Walt Disney, Norman Rockwell, Jackson Pollock und Andy Warhol waren alle auf ihrem künstlerischen Gebiet Pioniere. Sie erschufen ein Bild der USA, das noch heute im visuellen Gedächtnis fest verankert ist und ihre Namen sind mit der amerikanischen Kultur des 20. Jahrhunderts untrennbar verbunden. 

In den Vereinigten Staaten wurden Kunst und Kultur, insbesondere ab den 1930er Jahren, in drei Kategorien unterteilt: „lowbrow“, „middlebrow“ und „highbrow“, in etwa vergleichbar mit unserer Unterscheidung in Hochkultur und Populärkultur. Disney, Rockwell und Pollock verdeutlichen in aufsteigender Reihung die ästhetischen Unterschiede zwischen „high“, „middle“ und „low", während Warhol die Grenzen gänzlich aufzuheben versuchte.

Walt Disney hauchte Bildern Leben ein und brachte mit Filmen wie FantasiaBambi oder Dornröschen ganze Generationen von Kindern und Erwachsenen zum Träumen. Er war weniger ein Zeichner als ein Erzähler, dessen Augenmerk insbesondere auf der Stoffentwicklung und Inszenierung lag. Disney schuf mit seinen Zeichentrickfilmen seit den 1920er Jahren Bildwelten für ein Massenpublikum. Zugleich legte er den Grundstein für das größte Medienimperium der Welt.

Norman Rockwell ist in Deutschland noch relativ unbekannt. Aktuell rückt sein Werk jedoch durch den Titel von Lana Del Reys neuem Album Norman Fucking Rockwell auch hierzulande ins Blickfeld. Rockwell war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Chronist der USA und zeigte in seinen Arbeiten ein Amerika, in dem sich jeder wiederfinden konnte. Seine realistischen bis satirischen Schilderungen des amerikanischen Way of Life zierten über 40 Jahre die Titelblätter der wichtigsten Zeitungen der Vereinigten Staaten. Seine Arbeitsweise weist dabei weit über das Verbildlichen hinaus, gingen seinen Covern doch zahlreiche Fotografien, Skizzen und Zeichnungen voraus, die er in großformatige Ölbilder übertrug – die Grundlage jedes Titelbildes.

Jackson Pollock wurde mit Gemälden in der von ihm entwickelten Drip-Technik bereits zu Lebzeiten zum Star. Und in seiner Radikalität wurde der Begründer des Action Paintings zum wohl einflussreichsten abstrakten Künstler des 20. Jahrhunderts. Durch sein Werk trug Pollock maßgeblich dazu bei, dass erstmals eine moderne Kunstbewegung – der Abstrakte Expressionismus – seinen Ursprung in den USA hatte. Diese in den Vereinigten Staaten begründete Hochkultur bedeutete die kulturelle Emanzipation vom „alten Europa“ und stärkte das Selbstbewusstsein der Nation erheblich. 

Andy Warhol war es, der die Grenzen zwischen Populär- und Hochkultur, zwischen „high“ und „low“ einbrach. Er erhob mit seiner Pop Art  Alltagsobjekte in den Rang der Kunst und machte die Massenproduktion von Siebdrucken in seiner Factory zum Markenzeichen. Warhols ikonischen, seriellen Lithografien der amerikanischen Warenwelt und seine farbintensiven Porträts der Stars und Sternchen Hollywoods machten ihn selbst zur Ikone.

Die Ausstellung Amerika! Disney, Rockwell, Pollock, Warhol stellt erstmals diese vier bedeutenden Protagonisten der visuellen Kultur der USA gegenüber. Die rund 170 gezeigten Werke führen vor Augen, wie jeder von ihnen auf ganz unterschiedliche Weise die amerikanische Kultur des 20. Jahrhunderts geprägt hat. Die Schau versammelt Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Objekte und Fotografien, darunter allein sieben Gemälde Jackson Pollocks aus allen Schaffensphasen des Künstlers und alle insgesamt 323 von Norman Rockwell gestalteten Titelbilder der Saturday Evening Post.

Die ausgestellten Werke stammen aus international bedeutenden Sammlungen wie der Tate in London, dem Stedelijk Museum in Amsterdam, dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, dem Museum Ludwig in Köln oder dem Museum Brandhorst in München. Die Arbeiten sind nicht nur herausragende Beispiele der populären Kunst Walt Disneys, Norman Rockwells, Jackson Pollocks und Andy Warhols, sie regen darüber hinaus zum Nachdenken über die Unterscheidung von freier Kunst und Kulturindustrie an.

Der Katalog zur Ausstellung mit Beiträgen u.a. von Greg Barnhisel, Daniel Kothenschulte, Stephanie Haboush Plunkett und Wolfgang Ullrich erscheint im Hirmer Verlag, München (ca. 150 Seiten mit Abbildungen ausgestellter Werke, 29 Euro in der Ausstellung).

Die Ausstellung wird gefördert von ExxonMobil, Bucerius Kunst Club, Bankhaus Lampe, Lampe Asset Management, U.S. Consulate General Hamburg und Claus und Annegret Budelmann.