Den Wald mit allen Sinnen spüren. Dafür müssen Sie nicht weit reisen. In der neuen Ausstellung der ERES-Stiftung ist Natur mitten in der Stadt zu erleben, doch in ungewohnter Form. Denn die Zeile „And the forests will echo with laughter ...“ aus einem Led Zeppelin-Song führt mitten hinein in einen künstlerisch-abstrakten Waldparcours – ohne Bäume. 

Vögel, die in der Hecke des Vorgartens zwitschern – eine Klanginstallation des Künstlerduos Marcellvs L. & Munan Øvrelid– stimmen den Besucher auf die Waldexkursion ein. „Im Tiefen Wald“, einer wuchtigen Raumkonvertierung gleich am Eingang, fühlt man sich geborgen und gefangen zugleich. Der österreichische Künstler Hans Schabushat damit einen Ort geschaffen, der den Wald einerseits als Rückzugs- und Schutzort, als Gegenentwurf zur Zivilisation markiert, ihm andererseits aber auch eine magische, unheimliche und märchenhafte Komponente verleiht. Ein Blick durchs Fenster hinein in James Bennings Videoarbeit „Two Cabins“ eröffnet Ausblicke aus den Waldverstecken des legendären Aussteigers Henry David Thoreau („Walden“) und des berüchtigten „Unabombers“ Ted Kaczynski. 

Im Kostüm von Ratte und Bär sind mit dem Künstlerduo Fischli / Weissphilosophische Lebens-Betrachtungen zweier Außenseiter im Bergwald zu hören.In der eigens für die Ausstellung gebauten Media-Art-Installation „Espírito da floresta / Forest spirit“ nimmt einen der Amazonas-Regenwald mit seinen zahllosen Geräuschen gefangen. Marcus Maederentführt in eine Behausung, die einem Shabono nachempfunden ist und macht darin mittels Sonifikation die „Sprache“ der Bäume hörbar. Mit John Cages „Mushroom Book“ geht es weiter auf eine Pilzexpedition voller Rätsel, während Martin Kippenbergers Installation „Jetzt geh ich in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald“ eine humoristische Kehrtwende einleitet. Walt Disneys Bambi scheint im letzten Raum der Galerie zu warten. Oder doch nicht? Die Videoarbeit „Mastering Bambi“ des niederländischen Künstlerpaars Persijn Broersen & Margit Lukácspräsentiert eine konstruierte Natur in 3D, die im Spiel zwischen Virtuellem und Realem die Wahrnehmung des Betrachters scharfstellt. 

Im Fokus der Ausstellung steht der Wald als sozialer Raum. Sein Ökosystem funktioniert auf der Basis von Vernetzung, Austausch und Symbiose. Vor unseren Augen verborgen, spielen sich komplexe Prozesse ab, die nicht nur für die beteiligten Organismen lebenswichtig sind. Denn der Wald ist mehr als nur Bäume: Als Wirtschaftsgut, Lebensraum, Sauerstoffproduzent, CO2- und Wasserspeicher, aber auch als Sehnsuchtsort, mystischer Raum und Gegenentwurf urbaner Zivilisation spielt er für den Menschen eine essentielle Rolle. Zeitgenössische künstlerische Positionen eröffnen unerwartete Zugänge in das Bedeutungsdickicht Wald, naturwissenschaftliche Vorträge werfen Schlaglichter auf das faszinierende Wood Wide Web.

Künstler:
John Baldessari, Luisa Baldhuber, James Benning, Persijn Broersen & Margit Lukács, John Cage, Miriam Ferstl, Fischli / Weiss, Tue Greenfort, Wolfgang Kaiser, Martin Kippenberger, Marcellvs L. & Munan Øvrelid, Klaus Littmann, Marcus Maeder, Antje Majewski, Albert Oehlen, Daniel Roth, Michael Sailstorfer, Hans Schabus


Öffnungszeiten:
Samstag: 10:00 - 18:00 Uhr
Der Eintritt ist frei. Einlass nur nach Online-Voranmeldung unter www.eres-stiftung.de/besuch

Weitere Informationen direkt unter: eres-stiftung.de

key visual © ERES-Stiftung, Design: strobo B M
27.06.2020 - 27.03.2021

„And the FORESTs will echo with laughter …“ Wald ohne Bäume in Kunst + Wissenschaft

ERES-Stiftung Kunst+Wissenschaft

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80801 München