uhren und Lederhandtaschen lassen sich hier Delfter Kacheln entdecken; Barockporträts begegnen qualitätvollen Goldschmiedearbeiten und mittelalterliche Heiligenfiguren einer bedeutenden Glassammlung. Zu den Höhepunkten zählen die Bildnisse von Martin Luther und Katharina von Bora von Lucas Cranach d. Ä., eine Löwen-Aquamanila aus dem 13. Jahrhundert sowie eine Beweinungsgruppe von Tilman Riemenschneider. Die Auswahl der Kunstwerke ist einzigartig, da sie gleichermaßen den persönlichen Geschmack des Gründers spiegelt wie die Kunstmarktsituation der späten 1920er-Jahre.
 
In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um das Museum für verschiedenste Besucher:innengruppen zu öffnen und die Aufenthaltsqualität zu steigern. Mit dem aus Mitteln des Bundesprogramms „Investitionen in national bedeutsame Kultureinrichtungen in Deutschland“ (INK 2024) und der VGH Stiftung geförderte Vermittlungsprojekt RETHINKING ROSELIUS konnte nun ein wesentlicher Schritt dahin gegangen werden, die Geschichte des Hauses und seiner Sammlung zu veranschaulichen, Meisterwerke wie auch Kurioses und Verborgenes sichtbar zu machen und spannungsvoll zu inszenieren:
Hätten Sie gedacht, dass eines der Bildnisse im Museum früher als ein Werk von Albrecht Dürer gehandelt wurde? Welches Schicksal verbirgt sich hinter der Hochzeitstruhe? Welche Materialien wurden zu Trinkpokalen verarbeitet? Wie gestaltete Roselius den Innenhof des Hauses um? Welche Funktion verbirgt sich hinter Objekten wie der kleinen Kusstafel?

RETHINKING ROSELIUS öffnet neue Zugänge zu Museum, Sammler und Objekten und ermöglicht unterschiedliche Perspektiven und Erzählungen. Gerade das Ludwig Roselius Museum bietet hierfür zahlreiche Anknüpfungspunkte in der heutigen Zeit, erfüllen Wohnräume doch ganz elementare Bedürfnisse. Gleichermaßen werden übergeordnete Themen erlebbar wie Heimat und zu Hause sein, Identität und Repräsentation, nationale und globale Verflechtungen. Mit vier Modulen an: Der Einrichtung eines Informations-bereichs zu Ludwig Roselius, einer neu konzipierten, analog und digital zugänglichen Ausstellungstour („Auf neuen Wegen“), der Widmung eines flexiblen Ausstellungsraums sowie der Etablierung einer Veranstaltungsreihe.
Das Projekt greift den besonderen Charakter des Ludwig Roselius Museums auf und zeigt anschaulich, dass Kunst Erlebnis und Erfahrung sein kann.