Mit CRASH PIPE (2026) realisiert die österreichische Choreografin und Performancekünstlerin Florentina Holzinger eine neue Halfpipe-Installation im öffentlichen Raum Hannovers. Die Arbeit entsteht in Zusammenarbeit mit dem Architekt:innenkollektiv raumlaborberlin und wurde vom Kunstverein Hannover initiiert.
Die aus rund acht Tonnen Metall konstruierte Halfpipe wird zunächst auf der Sophienstraße im Kulturdreieck vor dem Künstlerhaus Hannover installiert und anschließend auf dem Raschplatz Hannover weitergeführt. Die Einweihung durch die Künstlerin findet am 28. März 2026 um 15.00 Uhr statt.
Die Installation versteht sich als temporäre Architektur und zugleich als performatives Instrument: eine befahrbare Struktur, die Bewegung, Begegnung und Nutzung im öffentlichen Raum ermöglicht. Skater:innen sind eingeladen, sich die Halfpipe anzueignen und für zwei Monate im Herzen der Stadt zu nutzen. Die Konstruktion aus Metall, die von ausgemusterten Fahrzeugen gestützt wird, erinnert zugleich an ein Bühnenbild und übertr.gt zentrale Motive aus der künstlerischen Praxis von Florentina Holzinger in den urbanen Raum.
Als skulpturale Setzung im Stadtraum verbindet CRASH PIPE Elemente aus Skate-Kultur, öffentlichem Raum und künstlerischer Intervention. Die Installation verschiebt die Grenzen zwischen Kunstwerk und Nutzung: Sie ist zugleich Objekt, Infrastruktur und Bühne. Bewegung wird dabei zum formgebenden Element, das den Raum immer wieder neu aktiviert und das „Recht auf Stadt“ kommentiert – gerade in einer Stadt wie Hannover, in der die Debatte um die Nutzung der Straßen so ideologisiert scheint. Seit einigen Jahren tobt ein vehementer Diskurs um Buzzwords mit unterschiedlichen Konzepten zur „autogerechten“, „autofreien“ und „autoarmen“ Stadt. CRASH PIPE, etwas apokalyptisch anmutend, spielt, als benutzbares Freizeitgerät, humorvoll mit dem Potential von Autos in Innenstädten.
Die Arbeit knüpft damit an zentrale Fragestellungen der parallelen Ausstellung Under the Milky Way. Abstraktion, Autonomie und post-vandalische Tendenzen in der Kunst der Gegenwart an, die künstlerische Strategien zwischen Aneignung des Stadtraums, Autonomie und abstrakter Bildsprache untersucht.
Eine frühere Version des Kunstwerks wurde im Rahmen der Ausstellung Radical Playgrounds im Gropius Bau in Berlin realisiert. Für Hannover wurde die Installation neu entwickelt und erstmals für den urbanen Stadtraum konzipiert.
Das Projekt steht im Kontext der Ausstellung Under the Milky Way. Abstraktion, Autonomie und post-vandalische Tendenzen in der Kunst der Gegenwart (28. März – 19. Juli 2026) im Kunstverein Hannover und entsteht in Kooperation mit dem Kommunalen Kino Hannover (KoKi), der Cumberlandschen Bar und dem Literaturhaus Hannover.
Florentina Holzinger (1986, Wien) zählt zu den international einflussreichsten Choreografinnen der Gegenwart. In ihren radikalen und körperbetonten Performances untersucht sie die Darstellung des weiblichen Körpers und verschiebt bewusst die Grenzen zwischen Hochkultur, Pop, Stunt und Entertainment.
Holzinger studierte Choreografie an der School for New Dance Development (SNDO) in Amsterdam. Ihr Diplom-Solo Silk (2012) wurde beim ImPulsTanz Festival mit dem Prix Jardin d’Europe ausgezeichnet. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie mit Arbeiten wie Apollon (2017), TANZ (2019), Etude for an Emergency (2020) und Ophelia’s Got Talent (2022). Für TANZ erhielt sie den Nestroy Theatre Prize für die beste Regie, Ophelia’s Got Talent wurde mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust ausgezeichnet.
2024 realisierte Holzinger mit SANCTA ihr erstes Opernprojekt. Im selben Jahr übernahm sie eine Hauptrolle im Film MOND (Regie: Kurdwin Ayub), der beim Locarno Film Festival mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeiten wurden mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2026 vertritt sie Österreich auf der 61. Biennale di Venezia.
Sophienstraße 2
30159 Hannover