Mit Buoyant Dribble präsentiert das Künstler:innenhaus Bremen die erste institutionelle Einzelausstellung von Anita Esfandiari in Deutschland. Die Ausstellung vereint eine neu konzipierte, ortsspezifische Werkgruppe und erweitert Esfandiaris Erforschung der skulpturalen Malerei als räumliche und soziale Praxis. An der Schnittstelle von Malerei, Architektur und öffentlichem Raum untersucht Buoyant Dribble, wie körperliche Bewegung, Wiederholung und kollektive Präsenz entstehen, wenn sich die Bedingungen plötzlich ändern und Improvisation erfordern. Das Projekt untersucht, wie sich Menschen durch ein sich veränderndes Terrain bewegen, indem sie dessen Grenzen ausloten, sich an Instabilität anpassen und neue Wege finden, um in einer Umgebung wahrgenommen zu werden, die niemals stillsteht.

Anita Esfandiari konzentriert sich in ihrer künstlerischen Praxis vor allem auf „skulpturale Malerei“: gemalte Flächen, die sich in den Raum ausdehnen und installative Formen annehmen, wodurch die Grenzen zwischen Bild und Objekt zunehmend verschwimmen. Bildhafte und architektonische Elemente sind in ihren Arbeiten untrennbar miteinander verknüpft – ihre Gemälde sind keine statischen Bildträger, sondern räumliche Interventionen, die die Betrachtenden dazu einladen, sie aus unterschiedlichen Perspektiven zu erfahren. Indem die Betrachtenden ihre Position im skulpturalen Aufbau immer wieder verändern, wandelt sich nicht nur ihr Blick, sondern auch die Arbeit selbst. Der Akt des Betrachtens wird so Teil der künstlerischen Arbeit.

Im Zentrum der Ausstellung steht eine neue Serie von fünf skulpturalen Gemälden, die für Bremen geschaffen wurden und von einem Foto von Teenagern beim Basketballspielen inspiriert sind. Esfandiaris Werke – die sich zwischen Malerei, Skulptur und räumlicher Installation bewegen – beschäftigen sich gleichzeitig mit Fragen des Körpers, der Bewegung und der kollektiven Präsenz unter sich verändernden Bedingungen. Ausgehend von der fotografischen Vorlage entwickelt Esfandiari eine Abfolge von Momentaufnahmen, die Körper im Übergang einfangen – zwischen Schweben und Fallen, Aktion und Innehalten. Verbunden durch einen raumgreifenden Rahmen aus Holzbalken, erinnern die Werke an die Form von Basketballkörben und strukturieren den Ausstellungsraum als dynamische Bildfläche. Wiederholung und Variation über Formgrenzen hinweg fungieren als zentrale kompositorische Strategien, die Zeitlichkeit, Achtsamkeit und kollektive Präsenz in den Vordergrund rücken.

„Mich interessiert, wie kleine, alltägliche Bewegungen Bedeutung entfalten können, wenn sie wiederholt und geteilt werden“, sagt Anita Esfandiari. „In dieser Ausstellung wird Malerei zu einer Möglichkeit, über Körper zueinander und zu den Räumen, die sie einnehmen, nachzudenken.“

Mit Blick auf Philosophien des kollektiven Handelns, welche die Rolle der informellen, nicht institutionell organisierten Kollektive ohne feste Ideologie oder erkennbare Führung betonen und dennoch durch alltägliche Praktiken gesellschaftliche Veränderungen anstoßen, nutzte die Künstlerin das Bild des Basketballspielens als Metapher für Widerstand. Inspiriert vom Bild spielender Menschen, widmen sich die Arbeiten Momenten der Verhandlung und Bewegung und verfolgen, wie sich Menschen in sich wandelnden sozialen und räumlichen Bedingungen zurechtfinden. Buoyant Dribble formuliert ein poetisches wie politisches Narrativ über jugendliche aber auch marginalisierte Körper im öffentlichen Raum, über die Kraft kleiner Gesten und über Malerei als Raum für soziale Verbindung und Widerstand. Die raumgreifende Gestaltung der Ausstellung setzt diese Themen in Beziehung zueinander und macht sie körperlich und räumlich erfahrbar. Sie versteht sich als Beitrag zu einer Debatte über künstlerische Praxis im Spannungsfeld von Alltag, Politik und Sichtbarkeit – mit besonderem Fokus auf die vielschichtigen Erfahrungen von Geschlecht, Bewegung und kulturellem Kontext.

Anita Esfandiari wurde in Teheran, Iran, geboren und schloss 2022 ihr Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main ab, wo sie bei Prof. Judith Hopf studierte. Zuvor studierte sie Malerei an der Art and Architecture - Islamic Azad University in Teheran. Esfandiari arbeitet in den Bereichen Skulptur, Malerei und Video und stellte bereits im SculptureCenter New York (2025), im Frankfurter Kunstverein (2023), in den Opelvillen Rüsselsheim (2020), in der Abi Gallery und der Delgosha Art Gallery in Teheran (2020) sowie im Columbus Museum of Art in Ohio aus. Anita Esfandiari lebt und arbeitet derzeit in Berlin.