Die Herstellung von Federschmuck ist aus vielen Regionen der Welt bekannt. Die Vogelfamilien, von denen die verwendeten Federn stammen, unterscheiden sich dabei von Region zu Region. Wie Federn von unterschiedlichen Kulturen der Welt genutzt wurden und welche Vogelarten begehrte Federn besitzen, das präsentiert eine große ethnologische Sommerausstellung im Museum Wiesbaden. Das Hessische Landesmuseum für Kunst und Natur lädt vom 16. Juni 2019 bis zum 8. März 2020 zu einer Entdeckungsreise in die Welt der Federn ein. Auf 700 Quadratmetern bietet die Ausstellung „Mit fremden Federn“ in drei Sälen Exkursionen zu fünf Kontinenten an, ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Südamerika. Neben dem farbenprächtigen Federschmuck Südamerikas und dem für modische Kreationen verwendeten Schmuck der Paradiesvögel beeindruckt die Nutzung von Federn auch für kultische Objekte in Afrika. Aus Europa finden sich Alltagsgegenstände zu speziellen Themen wie der Jagd und der Symbolik von Federn bis zu aktuellen Hutdesigns. Die Ausstellung präsentiert über 300 Exponate – neben seltenen und exzellenten Vogelpräparaten auch bisher noch nicht gezeigte ethnologische Zeugnisse.

Vogelfedern sind Allround-Künstler. Sie schützten vor extremen Temperaturen, vor strömenden Regen und dienen der Kommunikation. Ohne Federn können Vögel nicht fliegen. Im Laufe der Evolution haben sich zahlreiche Variationen an Formen und Farben entwickelt. Sie ermöglichten eine erfolgreiche Verbreitung der gefiederten Lebewesen auf allen Kontinenten und in allen Lebensräumen mit mehr als zehntausend Arten. Hat ein Vogel eine Feder verloren, landet sie schnell als Schmuckstück im Haar oder am Hut. Wann Menschen begannen, sich mit Federn zu schmücken, ist nicht belegt. Dazu ist die Menschheitsgeschichte zu alt und die Natur der Feder zu vergänglich. Der Gebrauch von Federn ist dagegen aus vielen Kulturen der Welt und seit Jahrhunderten bekannt. Von Nutzen sind sie als wärmende Decken, als Teil von Spiel- und Sportgeräten oder als Schreibfedern. Vor allem haben kulturelle Bedeutungen, wechselnde Moden und unterschiedliche Verfügbarkeit von Federn eine formenreiche und farbenprächtige Vielfalt an Kopfschmuck- und Kleidungsstücken hervorgebracht.

In der Ausstellung „Mit fremden Federn“ vereinen sich Kunst und Natur mit der Welt indigener Kulturen, in denen Federarbeiten eine herausragende Rolle spielen. Die Ausstellung stellt Federschmuck und kulturelle Erzeugnisse verschiedenster Regionen vor, darunter Masken, Kopfbedeckungen und Armschmuck. Diese werden ergänzt durch Vogelpräparate der Arten, die als Quelle dienten. Das Gefieder von Aras oder Paradiesvögeln war begehrter Bestandteil von Federschmuck. In den Tropen werden besonders farbenprächtige und auffällige Vogelfamilien genutzt, darunter Kotingas und Tangaren in Südamerika, Paradiesvögel in der Australis oder Perlhühner in Afrika. Papageienfedern finden überall Zuspruch. In Südamerika sind besonders die Federn der Aras, in Asien die der Pfauen und Fasanen und in Australien die der Kakadus gefragt. Auch die Federn domestizierter Haushühner finden sich im Schmuck zahlreicher Kulturen wider.Im Alltag findet und fand Federschmuck jedoch nicht nur dekorativen Nutzen. Er wird verwendet bei Feierlichkeiten und rituellen Handlungen, darunter Initiationsriten, kann die Zugehörigkeit zu Gruppen signalisieren und gibt Aufschlüsse über den Rang seines Trägers oder seiner Trägerin. Eine Vielzahl an Beispielen liefern Leihgaben aus der Sammlung Werner Hammer, die einzelne indigene Gruppen Südamerikas vorstellen, darunter die WaiWai, Wayana Aparai, Karajá, Kayapo, Munduruku oder Jivaro. 

Kolonialismus und Restitution werden ebenfalls in der Schau thematisiert. Bereits im frühen 19. Jahrhundert gelangten Federarbeiten auch nach Wiesbaden – als Handelsgut, Geschenke und Forschungsgegenstände. Die Naturhistorischen Sammlungen beherbergen seitdem eine kleine, aber exzellente ethnologische Sammlung, die Südamerika mit Federarbeiten fokussiert und für die Ausstellung durch Leihgaben ergänzt wurde. 

Fritz Geller-Grimm, Kurator der Ausstellung: „Die Vielfalt der Natur, ihrer Lebensräume und Arten, werden ebenso bedrängt wie die Vielfalt menschlicher Kulturen und deren Lebensweisen. Davon zeugen in besonderem Maße historische Sammlungen, die einen Blick in eine Welt ermöglichen, die so bereits verloren gegangen ist. Das Museum ist ein Ort für Entdeckungen, zur Entwicklung eines Interesses und Förderung von Respekt gegenüber dem Anderssein. Federarbeiten sind in diesem Zusammenhang ein besonderer Schatz und es ist zu hoffen, dass sowohl die Natur als auch die kulturelle Nutzung durch den Menschen eine Zukunft erleben dürfen. Die aktuelle Diskussion um Kolonialismus und Restitution auch von ethnologischen Objekten ist notwendig und hilft, ein größeres gegenseitiges Verständnis aufzubauen. Sie darf aber nicht davon ablenken, dass ethnologische Exponate nicht alleine ihrer Besonderheit oder Eleganz wegen gesammelt wurden. Sie sind ebenfalls Botschafter von Kulturen, die bereits erloschen sind oder dringend auf Unterstützung angewiesen sind.“ 

Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher ein zu einer Reise durch die Kulturen Südamerikas, mit Exkursen nach Nordamerika, Australien, Afrika, Asien und Europa. Ein Raum widmet sich darüber hinaus auch den historischen Methoden zur Jagd auf Vögel. Weiterhin veranschaulichen zwei Dioramen den Lebensraum der Vögel in Neuguinea. Mitmachstationen für Klein und Groß stellen spielerisch die Vielfalt der Nutzung von Federn vor.