1843 in Tirol geboren, übersiedelte Josef Wopfner in den 1860er Jahren nach München. Über den Seiteneinstieg als Stubenmaler und Lithograph gelangte er 1864 als Schüler an die Münchner Akademie. Dort studierte er in der Meisterklasse des renommierten Historienmalers Carl Theodor von Piloty. Nachdem er sein Studium 1872 erfolgreich abgeschlossen hatte, reiste er noch im Sommer des gleichen Jahres das erste Mal für einen längeren Zeitraum an den Chiemsee, wo er sich auf der Fraueninsel niederließ.  

Die dortige Landschaft mit ihren spezifischen Wetterstimmungen, das Treiben der geschäftigen Fischer, Handwerker und Bauern beeindruckten ihn so sehr, dass er bis ein Jahr vor seinem Tod 1927 jeden Sommer dort verweilte. Trotz fehlender zielgerichteter Ausbildung in der Landschaftsmalerei widmete sich Wopfner eben jener Disziplin und erarbeitete sich seinen bis heute anhaltenden Ruf als der Chiemsee-Maler.

Während er die Wintermonate in seinem Münchner Atelier verbrachte, nutzte er den Rest des Jahres nicht nur für seine jährlichen Aufenthalte am Chiemsee, sondern auch für zahlreiche Studienreisen. Diese führten ihn insbesondere durch ganz Süddeutschland und in die nahegelegenen Alpen, aber auch nach Frankreich, Italien sowie an die Nord- und Ostsee – ein bislang oft vernachlässigtes Kapitel innerhalb seines Œuvres.

Die Ausstellung in Schweinfurt widmet sich Wopfners Landschaftsmalerei unter der Berücksichtigung des spannungsvollen Kontrastes zwischen der Schilderung ländlicher Naturidylle einerseits, und seinen sich deutlich davon abgrenzenden dramatischen Kompositionen. Dabei ist seine Landschaftsmalerei nie Selbstzweck. Vielmehr bildet sie den Rahmen einer zeitlosen Auseinandersetzung: dem Zusammenleben von Mensch und Natur. 

Mit 12 Gemälden, 116 Skizzenbüchern und 81 Arbeiten auf Papier beherbergt das Museum Georg Schäfer einen der umfangreichsten Bestände zum Künstler. Um ausgewählte Leihgaben aus Privatbesitz bereichert, präsentiert die Ausstellung 70 Exponate. Neben seinen Skizzenbüchern und Zeichnungen, die einen Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers geben, werden 25 Gemälde zu sehen sein.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (128 Seiten), 24,90 €.