Keine Linie ohne den Körper, kein Körper ohne Linie. Das Kernelement im multimedialen Werk des südafrikanischen Künstlers Robin Rhode (*1976) ist die Linie, die sich durch die Interaktion mit dem Körper entwickelt und verlebendigt, bis sie eine abstrakte Form oder ein Objekt definiert. Schritt für Schritt inszeniert und dokumentiert Robin Rhode seine visuellen Kurzgeschichten, die sich fast immer auf der Wand abspielen. Mit diesen unverwechselbaren Wiedererkennungsmerkmalen – Zeichnung, Körper und Wand – hat er sich international einen Namen gemacht. Memory Is the Weapon ist nach der Ausstellung im Haus der Kunst in München 2007 die erste Einzelausstellung nach 12 Jahren in Deutschland. Auf rund 800 m2 bietet sie mit digitalen Animationen, fotografischen Serien, Zeichnungen, skulpturalen Elementen sowie Performances einen breiten Überblick über das Werk von Robin Rhode, einschließlich neuer Arbeiten, die eigens für die Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg in Jericho entstanden sind.
Der Einfluss urbaner Musikkultur, Film, populärer Sportarten, Jugendkultur und die lokale Tradition des Geschichtenerzählens haben die Entwicklung der für Robin Rhode zunächst typischen Street-Art-Ästhetik beeinflusst. Im Gegensatz zur Graffitikunst geht es ihm jedoch nicht darum, was er im urbanen Kontext zurücklässt, sondern um den Prozess. Zeichnet er anfänglich einfache Sportgeräte mit Kreide auf den Bodenoder die Wand, um sie dann zu „nutzen”, werden seine Entwürfe und Themen kontinuierlich komplexer – ein inhaltlicher Spagat zwischen südafrikanischer Geschichte, Kultur, Mentalität sowie Zeichen und Codes und der abstrakten Sprache europäischer Kunstgeschichte.

Seit 2002 lebt Robin Rhode in Berlin. Im Gegensatz zu den farbgewaltigen, in Südafrika entstehenden Arbeiten, erkundet er in Deutschland schwarz-weiße Zugänge zur Zeichnung. Hier gestaltet er nicht nur mit Seife, Kohle, Kreide und Farbe, sondern Alltagsgegenstände wie Stühle, Fahrräder oder Betten werden zum performativen Zeicheninstrument. Die expressiven Zeichnungen, die aus seinen energiegeladenen Performances resultieren, stehen im Gegensatz zum perfektionierten Illusionismus und der intendierten Leichtigkeit seiner aufwendigen Wandarbeiten. Robin Rhode reduziert komplexe, bisweilen auch gesellschaftskritische oder -analytische Inhalte auf wenige visuelle Zeichen oder, wie er es ausdrückt, er vereinfacht das Chaos mit den Mitteln der Kunst.

Zur Ausstellung entsteht ein umfassender Katalog in deutscher und englischer Sprache, der alle Werke der Ausstellung aufnimmt. Mit Beiträgen und Interviews von Andreas Beitin, Dor Guez, Uta Ruhkamp und Florian Steininger.