Anlass für die Ausstellung „Gabriela Jolowicz. Holzschnitte – Woodcuts“ ist die Aufnahme der Künstlerin in die von der Stiftung Niedersachsen herausgegebene Buchreihe „Kunst der Gegenwart“, die jährlich eine Persönlichkeit der niedersächsischen Kunstszene würdigt. Begleitend zur Veröffentlichung der Monografie präsentiert das Museum eine Ausstellung mit zentralen Werkgruppen von Gabriela Jolowicz im Raum „Sprengel Focus“. Ausstellung und Monografie ermöglichen einen Einblick in Jolowicz’ Arbeit mit dem Medium des Holzschnitts und ihre besondere Form der Bild- und Geschichtenerzählung.
Die Ausstellung „Gabriela Jolowicz. Holzschnitte – Woodcuts“ versammelt rund 50 Arbeiten aus verschiedenen Werkphasen und zeigt Jolowicz’ kontinuierliche Auseinandersetzung mit Alltag, Bildtraditionen und dem Medium des Holzschnitts. Die Präsentation macht nachvollziehbar, wie aus Recherche, zeichnerischer Vorbereitung und handwerklicher Präzision vielschichtige Bildwelten entstehen.
SUJETS UND ARBEITSWEISE
Gabriela Jolowicz’ Arbeiten, die Anklänge an Comics und Graphic Novels tragen, zeigen, wie lebendig und überraschend zeitgemäß der Holzschnitt sein kann – gerade weil er auf den ersten Blick nicht zu digitalen, flüchtigen Bildwelten zu passen scheint. Ihre Motive entstammen alltäglichen Situationen, urbanen Räumen, privaten Umgebungen sowie digitalen Bildquellen. Hinzu kommen gezielte Bezüge zur Kunstgeschichte, die sie in ihre Bildwelten integriert. Häufig greift die Künstlerin historische Bildmotive oder Porträts auf und überführt sie in zeitgenössische Kontexte. Figuren wie der Maler Max Beckmann erscheinen in heutigen Stadträumen – etwa in der Arbeit „Beckmann vorm IhmeZentrum“ –, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder urbanen Alltagsszenen.
Gleichzeitig richtet Jolowicz den Blick auf den Alltag der Dinge: Schreibtische, Kaminsimse, Bürgeramts-Mitarbeiterinnen oder alltägliche Gegenstände werden minutiös dargestellt und zu Hauptakteur*innen der Bilder. Diese scheinbar banalen Elemente sind für Jolowicz mehr als Dekoration: Sie fungieren als Träger von Beobachtung, Reflexion und persönlichen Zuständen.
Kurator Stefan Gronert erläutert: „Bei Gabriela Jolowicz begegnen historische Figuren und alltägliche Szenen den Betrachtenden auf gleicher Ebene. Durch die minutiöse Darstellung alltäglicher Gegenstände richtet sie den Blick auf Details, die sonst übersehen werden. Diese Dinge sind nicht einfach ‚schön‘, sie spiegeln Zustände, Gedanken und Beobachtungen und werden zu aktiven Elementen der Bildgeschichte. Die Kombination aus historischen Figuren, urbaner Gegenwart und Alltagsdetails eröffnet neue Beziehungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Alltag, lädt zu Entdeckung und Interpretation ein – und das alles mit einer bemerkenswerten Portion Humor.“
TECHNIK DES HOLZSCHNITTS
Gabriela Jolowicz arbeitet ausschließlich im Medium des Holzschnitts, einer der ältesten druckgrafischen Techniken. Ihre Motive zeichnet sie mit Bleistift direkt auf die Holzplatten, die sie überwiegend aus Pappelsperrholz fertigt. Die Bearbeitung erfolgt meist mit dem Skalpell. Neben dem klassischen Hochdruck verwendet Jolowicz auch den Weißlinienschnitt, bei dem eingeschnittene Linien beim Druck weiß erscheinen. Innerhalb einzelner Arbeiten kombiniert sie unterschiedliche Schnitttechniken, um Materialien, Lichtverhältnisse oder räumliche Strukturen zu differenzieren.
„Die technischen Entscheidungen sind bei Jolowicz eng mit der Bildaussage verbunden“, erläutert Kunsthistorikerin und Monografie-Autorin Gunda Luyken: „Die Reduktion auf Schwarz und Weiß sowie die begrenzten Mittel des Holzschnitts strukturieren die Darstellung und lenken den Blick auf Details und Zusammenhänge.“
Die Künstlerin druckt ihre Arbeiten in kleinen Auflagen im Handabzug. Der Holzschnitt dient ihr dabei nicht als reproduktives Medium, sondern als eigenständige künstlerische Ausdrucksform.
ZUR KÜNSTLERIN
Gabriela Jolowicz wurde 1978 in Salzgitter geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim sowie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) bei Prof. Volker Pfüller und Prof. Thomas M. Müller. 2010 schloss sie ihr Studium als Meisterschülerin ab. Ihre Werke wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem in der Kunsthalle Bremen (2024), im Print Center New York (2014), im Museo Nacional de la Estampa in Mexiko-Stadt (2012) sowie 2025 in einer großen Einzelausstellung in der Kunsthalle Erfurt. Arbeiten von Gabriela Jolowicz befinden sich in öffentlichen Sammlungen wie der Kunsthalle Bremen, der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main und dem Kunstmuseum Reutlingen.
Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover