Ryöji Ikeda (*1966 in Gifu, Japan. Lebt und arbeitet in Paris, Frankreich, und Kyoto, Japan) gehört weltweit zu denbedeutendsten Sound- und Medienkünstlern. Seine oft großformatigen Licht- und Klanginstallationen haben international vielfach für Furore gesorgt (u.a. 2018 Centre Pompidou, Paris; 2018 Eye Filmmuseum, Amsterdam; 2015 ZKM Karlsruhe; 2014/15 Minsheng Art Museum, Shanghai; 2014 Musée d'art contemporain de Montréal). 2019 präsentiert das Taipei Fine Arts Museum, Taiwan, eine Einzelausstellung von Ryöji Ikeda.

Mit seiner immersiven Medienkunst macht er digitale Universen visuell und akustisch erlebbar und liefert faszinierende künstlerische Reflexionsebenen für die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft. Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt mit der Ausstellung in der völlig abgedunkelten zentralen Ausstellungshalle erstmals gemeinsam zwei neue großformatige Installationen, die eigens für das Museum eingerichtet werden:data-verse 1 (aktuell zu sehen auf der Biennale in Venedig) und data-verse 2.

Ryöji Ikeda arbeitet nicht mit den traditionellen Materialien der bildenden Kunst – Ölfarbe, Leinwand, Holz, Bronze, Marmor etc. –, sondern mit Medien und Daten. Er nutzt digitale Daten, um „die Welt bis ins kleinste Detail hinein zu erfassen“ (R. I. 2008), und diese mit aufwendigen und technisch perfekt eingerichteten Projektionen zu visualisieren. Seine Licht- und Klanginstallationen haben dabei ihre Ursprünge weniger in künstlerischen als vielmehr in (natur)wissenschaftlichen Quellen, wie etwa der Mathematik, der Physik, der Biologie oder auch der Musikwissenschaft sowie der Philosophie. Auch die generierten Sounds speisen sich in der Hauptsache aus digitalen Quellen. Ikeda gelingt es, die für die meisten Menschen unvorstellbaren Datenmengen und Rechenleistungen, mit denen wir es tagtäglich bewusst oder unbewusst zu tun haben, in wenn auch nicht begreifbare, aber dennoch in vorstellbare Dimensionen umzuwandeln und die Betrachter*innen in digitale Universen eintauchen zu lassen. Diese immersive Qualität seiner raumgreifenden Installationen, welche die Betrachter*innen oszillieren lassen zwischen dem Eindruck, sich kleinsten messbaren Einheiten gegenüberzusehen oder sich mit und auf Datenströmen auf kosmischen Reisen zu befinden, ist sicher eine der herausragenden Stärken von Ikedas Werk, der zudem den absolut globalen Ansatz seines Kunstverständnisses offenbart.

Bei Ikedas Installationen spielt zum einen die umgebende Architektur eine entscheidende Rolle, deren Spezifika bei der Einrichtung der Installationen berücksichtigt wird. Zum anderen sind die Besucher*innen der Ausstellung aufgefordert, sich im Raum zu bewegen, um die eigene Wahrnehmung zu überprüfen und sich der eigenen Position bewusst zu werden. Dabei werden sowohl die Grenzen der individuellen Wahrnehmungsfähigkeit ausgelotet als auch das Verhältnis von Raum und Zeit. Die den Installationen unterlegten pulsierenden Sounds reichen in ihrem Spektrum von kaum hörbaren Sinustönen bis hin zu dumpfen, geradezu physisch erfahrbaren Klängen, wodurch eine zusätzliche, die Wahrnehmung irritierende Ebene hinzukommt. Die Visualisierungen spielen bewusst mit völlig konträren Dimensionen, die einerseits an Bits und Bytes, also an die kleinsten Einheiten digitaler Datenflüsse denken lassen und andererseits geradezu universumsartige Dimensionen inszenieren. Auch die neueste 4K-Projektionstechnologie trägt mit dazu bei, die Ausstellung zu einem faszinierenden synästhetischen Gesamterlebnis werden zu lassen.

Die Produktion von data-verse 1 und data-verse 2 wurde großzügig von Audemars Piguet gefördert.