Am Sonntag, den 15. September 2019, eröffnet um 15 Uhr im Lindenau-Museum Altenburg die kulturhistorische Sonderausstellung „Mit den Waffen einer Frau. Furchtlose Frauengestalten der Antike“. Den Kern der Schau bilden zahlreiche Darstellungen außergewöhnlicher weiblicher Figuren aus dem weitverzweigten Kosmos der griechischen Mythologie. Deren Repräsentation im Bild steht ebenso im Vordergrund wie die unterschiedlichen Erzählungen über ihr Leben und Wirken. 

„Denn eine Frau ziert Schweigen, ziert Bescheidenheit am schönsten, und im Hause still zu sein.“ Euripides' Vorstellung einer beispielhaften Frau war in der von Männern dominierten Gesellschaft des antiken Griechenlands weit verbreitet. Dennoch gab es auch im Altertum abweichende Rollenbilder der Frau, die zwar überwiegend aus dem mythischen Bereich stammen, gleichwohl  Einblick in die realen Ängste oder Wünsche der Menschen gewähren. Diese Frauengestalten eint das Hinwegsetzen über das genormte Rollenverhalten ihres Geschlechts, indem sie aktiv, offensiv und selbstbestimmt handeln. Da sie mit diesen Qualitäten die bestehende gesellschaftliche Ordnung ihrer Zeit gefährden, geht es für die Frauen im Verlauf der mythischen Handlung selten gut aus – meist droht ihnen der Tod oder die Einbuße ihrer Selbstbestimmung durch Heirat.

In der Antike wurden die atypischen Vertreterinnen ihres Geschlechts als Nebenfiguren oder Gegenspielerinnen des tollkühnen Helden angelegt. Im Lindenau-Museum erhalten die „Bad Girls“ nun eine eigene Bühne in neutralerem Licht und Raum für ihre ungestüme Wildheit, Ekstase, Rachsucht und Kampfeslust. 

Die Ausstellung widmet sich neben dem kriegerischen Frauenvolk der Amazonen und den wild-ekstatischen Mänaden im Gefolge des Dionysos auch den Schicksalen individueller Figuren: Die Königin Omphale, die Jägerin Atalante, die Seherin Kassandra, die Zauberinnen Kirke und Medea sowie die Mörderinnen Klytaimnestra und Prokne werden in einzelnen Bereichen beleuchtet, die nicht nur von den unkonventionellen Taten der facettenreichen Heroinen erzählen, sondern auch ihre Beweggründe untersuchen. Gezeigt werden sowohl antike Darstellungen in Form von Keramik und Originalplastiken, als auch Gipsabgüsse und Grafiken des 19. Jahrhunderts. Zu den Exponaten der Sammlungsbestände Lindenaus zählen die Reliefplatten eines prachtvollen Sarkophags, die seit den 1930er Jahren nicht mehr der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Sie werden durch Leihgaben aus den Staatlichen Antikensammlungen München,  den Antikensammlungen der Universitäten Würzburg, Erlangen-Nürnberg, Jena, Leipzig, Gießen, Göttingen und Bonn sowie aus Privatbesitz bereichert.